Acht Flaschen für eine Jeans

© Levi's WasteLess Denim

Aus gebrauchten Plastikflaschen Jeans herstellen? Dies mag zwar am ersten Blick etwas seltsam und vor allem unbequem anmuten, am zweiten Blick und Griff auf die Jeans jedoch zeigt sich rasch, wie modischer Anspruch, Tragekomfort und ökologisches Denken Hand in Hand gehen können. Der Jeanshersteller Levi’s hat nun die erste „Waste<Less“-Jeans-Kollektion lanciert und setzt bei der Produktion auf Abfallmaterialien.

Ist Recycling das neue Bio?

Könnte durchaus sein, speziell im Textil- und Bekleidungsbereich lassen einen zahlreiche Studien und Rankings zu diesem Schluss kommen. Dass die Wiederverwertung von vermeintlich nutzlosen Materialien und Fasern deutlich ressourcensparsamer ist als die Neuproduktion aus Materialien wie Baumwolle, leuchtet ein. Der Energieverbrauch zum Anbau und zur Heranzüchtung des Rohstoffs Baumwolle ist in jedem Fall energieaufwendiger als die Wiederverwertung von Materialien. Und da ist es egal ob es sich nun um konventionelle oder biologisch angebaute Baumwolle handelt.

©Levi's WasteLess fiberAlleine in Amerika wirft jeder US-Bürger durchschnittlich 30 Kilo (Baumwoll-)Kleidung pro Jahr einfach in den Müll. Das sind rund 12 Millionen Tonnen Textilien und Schuhe übers Jahr. Da liegt es nur Nahe dieses enorme Reservoir an ausgedienter, ungenutzter Bekleidung wieder zu verwenden.

„The greenest product is the one that already exists“. Das Credo der US-Sportmarke Patagonia steht symbolisch für deren umweltfreundliche Philosophie: Stelle das beste Produkt her, belaste die Umwelt so wenig wie möglich und inspiriere andere, Lösungen zur aktuellen Umweltkrise zu finden. Das im Jahr 2001 gegründete Eco-Outdoor-Label gilt als Vorreiter des „Faser-zu-Faser“-Recyclingsystems. Seit einigen Jahren bereits setzt das kalifornische Unternehmen auf die erfolgreiche Wiederverwertung von Bekleidung und Textilien. So können alte Produkte von Patagonia im Rahmen der sogenannten  „Common Threads“-Initiative in Shops zurückgegeben werden. Diese Textilien werden dann entweder weiterverwendet oder recycelt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: seit dem Jahr 2005 hat Patagonia 45 Tonnen Kleider zum Recyceln zurückgenommen und daraus 34 Tonnen neue Bekleidung hergestellt.

Recyceln ist besser

Wiederverwerten ist umweltschonender als jedes Mal am Anfang der Wertschöpfungskette zu beginnen: Anbau, Ernte, Verarbeitung, Färben usw. Eigentlich ganz logisch und nachvollziehbar. Die Frage ist nur: Wie lässt sich der Konsument motivieren seine (vollen) Kleiderkästen mit alten T-Shirts, Jeans, Schuhen, Taschen etc. zur Wiederverwertung zurückzubringen? Und vor allem: wohin bringen?

Derzeit arbeiten einige Schuh- und Bekleidungsmarken intensiv an geschlossenen Kreislaufsystemen und setzten auf das sogenannte „Cradle-to-Cradle“-Konzept. Cradle-to-Cradle basiert auf der Vision einer abfallfreien Wirtschaft. Bei Schuhmarken wie Reno und Deichmann besteht beispielsweise seit einiger Zeit die Möglichkeit alte Schuhe in den Läden abzugeben und dafür Rabattpunkte zu kassieren. Sportlifestyle-Hersteller Puma hat seit heuer in seinen Stores Recycling-Boxen aufgestellt. Dabei können Kunden alte, saubere Bekleidung sowie Schuhe und Accessoires, egal von welcher Marke, in die sogenannten „Bring me back“-Tonnen werfen. Jedes Stück erhält somit neues Leben. Die alten Schuhe und Textilien werden entweder zum Upcycling in der industriellen Verarbeitung oder als Rohstoff für ein neues Produkt verwendet.

PET wird Jeans

Reduzieren, Reparieren, Weiterverwenden, Recyceln und Umdenken, heißt es auch beim Jeanshersteller Levi’s. Als wichtigster Bestandteil der neuen „Waste<Less“-Jeans-Kollektion im Frühjahr 2013 gilt Abfallmaterial.

