Was bringt Green Banking?

Das Prinzip ist einfach, die zu Grunde liegende Idee durchaus ein wenig sozialromantisch. Ein Veranlagungs- und Investitionshorizont, der nur aus nachhaltigen und gesellschaftlich vertretbaren Werten und Unternehmen besteht. Finanztitel aus der Atom-, oder Waffenlobby verlieren damit ihre finanzielle Legitimation. Klingt utopisch. „Green Banks“ setzen diese Strategien jedoch bereits um. Doch lässt sich mit dieser Investitionsstrategie auch tatsächlich eine ökonomisch tragbare Rendite erzielen?

Es mag in Zeiten der Bankenkonsolidierung und verschärften Wettbewerbsbedingungen nicht wirklich verwundern, dass Finanzmarketingabteilungen nach neuen Wegen der Differenzierung suchen. Das Nachhaltigkeitsthema aufzunehmen scheint in Zeiten der Finanzmarktkrise, des Klimawandels und des globalen gesellschaftlichen Wertewandels gerade zu prädestiniert. Kritiker mögen an dieser Stelle nicht zu Unrecht das Argument des „Financial Greenwashing“ einwerfen.  Eine aktuelle Studie des Weltverbandes der Nachhaltigkeitsbanken (GABV) zeigt nun, dass sich Green Banking nicht zwangsläufig auf ambitionierte Finanzmarktinitiativen reduzieren lässt. Das Gegenteil kann der Fall sein.

Im Vergleich zu traditionellen Systembanken konnten etwa Institute mit alternativer und nachhaltiger Ausrichtung laut der Studie kräftig zulegen. Während klassische Banken in der Zeit von 2001 – 2011 eine jährliche Zuwachsrate von über 18 Prozent verzeichneten, fiel das Ergebnis der Systembanken mit 10,4 Prozent pro Jahr vergleichsweise gering aus. Neben der Ausrichtung auf nachhaltige Investments zeichnen sich Green Banks aber auch durch einen höheren Bezug zur Realwirtschaft aus. So liegt laut Studie die Kreditvergabequote deutlich über der von traditionellen Finanzinstitutionen. Eine Entwicklung, die zunehmend auch für konventionelle Banken interessant scheint. Immer mehr Institute entscheiden sich für einen radikalen Kulturwandel.

Die Commerzbank setzt in ihrer neuen Werbekampagne beispielsweise ausschließlich auf Nachhaltigkeitsaspekte. Dabei bezieht die Bank genau jene Argumente mit ein, die Green Banking Institute bereits jahrelang in ihrem Produkt- und Marketingportfolio integrieren.

Argumente der aktuellen Commerzbank Werbekampagne:

  • Weil wir Schluss machen mit neuen Spekulationen auf Grundnahrungsmittel.
  • Weil Deutschland eine Bank braucht, die nicht einfach so weitermacht.
  • Weil wir erneuerbare Energien für die Zukunft finanzieren.

Es bleibt abzuwarten inwiefern sich diese Argumente tatsächlich auch in den Beratungsprozessen, dem Investitionsverhalten und den Produktportfolios von Systembanken vorfinden lassen. Tatsache ist jedoch, dass sich die Kundenseite zunehmend mit nachhaltigen Finanzinvestitionen auseinandersetzt und diese Denkweise auch von ihrer Hausbank einfordert. Zudem reduzieren soziale Initiativen, wie etwa die Bankenwechselkampagne „Krötenwanderung“, den Handlungsspielraum unethisch agierender Institute. In Zeiten der Finanzmarktdigitalisierung und den damit einhergehenden fallenden Barrieren Bankenhäuser zu wechseln, wird es für unethisches Banking zunehmend schwierig sich gegen die Megatrends Transparenz und Demokratisierung zu stellen.

 

Weiterführende Links:

Global Alliance for Banking on Values

Ethical Banking Wikipedia Eintrag

Bankenwechselkampagne Krötenwanderung

Commerzbank

Über Sebastian Naderer
Sebastian Naderer ist Co-Initiator von financeNEXT und begleitet nationale wie internationale Unternehmen und Organisationen im strategischen Umgang mit Schlüsseltrends (z.B. Crowdfinance, E-Payment) der Veränderung. Naderer studierte in Österreich, Deutschland und den USA und hat neben seinem Studium der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften an der Johannes Kepler Universität die Berufsausbildung zum diplomierten Börsenhändler sowie zum EUREX-Clearer an den Börsen Wien, Frankfurt und Zürich absolviert. Er hält einen Master in Public-Relations und integrierter Kommunikation sowie einen MBA in Communication & Leadership.
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  • Das erinnert mich an Das gute Bausparen, wo man einen Bausparer abschließt und zusätzlich soziale Projekte unterstützt. Ohne mehr dafür zu zahlen. Find ich eine super Idee!

