Ist Geiz noch geil?

Quelle: Dreamstime.com ©Alan Crosthwaite

Eine Gesellschaft im fundamentalen Wertewandel – Es waren die selbstbewussten Geschäftsmänner, erfolgreiche Unternehmer oder einfach nur treuherzige Kundenberater, die auf großflächigen Werbeplakaten oder  in schillernden Werbespots Produkt-Schnäppchen präsentiert,  Optimierungspotentiale aufgezeigt  und den Gewinn maximierenden Lebensstil vorgelebt haben. Doch wie sehr trifft das Motto „Geiz ist geil“ tatsächlich noch zu?

Es vergeht kaum ein Tag an dem wir nicht unmittelbar mit den Folgen individueller Konsumauswüchse konfrontiert werden. Begrifflichkeiten wie die globale Finanz- und Wirtschaftskrise, der Klimawandel oder soziale Unruhen zeigen der Gesellschaft die knallharte Realität des maßlosen Konsums täglich auf und lassen dabei selbst die raffiniertesten Werbestrategien internationaler Konzerne in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Es scheint daher nicht sonderlich zu verwundern, dass sich Konsumenten zunehmend von diesem Paradigma abwenden und nachhaltigere Konzepte von den Herstellern einfordern. Doch wie lässt sich dieser neu entstehende gesellschaftliche Trend hinreichend einordnen und welche Konsequenzen birgt er für Angebot und Nachfrage?

 

Die Antwort auf diese Frage ist freilich vielschichtig und alles andere als trivial. Dennoch lassen sich gewisse Signale ausmachen, die von Seiten der Produzenten und Anbieter nicht weiter außer Acht gelassen werden können. Jüngste Entwicklungen und technische Innovationen, insbesondere das Entstehen sozialer und viraler Netzwerke, haben die Bedeutung der Gemeinschaft und des gesellschaftlichen Zusammenlebens gestärkt. Die Produktorientierung erfolgt nach diesen Maßstäben nicht mehr rein  preisgestützt, sondern orientiert sich vielmehr nach den Spielregeln der sozialen Interaktion. Ist etwa ein Produkt innerhalb einer Gemeinschaft erwünscht oder erfreut sich sogar starker Beliebtheit, so wird dieses zu einer zentralen Referenzgröße entlang der sozialen Gemeinschaft. In dieser Hinsicht erfreuen sich Produkte, die gesellschaftlich bzw. sozial legitimiert sind, zunehmend einer anhaltenden Nachfrage.

Die Gesellschaft verlangt neue Werte und orientiert sich an sozialen und nachhaltigen Konzepten

Die Digitalisierung unserer Lebenswelten hat aber auch dazu geführt, dass Produkte ungreifbarer und „virtueller“ werden. Aus diesem Grund rückt neben den nachhaltigen und sozialen Aspekten auch der Begriff der Authentizität in den Mittelpunkt des Konsumentenbewusstseins. Diese Entwicklungen werden in weiterer Folge zu einem radikalen Umdenken im Marketing und Vertrieb globaler Unternehmen und Organisationen führen.

Viele Anbieter haben auf diese Veränderungsprozesse bereits reagiert und so scheint es auch nicht sonderlich zu verwundern, dass sich sogenannte „Social Business Konzepte“ immer stärker an den internationalen Märkten etablieren können. Auch der Konzern Saturn hat die Zeichen der Zeit erkannt und umfassende Veränderungsprozesse in die Wege geleitet. So trennt sich das Unternehmen zukünftig nicht nur von seinem Slogan „Geiz ist geil“, sondern auch gleich von der dafür verantwortlichen Werbeagentur.

Weiterführende Links:

Spiegel Artikel

Social Business Artikel

Global Social Business Summit

Google Trends

Über Sebastian Naderer
Sebastian Naderer ist Co-Initiator von financeNEXT und begleitet nationale wie internationale Unternehmen und Organisationen im strategischen Umgang mit Schlüsseltrends (z.B. Crowdfinance, E-Payment) der Veränderung. Naderer studierte in Österreich, Deutschland und den USA und hat neben seinem Studium der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften an der Johannes Kepler Universität die Berufsausbildung zum diplomierten Börsenhändler sowie zum EUREX-Clearer an den Börsen Wien, Frankfurt und Zürich absolviert. Er hält einen Master in Public-Relations und integrierter Kommunikation sowie einen MBA in Communication & Leadership.
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  • Tosca

    Das ist dann doch ein wenig tunnelartig verfasst. Eine gewisse Anzahl der Konsumenten mag sich ja mit den Werten auseinander setzen. Noch sind das aber so wenige, dass wir nicht vom großen Wandel sprechen können.

    Diese Zielgruppe sind unter anderem besser verdienende, die sich diese Lebenseinstellung leisten können. Aber so lange Handwerksberufe etc auf diesem Niveau bezahlt werden (denken wir an Friseure, Zahnarzthelfer, Verkäufer etc), dann ist ein Umdenken gar nicht bezahlbar! Ergo: Geiz

    Auch Unternehmen sind längst noch nicht fertig, sie haben den Geiz ja erst jetzt richtig entdeckt. Schauen wir auf PUMA – Nachhaltigkeit ja, aber sie darf nichts kosten, oder warum ist der Nachhaltigkeitsverantwortliche plötzlich weg?

    Genau das Verhalten gegenüber der Medien. Ein Blatt nach dem anderen, das vor die Hunde geht. PR ja, Werbung nein. Dazu noch Präsenzen auf kostenlosen Blogs, Social Media usw. Sie ziehen den Medien damit die Schuhe aus und wundern sich irgendwann, wenn kein glaubwürdiges Medium mehr über sie berichten kann. Dazu noch diese Affiliate-Werbemodelle.
    (*-*) Die Verantwortung tragen die Verlage, Portal-und Blog-Betreiber. So ist man nicht nachhaltig und man kann schon gar nicht von sozialer Verantwortung sprechen.

    Fazit: wir haben noch lange keinen greifbaren „WerteWANDEL“

    • nachtigallfan

      Zitat:“Aber so lange Handwerksberufe etc auf diesem Niveau bezahlt werden (denken wir an Friseure, Zahnarzthelfer, Verkäufer etc), dann ist ein Umdenken gar nicht bezahlbar! Ergo: Geiz“

      Nein, im Gegenteil, der Spruch müßte lauten: Ich bin zu arm, um mir billiges leisten zu können! Denn billiges kauft man zweimal!

      Denn wenn man etwas billiges, also von schlechter(er) Qualität kauft, hält es nicht lange, so daß man sich bald wieder etwas neues kaufen muß. Ein teureres, aber qualitativ besseres Teil hält aber mindestens dreimal so lange, so daß es letztenendes günstiger ist – für den Verbraucher UND für die Umwelt, weil auch die Ressourcen nur einmal gebraucht werden. Und die ArbeiterInnen in der Produktionsfirma könnten auch bessere Löhne erhalten. Bei Billigprodukten ist dies jedoch völlig ausgeschlossen.

      Das Problem ist, daß viele Leute trotz wenig Geld immer modisch gekleidet sein wollen, um nicht aufzufallen. Und das läßt sich nur mit Billigprodukten realisieren, das stimmt.
      Sobald man sich aber nicht mehr sklavisch nach der Mode richtet und kleidet, spielt Geiz keine Rolle mehr!