©Levi's WasteLess BottlesGenauer: recycelte PET-Flaschen – und Produkte. Über 3,5 Millionen recycelte Plastikflaschen kommen dabei zum Einsatz. In den USA hat Levi’s über kommunale Recycling-Systeme braune Bier-, grüne Limonaden- und durchsichtigen Wasserflaschen sowie schwarze Essenstabletts gesammelt. Die Materialien wurden anschließend nach Farben sortiert, in feine Flocken zerhäckselt und zu Polyester-Fasern verarbeitet. Diese werden dann mit Baumwollfasern vermischt. Das Ergebnis aus der Verarbeitung der Flaschen ist ein besonderes Finish und ein farblich außergewöhnlicher Jeans-Look. Jedes Waste<Less -Produkt besteht damit zu 20 Prozent aus gebrauchten und wiederverwerteten Inhaltsstoffen. Im Durchschnitt werden acht 250 – 500 ml Plastikflaschen pro Jeans verwendet.

Aus Abfallmaterial etwas Neues schaffen – ein großer Schritt zu einem nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen und einem Konsum mit gutem Gewissen.

Über Helmut Wolf
Rund 10 Jahre Chefredakteur des Magazins „pool – life & culture“. Ausgebildeter Corporate Social Responsibility (CSR)-Manager. Journalist und Autor im Bereich nachhaltiger Lebenskultur.
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  • nachtigallfan

    Ich nutze keine PET-Flaschen und sehe daher auch nicht ein, warum ich Jeans aus recycelten PET-Flaschen kaufen und tragen sollte.

    Gut, der Baumwollanbau ist nicht sehr umweltschonend.
    Wie wäre es stattdessen mit Flachs/Leinenanbau? Er braucht nicht viel Dünger und hat kaum Probleme mit Schädlingen – also das genaue Gegenteil von Baumwolle. Man erhält daraus Leinen, den Leimsamen, aus dem man auch noch Leinöl herstellen kann. Das enthält viele Omega 3-Fettsäuren und könnten so eine weitere Steigerung des jetzt schon übermäßigen Fischfangs verhindern, weil die Leute darauf zurückgreifen könnten.

    Vor allem müßte doch klar sein: PET-Flaschen wird es nicht mehr lange geben, weil es nicht mehr lange Rohöl geben wird. Und das Rohöl, was noch vorhanden ist, sollte man für andere Dinge nutzen.

    Und wenn es nur zur Folge hat, daß man die gefährlichen Tiefseebohrungen einstellt, die gar nicht beherrschbar sind (Stichwort: „Deepwater Horizon“) und eine riesige Umweltkatastrophe nach sich ziehen.

    Nein, wir sollten ganz aus der Kunststoffproduktion aussteigen. Vor 50-60 Jahren gab es kaum Kunststoffe und man hat dennoch gut gelebt.
    Nicht zu vergessen die riesigen Plastikinseln im Meer und die Fischmägen voller kleiner Plastikpartikel. Gebietsweise gibt es schon mehr Plastikpartikel als Plankton im Meer.

    Der Anfall von soviel Textil- und Schuhmüll liegt doch daran, daß der Verbrauch durch Obsoleszenz, nämlich die wechselnde Mode, die die Textilien schon nach nur 1-2 Jahren „alt“ aussehen läßt sowie die zunehmend schlechere Qualität, so daß auch aus diesem Grunde schneller wieder etwas Neues gekauft werden muß als bei bessere Qualität, unnötig in die Höhe getrieben wird.
    Es gab mal eine Studie, die besagte, daß man 500 (!) Jahre alt werden müßte, wollte man seine gekaufte Kleidung wirklich auftragen.

    Das heißt: die meisten werfen ihre Kleidung schon nach ca. 1,5 Jahren weg, obwohl sie erst nach 10 Jahren wirklich verschliessen wäre!

    Und wenn wir den Leuten klar machen könnten, daß man nicht nach der Mode gehen muß und sich gleich qualitativ bessere Kleidung kaufen würde, gäbe es weniger Müll UND weil weniger produziert werden müßte, wäre die Umweltbelastung durch Dünger, Pestizide, verarbeitung und Transport auch deutlich weniger. Und die Kosten für den Verbraucher blieben gleich.

    Komisch, viele Leute wollen den Müll wiederverwenden. Aber an das einfachste, nämlich erst gar nicht soviel Müll zu produzieren, indem man weniger, dafür aber bessere Qualität produziert/kauft, die länger hält, darauf kommt wohl niemand?

    Nein, das bringt ja nicht die Wirtschaft in Schwung!
    Die muß ja ständig mehr produzieren, auch wenn es nur Müll ist, was ja gerade mit der geplanten Obsoleszenz passiert: Produktion für die Müllhalde. Gerade gekauft, schon kaputt!
    DAS können wir uns aber umweltmäßig nicht mehr leisten!!!

    Deswegen: weniger, aber bessere Produkte statt immer mehr Murks!!