  • jede Kapitalanlage, ethisch oder nicht, hat doch das Ziel einer Rendite. Liegt diese über der Inflation, stellt sie ein leistungsloses Einkommen des „Kapitalisten“ dar, für das andere mehr leisten müssen, das können Arbeitnehmer sein, aber leider oft auch Böden, Tiere usw.
    In diesem Zusammenhang wäre doch die Meinung von Herrn Lampert zur Familie Albrecht mal interessant. Wie man weiss, arbeitet „seine“ Marke ZurückZumUrsprung nur mit Hofer zusammen, Hofer gehört 100% Aldi Süd. Deren Alleineigentümer Fam. Albrecht sind mit 17,2 Mrd. Euro die reichsten Deutschen. Wie die wohl ihr Geld anlegen? Wie fühlt es sich an, wenn man daran beteiligt ist, den Allerreichsten noch ein Stück reicher zu machen? Wären die ZzU Produkte nicht besser in einer Genossenschaft aufgehoben, z.B. bei „Nah und Frisch“?

  • Eine Geldanlage, die Zinsen über der Inflationsrate abwirft, ist mit Risiken behaftet und daher kein „leistungsloses Einkommen“.

    Genossenschaften sind nicht per se altruistischer als andere Unternehmensformen. Wer keinen Gewinn macht, geht pleite.

    Ich bin aber auch skeptisch, ob „green Banking“ wirklich so viel bringt. Meines Erachtens ergibt sich am Ende nur, dass die sensiblen Kunden die „grünsten“ Projekte finanzieren und die anderen finanzieren die restlichen Projekte. Am Ende also nur eine gedankliche Umverteilung ohne reale Auswirkungen (ausgenommen von symbolischen Wirkungen oder besseren Gefühlen beim Anleger). Wahrscheinlich ist es genauso gut, die höchstmöglichen Erträge zu kassieren und dann nach Belieben zu spenden.

    • Zu Mario Sedlak: ein Risiko einzugehen ist doch keine Leistung im Sinne von Produktivität. Risiko besteht ja auch gar nicht, wenn der Staat (d.h. die Steuerzahler) im Zweifel haftet, wie aktuell bei der Bankenrettung und Staatsanleihen. „Wer keinen Gewinn macht, geht pleite“, dann existieren Vereine, GmbH´s, Genossenschaften und Stiftungen, die per Satzung gemeinnützig sind, gar nicht? Die dürfen aus steuerliche Gründen keinen Gewinn machen sind oftmals wirtschaftlich tätig und es gibt sie doch!

      „Die gedankliche Umverteilung“ endet irgendwann spätestens dann, wenn „Verbrecher“, die Umwelt schädigen, Klima ruinieren, Gentechnik, Atom usw. betreiben, niemand mehr finden, der ihnen Geld gibt. Ein Teil des Gewinnes zu spenden, den ich mit schmutzigen Geschäften mache, mag zwar kurz das Gewissen beruhigen, aber erst gar keine solchen Geschäfte zu machen, bzw. zu unterstützen, lässt einen langfristig „gut schlafen“.

      • Also mit Staatsanleihen werden Sie sicher nicht reich. Derzeit verlieren Sie damit sogar Geld (wenn Sie die Inflation berücksichtigen).

        Sicher gibt es gemeinnützige Stiftungen und dgl., aber auf Dauer kann niemand was verschenken. Z. B. musste der mobile Kleingrünmarkt seinen Betrieb leider einstellen. Und ich kenne auch keine Genossenschaft, die mir einen billigen Handwerker nachhause schickt.

        Es spricht aber natürlich überhaupt nichts dagegen, wenn eine Genossenschaft Bio-Produkte vertreibt. Ich glaube nur nicht, dass Erfolg per se schlecht ist und dass Kleine prinzipiell unterstützungswürdiger als Große sind.

        Wer gut wirtschaftet, darf meiner Meinung nach Gewinne machen. Wer schlecht wirtschaftet, bekommt seine Verluste ja auch nicht ersetzt.

        Die Gewinne der börsennotierten Firmen ändern sich nicht, wenn statt mir wer anderer in sie investiert. Als Aktionär kann ich aber selbst bestimmen, was mit einem (kleinen) Teil der Gewinne passiert.

  • eine vertiefende Diskussion ist hier kaum möglich, als Denkanregung nur noch folgendes:

    Ein Durchschnittsverdiener möchte Biowaren kaufen, welche Alternativen hat er?

    1) Er kauft günstig bei Hofer ZzU Produkte, sein gespartes Geld steckt er in Aktien von Monsanto und Exxon Mobile, die mit dem Geld Gentechnik und Fracking vorantreiben.
    Folgen: Fa. Albrecht wird reicher, Herr Lampert wird reicher und die Umwelt zerstört. Die Angestellten von Hofer und die Biobauern werden nicht ausreichend bezahlt. Als Anleger bekommt er Dividende bzw. profitiert am Kursgewinn.

