Die totale Umkehr

Regenwald

Als ich mich mit der CO2-Kennzeichnung auseinandergesetzt habe, ist mir klar geworden: der größte Verursacher von CO2 ist die Landwirtschaft. 32 bis 34 % der CO2-Emissionen kommen mittelbar oder unmittelbar aus der Landwirtschaft und haben mit der Lebensmittelproduktion zu tun. Wenn man da einen Schritt macht, führt es unmittelbar zur landwirtschaftlichen Wende.

Wir müssen eine neue Form von Landwirtschaft betreiben (Manifest zur Neuausrichtung der Landwirtschaft). Wir zerstören Böden, die erodieren, Humus, auf dem Lebensmittel angebaut werden könnten, und das ist ebenso verantwortungslos wie der Umgang mit Wasser. Die Lebensgrundlage der Landwirtschaft wird von der und durch die konventionelle Landwirtschaft systematisch zerstört. Da gehört die Erosion ebenso dazu wie das Verschwinden der Biodiversität.

Kein Bauer hat mehr das Gefühl, ein Lebensmittel für seine Umgebung, seine Nachbarn, für Menschen, die er kennt, mit denen er befreundet ist, für die Gemeinde, in der er lebt, zu produzieren. Er ist vollkommen aus dieser Verantwortungshaltung für andere Menschen herausgenommen. Landwirtschaft ist zu einem industriellen Job geworden.

Wir alle kennen den Begriff der „Nutztiere“. Wenn man sieht, wie diese Tiere gehalten werden, so ist es für jedes Tier ein großes Glück, sehr schnell getötet zu werden. Die Art und Weise, wie der Mensch mit Tieren umgeht, ist oft unhaltbar. Das ist die wirkliche, himmelschreiende Katastrophe. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir in hundert Jahren mit Ekel auf unsere Zeit zurückschauen werden, im Vergleich zu den vielen Tausenden von Jahren davor, als sich der Mensch von Tieren ernährt hat. Viele Menschen realisieren nicht, wenn sie ein Huhn für EUR 2,90 kaufen, unter welchen Umständen dieses Tier gehalten und getötet wurde, damit es um diesen Preis verkauft werden kann. Viele Menschen verschließen heute die Augen, wenn es um die Herkunft ihrer Nahrung geht. Sie wollen es nicht wissen.

Dazu kommt, dass viele Bauern, die Lebensmittel produzieren, nicht mehr das Gefühl haben, dass das, was sie machen, für die Gesundheit anderer Menschen wesentlich sein könnte. Da bedarf es einer totalen Umkehr in der Haltung, nicht nur der Landwirte, die Lebensmittel produzieren und mit Grund, Boden und Tieren umgehen, sondern auch in der Haltung der Konsumenten. Diese Haltung können wir ändern, wenn wir das, was wir konsumieren, von der Ferne in die Nähe bringen. Wir brauchen eine totale Umkehr. Regionalität schafft wieder einen Bezug zum Lebensmittel. Und das ist wesentlich.

Über Werner Lampert
Werner Lampert (geboren 1946 in Vorarlberg/Österreich) zählt zu den Wegbereitern im Bereich nachhaltiger Produkte und deren Entwicklung in Europa. Der Biopionier beschäftigt sich seit den 1970er-Jahren intensiv mit biologischem Anbau. Mit Zurück zum Ursprung (Hofer) und Ja! Natürlich entwickelte er zwei der erfolgreichsten Bio-Marken im deutschen Sprachraum.
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