Vom Mythos ins Leben- Vom Scheitern ins Gelingende

Werner Lampert

In düsterer, blutiger Vorzeit, in einer Zeit in der jeder seines nächsten Feindes und die Verwahrlosung unter den Menschen eine himmelschreiende war, erbarmten sich die Götter des Menschen.

Sie sandten Ceres zu den Barbaren. Ceres entriss einem dieser Verlotterten den Speer und zog damit Furchen, nahm Körner aus ihrem Kranz, legte sie in die Furchen und im Handumdrehen erstrahlte das sonnengoldene Getreide.

Ceres unterwies die Menschen im Landbau und im Umgang miteinander. Mit dem Wissen des Landbaus hatten die Menschen den konkurrierenden Hader gegeneinander nicht mehr Not.

Es war genug für alle da.

Und Ceres unterweist die Menschen: die menschliche Freiheit kann nur aus gegenseitigem Respekt voreinander und der moralischen Selbstbeschränkung erwachsen, die es dem Menschen gestatten, sich mit dem Nächsten zu verbinden, damit das Zusammenleben auf Eintracht gründet. (Schiller)

Sie sehen, die Landwirtschaft hätte uns ermöglichen sollen, solidarische, mitfühlende, kultivierte Menschen zu werden. Das war die Erlösungstat, die Kulturleistung der Landwirtschaft, so gedacht an ihrem Beginn.

Heute ist die Landwirtschaft der größte CO2 Emittent, der größte Vernichter des Süßwassers, der größte Zerstörer der Biodiversität.

Die Landwirtschaft in ihrer konventionellen Ausprägung fußt heute auf Ausbeutung und Zerstörung der Natur, Vergiftung der Umwelt, auf Vernichtung des Bodens, auf der Qual von Tieren, Ausbeutung von Tieren und auf der Erniedrigung von Menschen.

Dieses destruktive Modell trägt die Wirtschaft, die ihre Lebensmittel herstellt zum großen Teil. Ohne den Tag für Tag praktizierten Kolonialismus wäre die Landwirtschaft nicht in der Lage uns zu ernähren. Fast jedem Lebensmittel, das sie heute erstehen, haftet diese Tragik, die Katastrophe an.

In 20/ 30 Jahren wird uns diese Landwirtschaft nicht mehr nähren können. Das heute gelebte Modell ist eine Sackgasse. Dieses Modell steuert unwiderruflich auf einen Kollaps zu. Jedem, der sich damit auseinandersetzt, ist diese Tatsache bewusst. Doch zu einer rechtzeitigen Umkehr wird es nicht kommen. Daher kann nur ein gesellschaftlicher Wandel die Wende schaffen.

Wir leben in einer Gesellschaft der Auflösung. Werte leiten nicht mehr, Orientierungen verlieren wir vor der Unübersichtlichkeit der Herausforderungen aus dem Auge. Die Diskontinuität ist der Herold der Zeit. Kein Deus ex machina wird es uns richten.

Nur wir, in unserer Gesamtheit, die Zivilgesellschaft, können sich der Herausforderung stellen und sie annehmen. Nur wir gemeinsam können Wege finden unsere gesellschaftlichen Probleme, unsere wirtschaftlichen Probleme, unsere Umweltprobleme zu bewältigen. Und, wir werden nur aus einer radikal solidarischen Existenz heraus die Wege finden.

Dieses Ziel setzt sich der Blog. Und die Maxime ist die Nachhaltigkeit in all ihren Facetten. Konsequent gelebt, ist der holistische Ansatz der Nachhaltigkeit alternativlos um aus der Misere herauszufinden.

Über Werner Lampert
Werner Lampert (geboren 1946 in Vorarlberg/Österreich) zählt zu den Wegbereitern im Bereich nachhaltiger Produkte und deren Entwicklung in Europa. Der Biopionier beschäftigt sich seit den 1970er-Jahren intensiv mit biologischem Anbau. Mit Zurück zum Ursprung (Hofer) und Ja! Natürlich entwickelte er zwei der erfolgreichsten Bio-Marken im deutschen Sprachraum.
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