Das gastfreundlichste Land, ja, aber nicht um jeden Preis

Heu

Die Selbstständigkeit Österreichs ist seit 1945 kein Thema mehr. Man hat aus der Geschichte gelernt. Der „Anschluss“ war keine gute Idee.Die Eigenständigkeit dieses kleinen Österreich wurde zum Selbstverständnis von Generationen. Einige ewig Gestrige gibt es leider noch. Sie nennen ihr Heimatland eine ideologische Missgeburt, die das historisch gewachsene Deutschtum leugnet.

Sei’s drum!

Interessant, dass viele Österreicher aber den „Anschluss“ sprachlich praktizieren.

Wenden wir uns diesem Phänomen zu, das sich in letzter Zeit mehr und mehr einschleicht und den österreichischen Dialekt betrifft – ein Prozess, der zum Ende des heimischen Sprachschatzes werden kann.

Ein Beispiel: das Grüßen.

Vor einigen Jahren konnte man „Tschüss“ nur vereinzelt bei uns hören, was aufgrund der Herkunft des Wortes logisch erscheint, da es aus Norddeutschland stammt. Dort hat man es angeblich wieder aus dem französischen und niederländischen Raum von geflüchteten Hugenotten übernommen.

Fazit: heut tschüsst es bei uns in jeder Ecke !

„Hallo“ fand beim Telefonieren seine Verwendung. Heute verdrängt es als Grußwort unser charmantes „Servus“.

Schlimmer wird es noch bei Wörtern, die heute dem Verschlucken von Silben zum Opfer fallen: aus „einmal“ wird „mal“ und aus „eine“ wird „ne“.

Ich find es einfach schade, dass man in einigen Jahren einen Österreicher an seiner Sprache nicht mehr erkennen wird, da diese im Einheitsbrei deutscher Dialekte versunken ist.

Da geh ich „hoch“ … und nicht mehr „hinauf“! Ja, das „macht“ Sinn und „hat“ keinen Sinn mehr.

Wir passen uns halt gar so gern an die Deutschen an, dafür können die aber nichts.

Im Gegenteil: die verehren ihre Sprache. Die würden nie auf die Idee kommen, zu Rahm Obers zu sagen.

Wir bezeichnen das in einigen Teilen der schönen Steiermark bereits als Sahne. Wie lange wird es dauern, bis wir „Schlagsahne“ in den Mund nehmen ?

Die schmeckt nicht mehr „gut“, die schmeckt „schön“ oder gar „lecker“ – wie die „Tomate“. Der „Paradeiser“ hat sich schon vertschüsst!

Dem österreichischen Klassiker Franz Grillparzer hat der deutsche Dichter mit dem so germanischen Namen Friedrich de la Motte Fouqué einmal vorgeworfen, er, Grillparzer habe seine Theaterstücke immer in Spanien, Böhmen etc. spielen lassen, aber noch nie ein deutsches Heldendrama verfasst.

Grillparzer antwortete: Ich verachte euer deutsches Wesen nicht; nur, ich kann es nicht gebrauchen !

Darüber sollten einmal jene nachdenken, die sich der eigenen Sprache entziehen.

Komisch, dass niemand auf die Idee kommt, statt Marillen Aprikosen zu sagen. Wobei hier seitens der EU der Unterschied, ob es jetzt in Österreich Marmelade oder Konfitüre zu heißen hat, bis dato noch immer nicht geklärt erscheint, aber das ……. is mir Powidl ! Also auch sprachlich, zurück zum Ursprung!

Über Gerald Pichowetz
Geboren: Ja, in Wien ———– Am liebsten: in der Steiermark ———– Schulen: Zwangsläufig———– Ausbildung: Mehrere ———– Beruf: Schauspieler und Theaterdirektor ———– Hobby: Modelleisenbahn
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  • Mario Sedlak

    Was ist so schlimm, wenn Menschen dieselbe Sprache sprechen? Ich finde das im Gegenteil erstrebenswert. Die Lebensmittel ändern sich ja zum Glück nicht, wenn sie nur anders genannt werden.

    Seit eh und je wurde jede sprachliche Veränderung als „Verfall“ kritisiert. Aber es gäbe meiner Meinung nach wichtigere Dinge, für die man sich einsetzen könnte, z. B. dass es im Supermarkt kaum noch Mehlspeisen ohne Aromazusätze zu kaufen gibt.