Zu Beginn: Was ist denn diese Nachhaltigkeit?

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Um begreifbar zu machen, was unter dem Begriff Nachhaltigkeit zu verstehen ist, soll an dieser Stelle kurz die Entwicklungsgeschichte des Terminus erläutert werden.

Die anfänglichen Diskurse des Nachhaltigkeitsbegriffs können einerseits auf die vermehrte Abholzung mitteleuropäischer Wälder in der frühen Neuzeit, andererseits auf den privaten, staatlichen und gewerblichen Holzbedarf zurückgeführt werden. Die Schrift „Sylvicultura Oeconomica“, die im Jahr 1713 eingeführt wurde, sollte dabei als „Naturmäßige Anweisung zur Wilden Baum- Zucht“, also als Verhaltenskodex dienen. Demzufolge nur soviel Holz gefällt werden durfte, wie durch neue Anpflanzung nachwachsen konnte.

In der sich daraus entwickelnden Forstökonomie, des 18. Jahrhunderts, sowie Anfang des 19. Jahrhunderts, konnte das Konzept um allgemeine ökologische Dimensionen erweitert werden und wurde im Verlauf des 19. Jahrhunderts von den USA als auch von Großbritannien mit dem Begriff “Sustainable Yield” betitelt. Dauerhaft etablieren konnte sich die Nachhaltigkeitsthematik in der Zeit zwischen 1950 und 1970, wobei das Jahr 1972 im Kontext eines Umdenkens Richtung Nachhaltigkeit, besonders bedeutsam scheint:

In diesem Jahr formulierte die UN-Konferenz zum Thema „Human Environment“ eine Liste von Kriterien für Umweltschutz und Nachhaltigkeit.

Stockholmer Konferenz

Die Studie des Club of Rome „Limits of Growth“ und später andere Publikationen wie Global 2000 (Council on Environmnetal Quality 1980), oder der Bericht „Our Common Future“ (1987), wies darauf hin, dass eine Verhaltensänderung hinsichtlich wirtschaftlichen Wachstums großer Notwendigkeit bedarf. Diese Studie (1972) berücksichtigte als erste ihrer Art, Wechselwirkungen zwischen Bevölkerungsdichte, Energie, Material, Nahrungsmittelressourcen, Umweltzerstörung, Landnutzung und Kapital. Die 1972 anschließende Konferenz in Stockholm, übernahm diese Auffassung und lenkte die Aufmerksamkeit auf die Endlichkeit der Versorgung mit natürlichen Ressourcen (…), indem sie nicht zuletzt ihre Überbeanspruchung durch den bestehenden Konsum anprangerte.”

Die Konferenzteilnehmer einigten sich damals auf ein grenzüberschreitendes Vorgehen zum Umweltschutz als natürlich, menschliche Lebensgrundlage. Womit die Stockholmer Konferenz als die eigentliche Wiege internationaler Nachhaltigkeitspolitik genannt werden kann. Wenngleich der Begriff Nachhaltigkeit per se, nicht verwendet wurde.

Brundtland-Report

Die gängigste, da am häufigsten benutze Definition von Nachhaltigkeit, stammt aus dem Brundtland-Report der WCED (World Commission on Environment and Development), der nach dem norwegischen Kommissionsvorsitzenden Gro Harlem Brundtland benannt  wurde: “Humanity has the ability to make development sustainable – to ensure that it meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs.”

Der Begriff wurde damals in den politischen Sprachgebrauch eingeführt. Die Idee der nachhaltigen Entwicklung, wurde somit in das öffentliche Bewusstsein getragen und erhielt festen Platz auf wissenschaftlichen sowie politischen Agenden.

Mit der Definition des Brundtland Reports stand nicht mehr nur die Etablierung des Begriffs Nachhaltigkeit, sondern auch die Frage nach einer Realisierung einer globalen Umwelterhaltung und gerechten Ressourcenbewirtschaftung im Vordergrund.

Die Brundtland-Definition signalisierte damit auch ihre Bemühung hinsichtlich eines Interessenausgleichs zwischen Industriegesellschaft und Entwicklungsländern.

Im Jahre 1992 beschloss die UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro nicht nur Maßnahmen zum Klimaschutz und Erhaltung der Biodiversität, sondern verfasste das wohl wichtigste Handlungsprogramm des 21. Jahrhunderts, die Agenda 21.

Die beteiligten Staaten einigten sich darauf, globale Probleme der begrenzten Ressourcen wie auch jene, sozialer und ökonomischer Ungleichheiten, mit der Vision einer tragfähigen Zukunft zusammenzutragen und nationale Nachhaltigkeitsstrategien zu entwickeln.

Umweltziele sollten als partizipierte Verfahren eingeführt werden, um intensiver mit verschiedenen Akteuren außerhalb der engeren Umweltpolitik in Kontakt treten zu können. Schließlich könne das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung nicht nur seitens nationaler Politik als „command and control“ verordnet werden.

Drei Säulen Modell

Das so genannte „Drei Säulen Modell“, in dem die Bereiche Soziales, Ökonomisches und Ökologisches „gekoppelt durch das Postulat der inter- und intragenerationellen Gerechtigkeit “ einbezogen werden, konnte sich schlussendlich als tragende Struktur einer integrativen Vorstellung von Nachhaltigkeit, zumindest in nationalen und internationalen Institutionen durchsetzen.

Als zentraler Aufgabenbereich der Ökologie, kann der Klimawandel gesehen werden. Dieser soll den Verlust an Biodiversität, den Wasserverbrauch und die daraus entstehenden Umweltprobleme darstellen. Tatsachen, die es zu kommunizieren und in Folge auch zu bekämpfen gilt.

Als soziale Probleme können das starke Bevölkerungswachstum und der damit einhergehende Verstädterungsprozess genannt werden – die in Entwicklungsländern zu weiteren Armuts- und Umweltproblemen führt.

Probleme hinsichtlich der Ökonomie lassen sich wohl am besten durch den „Globalen Wandel“, also „einer vermehrten Verflechtung von globalen Umweltveränderungen, der ökonomischen Globalisierung, kulturellem Wandel und einem wachsenden Nord-Süd Gefälle“, beschreiben.

Über Sylvia Gerstl
Ich wurde 1988 in Wien geboren, begann nach der Matura 2006 mit einem Publizistik und Kommunikationswissenschafts-Studium an der Universität Wien. Derzeit bin ich mit meiner Diplomarbeit über Nachhaltigkeitskommunikation beschäftigt. Während meines Studiums habe ich als freie Mitarbeiterin bei LIVE – das Starmagazin der Kronen Zeitung gearbeitet.
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