David gegen Goliath?

Es scheint auf den ersten Blick ein ungleicher Kampf zu sein. Ein Schuhmacher aus dem Waldviertel versucht sich mit allen Mitteln gegen die ach so mächtige Finanzmarktaufsicht aus Wien zur Wehr zu setzen. Doch zeigt eine genauere Betrachtung der Sachlage, dass das Kräfteverhältnis in diesem konkreten Fall genau umgekehrt verteilt sein könnte.

Heinrich Staudinger hat eigentlich ein alltägliches Problem. Wie so viele Kleinunternehmer ist er auf die Beschaffung von Fremdkapital angewiesen und stößt bei den heimischen Banken dabei an seine Grenzen. Kein außergewöhnliches Ereignis, haben doch die heimischen Kreditinstitute im Zuge der Finanzkrise ihre Vergaberichtlinien bekanntermaßen massiv verschärft. Was den mittlerweile prominent gewordenen Finanzierungsfall so besonders macht, ist die unkonventionelle und innovative Art der Kapitalbeschaffung. Das Zauberwort heißt dabei Crowd Funding oder simpel Schwarmfinanzierung.

Aus der Perspektive der Nachhaltigkeit ist dieser Begriff aus unterschiedlichen Blickwinkeln nicht uninteressant. Zum einen werden weltweit bisweilen vor allem Unternehmen bzw. Organisationen finanziert, die sich fernab marktkonformistischer Denkweisen (z.B. Social Business)  positionieren und damit glatt durch jedes bankeninterne Rating gefallen wären. Im Mittelpunkt vieler finanzierter Projekte stehen etwa die Lösung gesellschaftliche Problemstellungen oder die Umsetzung künstlerischer Initiativen. Viele Kapitalgeber sind von der Nachhaltigkeit der Investitionen derart überzeugt, dass diese neben finanziellen Werten oftmals auch Leistungen, wie persönliche Beratung und Kontakte mit einbringen.

 Quelle: Google Analytics

Das Prinzip der Schwarmfinanzierung ermöglicht eine noch nie dagewesene Kommunikation und Transparenz mit der zugrunde liegenden Financial Community. Dabei kommt eine neue Art der „Finanzierungsintelligenz“ zu tragen. Kapitalgeber organisieren sich dabei selbst, bringen neue Ideen und Netzwerke mit ein und entwickeln das Businessmodell so kontinuierlich weiter. Crowd Funding finanzierte Unternehmen werden  damit zu einem „dynamischen Investmentvehikel.“

Es mag an dieser Stelle also nicht sonderlich verwundern, dass die heimische Finanzmarktaufsicht mit ihren rechtlichen Bemühungen gegen Heinrich Staudinger bei dieser Faktenlage ein sehr schweres Los gezogen hat und in die breite mediale Kritik geraten ist. Die globale Entwicklung des Themas als auch jüngste Initiativen lassen vermuten, dass sich dieses Finanzierungskonzept auch in Österreich etablieren wird. Die FMA wird das Spiel gegen den Schuhmacher aus dem Waldviertel wohl verlieren. Eine differenzierte Betrachtung des vorliegenden Falles muss aber auch die vorhandenen Risiken hervorheben. Neben dem Totalverlust der Gläubiger sind es vor allem die neuen sozialen Medien, die unseriösen Anbietern im Falle einer Gesetzeslockerung Tür und Tor öffnen würden. Angestrebte gesetzliche Neuregelungen müssen diese Risikostruktur klar berücksichtigen. Eine hinreichende Umsetzung mit genormten Richtlinien könnte jedoch große Finanzierungslücken schließen und bei konventionellen Kreditinstituten zu einem radikalen Umdenken in den Bereichen Nachhaltigkeit, Transparenz und Dialog führen.

Weiterführende Links:

Wirtschaftsblatt Artikel

Wikipedia Eintrag

Fidor Bank

startnext 

Google Trends

Über Sebastian Naderer
Sebastian Naderer ist Co-Initiator von financeNEXT und begleitet nationale wie internationale Unternehmen und Organisationen im strategischen Umgang mit Schlüsseltrends (z.B. Crowdfinance, E-Payment) der Veränderung. Naderer studierte in Österreich, Deutschland und den USA und hat neben seinem Studium der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften an der Johannes Kepler Universität die Berufsausbildung zum diplomierten Börsenhändler sowie zum EUREX-Clearer an den Börsen Wien, Frankfurt und Zürich absolviert. Er hält einen Master in Public-Relations und integrierter Kommunikation sowie einen MBA in Communication & Leadership.
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