Habitatsveränderung! Was steckt dahinter?

RegenbogenTukan

Habitatsveränderung! Ein wunderbarer poetischer Begriff hinter dem sich die dunkelsten landwirtschaftlichen Machenschaften abspielen.

Wir haben bereits 27% der tropischen Wälder vernichtet beziehungsweise in Ackerfläche umgewandelt. So wird ein Habitat, das unser aller grüne Lunge ist mit System vernichtet. Und, mit ihr verschwinden unschätzbar viele Arten, in der Tat von niemandem erfassbar viele Arten, in den Gebieten größtmöglicher Biodiversitätsdichte. Was dabei völlig unter den Tisch gekehrt wird, bei den Habitatsveränderungen im tropischen Regenwald wird nicht nur der Lebensraum indigener Völker zerstört, viel mehr werden in der Konsequenz derartiger Handlungen ganze indigene Völker ausgelöscht.

Zu welchem Zweck?

Der Großteil wird dem Eiweißhunger der westlichen Tierhalter, der Fleisch- und Milchproduzenten geopfert, dem schnellen und totsicheren Geschäft. Der Boden der gerodeten, gebrandschatzten Regenwälder taugt nicht für langfristigen Ackerbau. Der einstige Regenwald versteppt und die Spekulanten fressen sich weiter in die tropischen Wälder.

Das wahre Ausmaß dieser Wirtschaftsweise sieht man in Paraguay recht deutlich. Diametral zur Zunahme des Sojaanbaus verarmt die Bevölkerung. Waren es zum Beispiel 2007-2009 noch eine Million unterernährte Menschen in Paraguay, sind es heute bereits 2 Millionen.

Das ist das Opfer, das wir unserem Wunsch nach billigen Fleisch, unserem absurden Fleischhunger, willens sind von anderen einzufordern.

Wir erfreuen uns unserer intakten Natur und vernichten die Lebensräume anderer Menschen in anderen Kontinenten, gedankenlos.

Landwirtschaft ist längst ein globales Ereignis geworden.

Die lokale Idylle hat in der Regel nur noch Bestand für Belangsendungen und für Werbeverdrehungen.

Eine authentisch, holistische regionale Landwirtschaft, eine lokale Landwirtschaft ohne doppelten Boden und Täuschung kann nur in Verbindung mit den Konsumenten und Unterstützung der Konsumenten gelingen. Von bewussten Konsumenten, die bereit sind die Verantwortung für ihren Konsum zu tragen.

Wollen wir so etwas wie Ernährungssouveränität eine Zukunft geben, gibt es keine Alternative zu der aufrechten regionalen Entwicklung.

Aber viele Fallen sind zu überwinden und viele Trickentfacher schachmatt zu setzen, aber zuvörderst steht ein Apell wider unsere Bequemlichkeit.

Wir sind die Gestalter einer Zukunft, nur wir gemeinsam entscheiden wie die Zukunft unserer Kinder sein wird. Und, heute ist ein guter Tag, den ersten Schritt zu setzen.

 

Über Werner Lampert
Werner Lampert (geboren 1946 in Vorarlberg/Österreich) zählt zu den Wegbereitern im Bereich nachhaltiger Produkte und deren Entwicklung in Europa. Der Biopionier beschäftigt sich seit den 1970er-Jahren intensiv mit biologischem Anbau. Mit Zurück zum Ursprung (Hofer) und Ja! Natürlich entwickelte er zwei der erfolgreichsten Bio-Marken im deutschen Sprachraum.
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