Bio-Produkte als Vorbild für das globale Finanzsystem?

Etikettierung als große Zukunftschance für das Finanzwesen

Der Einzug der Bio-Lebensmittel in heimische Konzerne war ein langwieriger aber sehr erfolgreicher Prozess. Nachhaltige Lebensmittel sind zu unserem Selbstverständnis geworden und aus den Produktsortimenten nicht mehr weg zu denken. Eine aktuelle Studie von Roland Berger kommt zu dem Ergebnis, dass genau diese Entwicklung die gelebte Best Practice für das Finanzwesen von morgen sein könnte.

Finanzprodukte werden mit vielen kontroversen, zumeist negativen Eigenschaften verbunden. Kritiker wie Befürworter sind sich jedoch in einem Punkt einig. Der Zwang zur Innovation und Marktdifferenzierung hat zu einer immer komplexer werdenden Finanzmarktarchitektur geführt. So verwundert es kaum, dass Kunden wie Berater die zu Grunde liegenden „Finanzvehikel“ weder verstehen, noch deren weitere Entwicklung auch nur ansatzweise abschätzen können. Die Transformation in Richtung Transparenz und Nachhaltigkeit gilt daher zu Recht als die größte strategische Herausforderung, aber auch Chance für das globale Finanzsystem. Doch wie kann hier Bio Vorbild sein?

Man mag über den Spruch „Nicht überall wo Bio draufsteht, ist auch Bio drin“ durchaus heiß wie gegensätzlich diskutieren können. Tatsache ist jedoch, dass Konsumenten von Bio-Lebensmitteln Dank vielschichtiger Kennzeichnungspflichten hinsichtlich nachhaltiger Aspekte zumindest sensibilisiert sind. Die bewusste Auswahl nach Lebensmittel wurde damit, neben einer strikten Preisorientierung, um einen wichtigen Aspekt bereichert. Eine aktuelle Studie von Roland Berger sieht gerade in einer zuverlässigen Kennzeichnung nachhaltiger Finanzprodukte großes Potential für traditionelle Finanzinstitute. Eine direkte Etikettierung, etwa auf Produktfoldern, oder Kapitalmarktprospekten mit Hilfe eines Ampelsystems, könnte zu einer Bewusstseinsbildung beim Endkonsumenten führen. Ähnlich der Lebensmittelbranche würden Emittenten von Finanzprodukten damit gezwungen, sich vermehrt mit Nachhaltigkeitsaspekten auseinander zu setzen.

Viele Finanzinstitute haben die Bedeutung des Megatrends Nachhaltigkeit bereits erkannt und zahlreiche Initiativen und Projekte gestartet. Neben den etablierten Finanzgrößen gibt es zusätzlich eine rasant wachsende Anzahl an Banken, die sich auf das Thema Nachhaltigkeit spezialisiert haben und Transparenz in den Mittelpunkt ihrer Finanzdienstleistungen stellen. Zu den prominenten deutschsprachigen Vertretern zählen die GLS Bank, Ethikbank, Umweltbank oder etwa die Triodos Bank. Der globale Wertewandel und damit einhergehende gesellschaftliche Umbruch hat das Finanzsystem mittlerweile völlig infiziert. Der Druck zur Veränderung und Orientierung entlang nachhaltiger Normen ist damit historisch groß.

 

Weiterführende Links:

Studie Roland Berger

Nachhaltigkeitsprojekte Deutsche Bank AG

GLS Bank

Ethikbank

Umweltbank

Triodos Bank

Arbeitspapier Nachhaltigkeitsinitiativen in der globalisierten Finanzindustrie

Über Sebastian Naderer
Sebastian Naderer ist Co-Initiator von financeNEXT und begleitet nationale wie internationale Unternehmen und Organisationen im strategischen Umgang mit Schlüsseltrends (z.B. Crowdfinance, E-Payment) der Veränderung. Naderer studierte in Österreich, Deutschland und den USA und hat neben seinem Studium der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften an der Johannes Kepler Universität die Berufsausbildung zum diplomierten Börsenhändler sowie zum EUREX-Clearer an den Börsen Wien, Frankfurt und Zürich absolviert. Er hält einen Master in Public-Relations und integrierter Kommunikation sowie einen MBA in Communication & Leadership.
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  • Bei „nachhaltiger“ und „ethischer“ Geldanlage bin ich eher skeptisch. Durch diesen Trend entsteht ja erst recht wieder „Zwang zur Innovation und Marktdifferenzierung“. Und die Kunden wundern sich, wieso BP in den Nachhaltigkeitsfonds war, bis die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko passierte. Sie haben das Konzept ihres Nachhaltigkeitsfonds offenbar nicht verstanden. Meines Erachtens ist es auf dem riesigen Kapitalmarkt unmöglich, etwas für Nachhaltigkeit zu tun, ohne auf Ertrag zu verzichten.

    Bio ist da ganz anders, denn Bio-Produkte werden nur produziert, wenn es jemanden gibt, der sie trotz des Mehrpreises kauft.

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