Die Zukunft unserer Lebensmittel – biologische Landwirtschaft

Werner Lampert mit Gemüse

Die globale Wirtschaft, wie sie jetzt funktioniert, wird im Lebensmittelbereich keine Zukunft haben. Diese Ära wird schon in den nächsten fünf bis zehn Jahren zu Ende gehen.

Die große Aufgabe der Zukunft wird daher nicht die Produktion billiger Lebensmittel sein, sondern die Versorgungsicherheit aufrecht zu erhalten. Auch wenn viele die Zeichen der Zeit nicht erkennen wollen: diese ist ganz enorm bedroht, und das hat verschiedene Ursachen.

Einerseits wird der Klimawandel enorme Auswirkungen auf die Lebensmittelproduktion haben. Die größte Problematik dabei ist das Wasser. Wasser ist eines unserer kostbarsten Güter, doch die Wasserversorgung ist durch zunehmende Knappheit ebenso bedroht wie die Qualität des Wassers.

Das Verrückte am Klimawandel ist ja nicht, dass die Ereignisse, die passieren, vollkommen ungewöhnlich sind und unerwartet über uns hereinbrechen, ohne dass es Erfahrungswerte dafür gibt. Alles, was im Klimawandel passiert, hat diese Erde mehrfach durchlaufen. Das Ungewöhnliche ist allerdings die Geschwindigkeit, mit der es abläuft. Dabei gibt es keine Erfahrungswerte, auch keine Modelle. Die Geschwindigkeit, mit der wir weltweit in eine Lebensmittelknappheit geraten werden, vor der verschließen wir die Augen und stellen uns taub.

Dazu kommt die Ausbeutung der Menschen in der Landwirtschaft, speziell auch in Europa. Viele Bauern werden nicht adäquat bezahlt, sie arbeiten oft unter widrigsten Umständen und werden sich dies nicht ewig gefallen lassen. Diese Menschen werden sich zu Recht dagegen wehren.

In der Energieversorgung wird immer mehr nach Alternativen gesucht. Doch bevor wir eine echte Alternative finden werden, mit der wir weiterleben können und mit der wir auch weiterhin Wachstum haben, wird es Zwischenlösungen geben. Nachwachsende Energiestoffe werde eine dieser Lösungen sein. Diese nehmen jedoch genau dort, wo Lebensmittel produziert werden, wo Grund und Boden für Lebensmittel da sind, wo Wasser für Lebensmittel vorhanden ist, Raum weg. Das schmälert signifikant die Möglichkeit, Lebensmittel zu produzieren. Dabei wird auf eine Art und Weise produziert –  weil es ja nicht zur Verfügbarkeit der Menschen und der Ernährung dient –, wie man es auch bei Baumwolle macht. Die Folge: der Boden ist auf Jahrzehnte zerstört und verseucht. Das sehe ich als große Gefahr für uns alle.

Dazu kommt das ungebremste Wachstum der Weltbevölkerung: wir haben heute sieben Milliarden Menschen, die auf unserem Planeten leben, 2050 werden es neun Milliarden sein. Das ist die nächste gewaltige Herausforderung, die auf uns zukommt.

Aus diesen Überlegungen heraus ist mir heute mehr denn je klar: diese Art des Wirtschaftens, die wir gewohnt sind, wie wir es in den letzten Jahrzehnten gemacht haben, hat absolut keine Zukunft mehr.

Wir müssen jetzt handeln und dagegen steuern. Wir müssen Transparenz bei der Produktion unserer Lebensmittel schaffen, wir müssen umweltbewusst agieren und nachhaltig handeln. Das ist der Weg, den ich seit Jahren gehe. Die biologische Landwirtschaft ist mein Weg und ich unterstütze daher auch gerne das Manifest zur Neuausrichtung der Landwirtschaft von renommierten Agrarwissenschaftlern.

Über Werner Lampert
Werner Lampert (geboren 1946 in Vorarlberg/Österreich) zählt zu den Wegbereitern im Bereich nachhaltiger Produkte und deren Entwicklung in Europa. Der Biopionier beschäftigt sich seit den 1970er-Jahren intensiv mit biologischem Anbau. Mit Zurück zum Ursprung (Hofer) und Ja! Natürlich entwickelte er zwei der erfolgreichsten Bio-Marken im deutschen Sprachraum.
Dieser Beitrag wurde unter Landwirtschaft, Pioniere, Werner Lampert, Zukunft abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.