Alles im grünen Bereich

Bio boomt. Und das nicht nur bei der Energie-Gewinnung sondern auch bei Lebensmitteln.

Längst stellen Menschen, die verantwortlich handeln, dabei aber nicht auf Genuss verzichten wollen, keine Minderheit mehr dar. Gesunde, faire und nachhaltige Produkte zählen zu den neuen Kaufargumenten am Lebensmittelmarkt. Das zeigt sich auch in Österreich: Hoch- wertige Nahrungsmittel sind nicht nur gefragt, weil sie gesund sind, sondern transportieren auch diverse andere Gründe um gekauft zu werden: Qualität soll vor allem aus der Region kommen.

44% der ÖsterreicherInnen kaufen gelegentlich Bio-Produkte ein, 9% davon ernähren sich ausschließlich von solchen Lebensmitteln. Den Österreichern wäre darüber hinaus vor allem die Natürlichkeit im Einkaufskorb wichtig – also wenn Produkte frei von Zusatz- und Konservierungsstoffen sind.

Der Umsatzanteil von Bioprodukten liegt,  bezogen auf den Umsatz des Lebensmitteleinzelhandels, bei 4,6%. Die höchsten Marktanteile können Bio-Produkte bei Babynahrung (34%) und Reformwaren (24%) verzeichnen.

Weiterer Vorteil: Um „Bio“ zu bekommen, muss man heute keine weiten Strecken mehr auf sich nehmen. Die Auswahl an Bio-Produkten steigt im klassischen Lebensmittelhandel weiter an.

Ein Trend, der sich auch auf andere Bereiche wie die Modebranche auszuweiten scheint.

Immer mehr Marken setzen auf ökologisch hergestellte Kleidung und ökologisch gute Verarbeitungsmaterialien. Durch die gestiegene Nachfrage, setzen ebenso bekannte Designer auf Ökomode, oder zumindest naturbelassene Produkte. Dennoch glauben einige Menschen nach wie vor, Öko-Produkte seien zu teuer. Ein Argument, dass sich durch die überwiegend höhere Qualität und Langlebigkeit der Textilien, leicht entkräften lässt. Ferner muss ökologische Kleidung umweltschonend produziert werden, lange Transportwege werden gemieden. Modefirmen setzen darüber hinaus immer häufiger auf fairen Handel zwischen den Rohstoffproduzenten und Herstellern der Produkte. Um sicher zu gehen, können Kunden bei ihrem Einkauf auf gewisse Zertifizierungen achten, wie beispielsweise auf das „Fairtrade“ -Zeichen.

Große Modeunternehmen, wie H&M, die sich zumindest ansatzweise beim Thema ökologische Mode einklinken, haben zudem erkannt, dass Bio-Mode keine Abstriche beim Design machen muss. Bei der jüngsten „Conscious Collection“ von H&M, handelt es sich um eine Nachhaltigkeitslinie. Die Mode sei umweltfreundlich gefertigt und im Trend. Das liest man zumindest auf diversen Internet-Plattformen.

Ein weiterer Trend der nachhaltigen Mode ist das upcyling. Die Idee, die dahinter steckt:

Reparieren lassen statt wegwerfen.

So startet – wie könnte es anders sein – auch in den Geschäften von H&M eine Kleidersammelaktion: Kunden können ab Ende Februar alte Kleidung unabhängig von der Marke in ausgewählte Geschäfte bringen und erhalten für jede Einkaufstasche mit Kleidung einen 15- Prozent- Rabattgutschein auf ihr Lieblingsteil. Die so gesammelten Textilien werden beispielsweise an Second- Hand- Geschäfte weitergegeben oder zu Putz- oder Dämmmaterial verarbeitet.

© Levi's WasteLess DenimBei der Herstellung hingegen, sorgt ein Kleidungsstück der Modebranche nach wie vor für ordentlich Kritik: die Jeans. Unmengen Wasser werden bei der Produktion verbraucht, Bleichstoffe belasten Umwelt und Arbeiter in den Fabriken. Tatsächlich bemüht sich die Textilbranche auch in diesem Bereich um Verbesserungen: Das Jeans-Label Levi’s etwa, startete vor einem Jahr eine medienwirksame Nachhaltigkeits-Kampagne: Das Unternehmen präsentierte ein neuartiges, wassersparendes Jeansherstellungsverfahren, die Levi’s Waterless Collection. Journalisten wurden aus ganz Europa zu der Präsentation nach London eingeflogen. Die dabei verursachten Co2-Emissionen verpufften wohl angesichts der besonders umweltfreundlichen Textilherstellung.

Dass Unternehmen vermehrt in „Public bluff“ statt in „Public relations“ investieren, gehört wohl zum lukrativen Geschäft.

Ölmultis setzen auf die Sonne, Geländewagen sind gut für die Umwelt und Giftmüll macht schlank – fast alles lässt sich heute mit geschicktem „Greenwashing“ an den Konsumenten bringen. Unter diesem Begriff versteht man die Vorgehensweise von Unternehmen, die eigentlich umweltfeindlichen Produkten, anhand geschickter PR-Inszenierung, einen grünen Anstrich verpassen.

Ein besonders trauriges Beispiel für Greenwashing lieferte der britische Automobilhersteller Land Rover. Dessen Fahrzeuge stießen fast doppelt so viel Schadstoffe aus, wie es ab 2012 in der EU vorgesehen war. Wer jedoch bis zu 241 Euro mehr für die Geländewagen locker machen konnte, ermöglichte damit eine Kompensation der zusätzlichen CO2-Emissionen für die ersten 75.000 Kilometer.

Ein reines Gewissen, kann man sich bei Land Rover anscheinend kaufen.

Gerade deshalb sollte man den Einfluss der PR-Industrie auf die öffentliche Meinung nicht unterschätzen. Bezahlte PR scheint immer wichtiger zu werden. Im Gegensatz zum immer weniger bezahlten kritischen Journalismus.

Über Sylvia Gerstl
Ich wurde 1988 in Wien geboren, begann nach der Matura 2006 mit einem Publizistik und Kommunikationswissenschafts-Studium an der Universität Wien. Derzeit bin ich mit meiner Diplomarbeit über Nachhaltigkeitskommunikation beschäftigt. Während meines Studiums habe ich als freie Mitarbeiterin bei LIVE – das Starmagazin der Kronen Zeitung gearbeitet.
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  • Sehr guter Beitrag, vielen Dank. Hier besteht auf jeden Fall noch Aufklärungs-, Informations- und Forschungsbedarf.