Was wird aus Weihnachten?

Weihnachtsdeko

Mitte November kam ein Freund aus Brünn zu uns nach Wien. Er war ob der festlich geschmückten Straßen und der vorausgehenden Weihnachtszeit vier Wochen vor Beginn der Selben doch etwas erstaunt, dass das Fest soweit seine Strahlen vorauswerfe.

Er konnte sich nicht erinnern, dass es in seiner Jugend so früh begonnen hat. Da stellt sich die Frage ob unsere Sitten und Gebräuche nicht tot oder sterbend sind? Dem Rationalismus unserer Zeit geopfert? Weihnachten ist heute auch nur mehr ein Geschäft! Jetzt oder nie verdient die Wirtschaft. Weihnachten – Preisgegeben der Mode und Werbung der Warenhäuser. Dem Chic von Farben und Trends. Man muss aber auch sagen, dass Weihnachten sich gefestigt hat.  Der Adventkranz wurde 1839 von dem evangelisch-lutherischen Theologen Johann Heinrich Wichern(1808–1881) eingeführt.

Auch der Christbaum besitzt in unserem katholischen Land noch keine sehr lange Tradition. Die Aussage, dass die erste urkundliche Erwähnung eines Christbaumes aus dem Jahre 1419 stammt, ist weit verbreitet, kann allerdings mittlerweile nicht mehr durch Quellen belegt werden. Die Freiburger Bäcker sollen nach dieser unbelegten Aussage einen Baum mit allerlei Naschwerk, Früchten und Nüssen behängt haben, den die Kinder nach Abschütteln am Neujahrstag plündern durften.Der erste Weihnachtsbaum in Wien wurde 1814 von Fanny von Arnstein, einer aus Berlin stammenden angesehenen jüdischen Gesellschaftsdame, aufgestellt, in deren Hause auch Vertreter des Hochadels ein und aus gingen. Bereits 1816, anderen Quellen zufolge 1823,wurde diese Tradition von Henriette von Nassau – Weilburg, der Gattin Erzherzog Karls, aufgegriffen und breitete sich von da an in allen Gesellschaftsschichten Österreichs aus.

Vorher wurde an Stelle des Christbaumes die „Krippe“ aufgebaut, an der oft Generationen viele Winter lang gebastelt haben. Die 1562 von Jesuiten in Prag aufgestellte Weihnachtsdarstellung gilt heute allgemein als erste Nennung einer Krippe im heutigen Sinn. In den folgenden Jahren wurde in Kirchen das Aufstellen von Krippen zur Weihnachtszeit fast zur Prestigesache. Nach dem Vorbild der 1607 in München aufgestellten Krippe errichtete man etwa 1608 in Innsbruck und 1609 in Hall eine solche. Seit dem Jahr 1615 ist eine Weihnachtskrippe im Benediktinerinnenkloster Nonnberg in Salzburg belegt. Heute haben sich diese Unterschiede vermischt. Der Christbaum ist Allen gemeinsam, auch jenen, die den Sinn der Weihnachtsbotschaft bereits vergessen haben oder ihn überhören wollen,  der Grund des Festes. Es ist auch in Vergessenheit geraten, dass die Kerzen am Baum erst am Morgen des ersten Feiertages, also am 25. Dezember angezündet wurden. Nun stellt sich die Frage, ob die Sitten noch sinnerfüllt sind? Der Advent zeigt es am deutlichsten. Mit der Verbreiterung kommt auch die Verflachung. Man denke nur an die vielen Asiaten die Weihnachten als riesiges Fest verstehen aber keine Ahnung von seiner wahren Bedeutung haben. Ursprünglich ist es eine ernste Zeit der inneren Sammlung und Einkehr. Man saß im Dunkeln und ein kleines Licht mahnte in Sehnsucht und Hoffnung Weihnachten entgegen.

Heute leuchten die Weihnachtsbäume auf den Plätzen und in den Einkaufszentren so stark, schon Wochen vor Weihnachten, das den Kindern der eigene Christbaum am 24. Dezember fast finster erscheint. Jauchzendes Vorausfeiern an Punschständen und ausgelassene Weihnachtspartys entwerten Weihnachten, während stille Vorfreude es erhöht.

