Was ist eigentlich Engagement?

Quelle: Dreamstime © Vladimir Georgievsky

„…und das ist wirklich dein Beruf?“ fragte mich neulich eine Teilnehmerin eines Workshops beim Smalltalk danach. Und es ist nicht zum ersten Mal, dass ich diese ungläubige Frage nach einem Vortrag oder einem Workshop rund ums Thema Nachhaltigkeit mit einem klaren  „Ja!“ beantworten konnte. So als ob es so richtig unanständig ist, Gutes zu tun und dafür auch noch Geld zu nehmen.
Seltsame Welt.

Warum stellen wir solche Fragen nie einer „Custom Relationsship Managerin“ oder einem „eMarketing Specialist“? Oder fragen: „Was war dein Berufswunsch, als du acht Jahre alt warst?“ und „Glaubst du, dass du mit deinem Job dazu beiträgst, die Welt zu einem glücklicheren Ort zu machen?“ Das wären mal spannende Fragen für die nächste (Firmen-)Feier, probiere es doch mal aus! Doch zuvor solltest du selbst für dich eine Antwort gefunden haben, was Engagement für dich bedeutet und ob dein eigener Job deine selbstgesteckten Ansprüche erfüllen kann….

Wikipedia definiert kurz und knackig Engagement als „intensiver persönlicher Einsatz für eine Sache“. Und wir fügen noch hinzu, dass „die Sache“ neben Sinnstiftung für uns selbst auch noch Spaß und Freude erzeugt. Und da sich die Mehrheit der Menschen darauf geeinigt hat (oder zumindest nicht laut im Widerspruch aufbegehrt), dass Arbeit nichts, aber auch gar nichts mit Spaß und Freude zu tun haben kann/soll/darf, so ergibt sich die logische Folge, dass Engagement eben ehrenamtlich und außerberuflich ist. Die Frage, ob Sinnstiftung und bezahlte Arbeit auch schon getrennte Wege gehen, stelle ich einmal an dieser Stelle, ohne eine einfache oder eindeutige Antwort zu erwarten.

Unlogische Welt.

2011 war das Jahr der Ehrenamtlichen und heute ist der Internationale Tag des Ehrenamtes

Viele Worte wurden letztes Jahr darüber verstreut, wie wichtig ehrenamtliches Engagement ist und was alles ohne dieses ehrenamtliche Engagement nicht funktionieren würde. Stimmt, es ist wichtig! Jedoch wird selten darüber nachgedacht, warum wir es eigentlich normal finden, dass die Leistungen, die unsere Welt tatsächlich zu einem besseren Ort machen, unentgeltlich geleistet werden – oder im Umkehrschluss, warum für die wirklich wichtigen Dinge kein Geld da ist.

Schaffen wir wirklich die großen Herausforderungen, vor denen wir stehen, wenn die Mehrheit der Menschen bezahlterweise den Großteil des Tages  mit Leibeskräften daran arbeitet, den Planeten seiner Rohstoffe zu berauben und  die Umwelt zu verschmutzen, und im Gegenzug dazu eine Minderheit der Menschheit ihre rare Freizeit damit verbringt, auf die Bedürfnisse der Menschen aufmerksam zu machen und diese auch tatsächlich mit tatkräftiger Hilfe zu befriedigen, auf den Raubbau des Planeten hinzuweisen und auf die Endlichkeit der Welt?

Bitte aufzeigen, wer bei dieser Konstellation an ein Happy End glaubt!
Nun, das war jetzt doch zu schwarz, oder zu mindestens zu schwarz-weiß statt vieler bunter Grautöne. Doch eine starke Grundtendenz orte ich schon: „Schlechter machen“ wird gut bezahlt und ist nicht geächtet; „besser machen“ wird schlecht bezahlt, dafür ist es gesellschaftlich geschätzt.

Verkehrte Welt.

Und doch gibt es eine zunehmende Zahl an Unternehmen und Organisationen, die umfassend nachhaltig tätig sind, auf diese Art gute Jobs für gute Arbeit schaffen und gleichzeitig zum Wohle der Menschheit und des Planeten beitragen. Unternehmen kommen mir in den Sinn wie Zotter, der nicht nur gute Schokolade herstellt, sondern diese auch aus biologischen FairTrade-Produkten bei gutem Betriebsklima in Österreich, oder gugler cross*media, eine Druckerei, die den Standard an Umweltfreundlichkeit bei Druckerei-Produkten stets höher schraubt.

Initiativen von – nicht nur, aber oft – jungen Leuten, die nicht fragen, warum es nicht geht, sondern sich daran setzen und es machen. Etwa www.clearkarma.org, einem internationalen Team, das ein App für Nahrungsmittelallergiker produziert, ohne Geldgeber, ohne Firmenstruktur, einfach um die Welt besser zu machen.

Alle können mitmachen bei Treffen mit Menschen, die auch von einer besseren Welt träumen und sich inspirieren lassen, selbst NACHHALTIGES TUN wie bei http://www.nachhaltig.at/symposium. Oder, was mein Herz erfreut, weil das Umdenken so für alle sichtbar ist: die vielen Guerilla-Gärtner und -GärtnerInnen, die aus Wien einen bunten Garten machen, organisiert über http://ggardening.blogsport.eu/ oder einfach allein oder zu zweit mit Schaufel, Jungpflanzen oder Samen nach dem Motto „Eine bessere Welt ist pflanzbar!“

Bunte Welt.
Und daher ich trage immer noch viel Hoffnung in mir und stehe selbst so gerne ein für ein Happy End. Ein anderes Erlebnis am Ende einer Veranstaltung unterstreicht das. Die Worte, mit denen ein Italiener nach der Jugend-Veranstaltung „Liberamente“ in Bozen, Südtirol auf mich zukam, lauteten: „I want your job!“

Wunderbare Welt.

Über Vera Besse
Vera Besse ist Vorstand von SOL – Menschen für Solidarität, Ökologie und Lebensstil. Das 21. Jahrhundert erfordert einen neuen Lebensstil – einen Lebensstil, der Solidarität und Ökologie ernst nimmt. Denn auch die Benachteiligten bei uns und in anderen Ländern und die Menschen künftiger Generationen haben ein Anrecht auf ein erfülltes Leben in einer intakten Umwelt.
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  • Hallo Vera,
    ich hab auch so einen Job und verdiene damit mein Leben…Geld eher nicht so in Massen, dafür aber viel Vernetzung, gute Bekanntschaften, herznahe Freunde und viel gesunde Freude und Spaß.

    Super geschrieben, dein Artikel, wünsch dir ein herausragendes Jahr 2013 und die Erfüllung aller deiner bewussten Wünsche!
    Gruß aus dem Südburgenland, Mäggi