    2) Er kauft günstig bei Hofer ZzU Produkte, sein gespartes Geld steckt er in „grüne“ Geldanlagen.
    Folgen: Fa. Albrecht wird reicher, Herr Lampert wird reicher und die Umwelt etwas geschont, aber der grüne Aktiengewinn muss der Umwelt auch abgerungen werden. Die Angestellten von Hofer und die Biobauern werden weiter nicht ausreichend bezahlt. Als Anleger bekommt er Dividende bzw. profitiert am Kursgewinn.

    3) Er schliesst sich einer Gemeinschaft zur gemeinwohlorientierten Landwirtschaft an, bekommt dort für sei Geld regionale biologische Produkte, evtl. etwas teurer wie ZzU bei Hofer. Folgen: Die Biobauern haben einen sicheren Absatz und sind gegen Mißernten geschützt, alle Beteiligten haben ausreichende Einkommen, jedoch keine leistungslosen Gewinne. Die Umwelt wird nicht unnötig belastet.

    • Gute Denkanregung, aber ich möchte ergänzen:

      a) Hofer ist meines Wissens der einzige Supermarkt, der Löhne über dem Branchenschnitt bezahlt.

      b) Bio muss in die Masse gehen, damit es zu einer spürbaren Umweltentlastung kommt.

      c) Nur wenige Konsumenten werden bereit sein, den Biobauern das Missernterisiko abzunehmen. Außerdem haben solch „kleine“ Lösungen die Gefahr, dass die Kunden ihre Gemüseportion oder die Rohmilch mit dem Auto abholen, womit die Umwelt viel mehr belastet wird als beim Einkauf im Supermarkt ums Eck. Deswegen halte ich es für einen großen Erfolg, dass man Bio sogar beim Diskonter kaufen kann. Ich kann aber natürlich verstehen, dass die kleinen Biobauern über den damit verbundenen Preisdruck nicht glücklich sind.

      • zu a) ich kenne die Löhne in Ö nicht, vermute aber daß auch bei Hofer keine Gewerkschaften etc. erwünscht sind und die Bedingungen von Aldi diktiert werden

        zu b) die jüngsten Skandale haben gezeigt, daß wenn Bio in die Masse zu geht, industrielle Strukturen die Marktnische besetzen. Die wiederum interessiert Gewinn und nicht Umwelt oder Tierwohl. Die Bilder von Tiemann/Wiesengold Ställen oder übler Schweinehaltung unter Biopark Label haben der ganzen Biobrache in „D“ soviel Glaubwürdigkeit gekostet. Kunden sagen (bezogen auf Tierwohl zurecht): dann kann ich gleich wieder konventionell kaufen. Das ganze wird gepuscht von veganen Tierrechtsorganisationen, siehe http://www.biowahrheit.de einerseits und Agromultis im Verband mit gekauften Politiker, die immer wieder behaupten, würde wir alle Bio machen, wäre die halbe Menschheit am Verhungern. Bio in der Masse geht nur über günstige Rahmenbedingungen in Europa, es kann nicht sein, daß in 10 Jahren zwar 50% in den Läden Bio steht, davon aber 70% aus China kommt.

        c) das Mißernterisiko tragen dir Bürger über Steuern und Agrarsubventionen heute schon. Wenn eine direkte Verbraucher-Erzeuger Beziehung besteht, kann eine Bereitschaft dazu entstehen. CSA ist nicht unbedingt mit kleinen Lösungen verbunden, man kann ja z.B. die Grossen mitbenutzen. Z.b. könnte der „Genosse“ seine Waren ja bei Hofer holen, nur bestimmt Hofer nicht den Preis, sondern der Erzeuger in Absprachen mit den Verbrauchern. Hofer wird dann nur für seine Logistik, Lagerung und Verkaufsflächen bezahlt (und macht im Idealfall keine Gewinne, sondern schüttet diese an die Mitarbeiter aus). Ich weiss klingt alles sehr sozialistisch… aber die reine Kapitalismus wird auch keine Zukunft haben, weil er dem grossen Irrtum unterliegt immerwährendes Wachstum sei real möglich. (die Geschichte lehrt, das geht immer nur bis Kriege/Naturkatastrophen wieder ziemlich viel auf einmal zerstören, dann kann man erneut wachsen…

        • Dass die Bio-Standards verbessert werden sollen, sehe ich auch so. Und auch Werner Lampert meint, dass die heute übliche biologische Landwirtschaft nicht weit genug geht.

          Wenn die Unternehmer keine Gewinne machen sollen, dann müssen sie ggf. die Kunden zur Verlustabdeckung bitten. Daran wird es hapern. Ja, wir müssen unseren Mitmenschen erklären, dass immerwährendes Wachstum unmöglich ist.

  • so schaut es aus, wenn Bio in die Masse geht:
    http://www.mdr.de/fakt/video103008.html