Trendwende im Nachhaltigkeitsbewusstsein bei Banken?

Auf den ersten Blick mag es wie ein schlecht durchgeführtes Finanzmarketing anmuten. Ein Versuch, den weltweit zu tiefst enttäuschten, verunsicherten und verärgerten Kunden von Banken und Finanzdienstleistungen zu signalisieren die Zeichen der Zeit richtig gedeutet zu haben und den hoch spekulativen Geschäften endgültig Lebewohl zu sagen. Doch was ist passiert?

Banken kehren kurzfristig orientierten und hoch spekulativen Geschäften den Rücken zu

Man muss keine lange Zeitreise unternehmen, um an den Straßen der globalen Finanzzentren zufriedene Händler und Broker, stolze Banker und noch zufriedenere Aktionäre anzutreffen. Es war eine Epoche, die von dem Finanzhai Gordon Gekko und seinem vielsagenden Motto „Gier ist gut“ zu tiefst geprägt und durchwachsen war. Händler mussten sich rechtfertigen zu geringe Risiken eingegangen zu seien, Banker und Finanzberater dafür zu geringe Stornoquoten bei Lebensversicherungen erzielt zu haben. Das Spiel funktionierte, denn auch die nachfragenden Kunden waren an Nachhaltigkeitskonzepten wenig bis gar nicht interessiert. Zu verlockend war das gut funktionierende Geschäft mit der kurzfristig zur Verfügung stehenden Liquidität, realisiert durch Kreditgeschäfte und hochriskante Wetten gegen oder für etwas. Doch hat sich daran etwas geändert?

Die Antwort auf diese Frage ist natürlich so wenig leicht zu beantworten wie die Schuldenfrage Europas, denn die Ursachen sind dieselben. Doch lassen sich tatsächlich erste Signale identifizieren, die auf eine Trendwende im Nachhaltigkeitsbewusstsein bei Banken und Finanzdienstleistern hindeuten. Diese Woche wurde etwa bekannt, dass große Geldinstitute wie die UBS erstmalig riskante und kurzfristig orientierte Geschäfte (z.B. Investmentbanking) fast zur Gänze aus dem Dienstleistungsportfolio streichen. Nachhaltigkeitsindizes an den großen Börsenmärkten sind nach und nach im Kommen. Bei der Frankfurter Börse spielt dieses Thema mittlerweile eine prominente Rolle. Ethikfonds, soziale Geldanlagen und Begrifflichkeiten wie „Green Banking/Finance“ unterstreichen diese Trendentwicklung.

Natürlich kann an dieser Stelle kritisch angemerkt werden, dass es sich hier lediglich um Marketingbestrebungen der großen Finanzhäuser handelt, um dem zunehmenden „Banker-Bashing“ etwas entgegenhalten zu können. Dieser Einwand mag auch sicher nicht zur Gänze aus der Luft gegriffen sein. Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass in der vorherrschenden Finanz- und Wirtschaftskrise auch eine historische Chance liegt, bestehende Verhaltensweisen und Kulturen zu verändern. Noch nie war das Bewusstsein der Bevölkerung gegenüber dem unethischen Verhalten der Finanzindustrie so groß wie gegenwärtig. Aus dieser Perspektive ist nun die Zivilbevölkerung gefragt, ethische Verantwortung sowie nachhaltige Geldgeschäfte von den globalen Finanzzentren einzufordern.

Weiterführende Links:

UBS Artikel

Liste globaler Nachhaltigkeitsindizes

Sozialer Marktplatz für Investoren

Über Sebastian Naderer
Sebastian Naderer ist Co-Initiator von financeNEXT und begleitet nationale wie internationale Unternehmen und Organisationen im strategischen Umgang mit Schlüsseltrends (z.B. Crowdfinance, E-Payment) der Veränderung. Naderer studierte in Österreich, Deutschland und den USA und hat neben seinem Studium der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften an der Johannes Kepler Universität die Berufsausbildung zum diplomierten Börsenhändler sowie zum EUREX-Clearer an den Börsen Wien, Frankfurt und Zürich absolviert. Er hält einen Master in Public-Relations und integrierter Kommunikation sowie einen MBA in Communication & Leadership.
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