Und dann gibt es auch plötzlich den „Weihnachtsmann“. Gut – er ist überhaupt der Begriff für „aufgeklärte Weihnachten“! Er ist der säkularisierte Heilige der Wirtschaft. Reich quellen die Geschenke aus seinem großen Sack. Er wirkt eher wie der Lieferant der Warenhäuser wenn er durch die Straßen zieht. Selbstverständlich hat der Weihnachtsmann auch eine Geschichte. Einst hieß er hl. Nikolaus, St. Niklas, Knecht Ruprecht oder Pelzmärte und kam gar nicht zu Weihnachten, sondern in der Adventzeit. Er war nur ein Bote. Er hatte ja auch noch eine Rute bei sich, aber die hat ihm der Krampus abgenommen und es blieb nur der alte Mann mit Bart und den vielen Geschenken übrig. Das Fest wird immer aufgeklärter und damit wird es in seinem Sinn immer dunkler, obwohl man dies, rein physikalisch, durch die vielen Lichter nur schwer erklären kann.

Nur, dass Christkind und seine Krippe in Bethlehem über der am Firmament ein Stern leuchtet lassen sich nicht aufklären. Sie sind selbst strahlendes Licht in der dunkelsten Winterzeit. Darum will ich mir gar nicht vorstellen wie trostlos es wäre, wenn wir das Weihnachtsfest nicht hätten. Das Weihnachtsfest lehrt uns den Egoismus zu überwinden und an Andere zu denken. Letzen Endes darf man von Sitten und Gebräuchen auch nicht zu viel verlangen. Man darf sie nicht unterschätzen, aber sie sind nur eine Vorstufe. Die lebendige Kraft geht von den Weihnachtsitten auch nur dort aus, wo Menschen die Botschaft, als Forderung an sich selbst verstehen und mit ihrem Leben darauf antworten. Die Forderung heißt Wiedergeburt, das erst ist die Erfüllung der Sitte.

Über Gerald Pichowetz
Geboren: Ja, in Wien ———– Am liebsten: in der Steiermark ———– Schulen: Zwangsläufig———– Ausbildung: Mehrere ———– Beruf: Schauspieler und Theaterdirektor ———– Hobby: Modelleisenbahn
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  • Bonny

    interessanter Artikel, der mir aber AUCH ein wenig „eindimensional“ vorkommt. Es mag ja so gewesen sein, dass man im Dunkeln saß, früher, und sich über ein extra Kerzerl im Advent freute! In dieser Zeit leben wir aber nicht mehr – und das sind TATSACHEN! Wenn sich Menschen im Kaufzwang wiederfinden, haben sie selbst Schuld – warum nicht kreativ sein, und etwas SELBST machen? Warum dem Kommerz vorwerfen, wenn er sich seinem ureigensten Geschäft widmet=Konsumentenwünsche zu befriedigen? Wer sich’s leisten kann und Freude daran hat, sich selbst und anderen mit dem extra Weihnachtsgeld Geschenke zu kaufen – WHY NOT?

    Ich und viele andere finden auch nichts verkehrt daran, dass man schon Anfang Dez. bzw. Ende Nov. die Weihnachts-Beleuchtung installiert. In unserem tristen Klima – vor allem in der Stadt, wo echte Winterstimmung mit Schnee ja kaum vorkommt- ist das eine nebelige und trübe Zeit – ich FREUE MICH JEDES JAHR WIE EIN KIND über die Weihnachtsbeleuchtung in den Straßen!

    Und warum sollten die Asiaten sich nicht auch an Weihnachten freuen? Auch unter Asiaten gibt es Christen (wenige – schon klar)! Aber – auch für die anderen – ich freue mich ja auch über den Anblick schöner Buddha-Statuen und die z.B. chinesischen Festlichkeiten, wenn ich dort bin und teile das lokale Fest gerne mit den dort lebenden Menschen! Wir leben in einer globalisierten Welt – es gibt da auch Nachteile- schon klar – aber- solange man „Freude teilen“ als Vorteil sieht – was z.B. ich tue – soll das willkommen sein. Christi GEburt IST eine jährlich wiederkehrende Freude – und wir sollten froh sein, dass wir sie noch feiern dürfen, solange wir können!
    Ich weiß, dass es als „künstlerisch wertvoll“ gilt, die Welt zu vernadern – die meisten von uns aber bewundern Menschen, die anderen zeigen können, was POSITV UND SCHÖN IST! JETZT UND HEUTE!