Der ökologische Fußabdruck – Maß für Maßlosigkeit?

Quelle: Dreamstime.com © Mary Lane

Fair verteilt, stünden jeder ErdenbürgerIn etwa 1,7 Hektar bioproduktive Fläche gegenüber. In Österreich benötigen wir allerdings pro Kopf über 5 Global Hektar. Wenn alle so verschwenderisch leben wollten wie wir, dann würden wir fast drei Planeten von der Qualität der Erde benötigen.

Da es diese drei Planeten nicht gibt und auch nie geben wird, bedeutet das: unsere Art zu Wirt­schaften und zu Konsumieren ist nicht global verallgemeinerbar, widerspricht also zutiefst den Grundlagen jeder Fairness und der globalen Ethik. Statt eines Trends zum Schließen der Kluft  geht die Schere zwischen Habenden und Verelendung immer weiter auseinander. Zutiefst unfair, und zutiefst unethisch!

Der globale kategorische Imperativ im 21.Jahrhundert lautet: „Unsere „Freiheit“, ei­nen beliebigen Lebensstil zu wählen, endet dort, wo unsere Lebensart/Wirtschaft das Leben Anderer unter jede Menschenwürde beschneidet.“

Entsprechend müsste eine zukunftsfähige Wirtschaft dazu beitragen, das Leben aller ErdenbürgerInnen menschenwürdiger zu machen, und nicht das Leben Weniger im­mer verschwenderischer.

Gesellschaften, die schon lange auf zu großem Fuß leben haben Branchen entwickelt, die Milliarden ausgeben, um Bedürfnisse zu erschaffen, für Produkte, die eigentlich niemand wirklich braucht. Damit beanspruchen sie Rohstoffe und Energie, die anderswo dringend zum Überleben fehlen und so ein menschenwürdiges Auskommen Vieler unmöglich machen.

Wie soll das ethisch sein?

Erfreulicher Weise sehen viele Unternehmen eine Notwendigkeit, ihre Firma als sozial verantwortungsvoll darzustellen. Dies ist gut und wichtig! Dabei ist es in erster Instanz egal, ob dies wirklich aus ethischer Verantwortung, aus Gründen der Mitarbeiter-Motivation, der Shareholder-Optik oder der erhofften Marktvorteile geschieht.

Wichtig ist, dass die richtigen Schritte gesetzt werden. Dazu ist zu aller erst eine Kategori­sierung von Produkten notwendig:

So etwa kann ein Hersteller von Landminen niemals ethisch sein. Jeder Versuch, CSR umzusetzen, ist hinfällig. Ein Mordinstrument wird nicht besser, wenn es in Recycling-Kar­ton verpackt ist. Noch so nette Mitarbeiter-Beteiligungen und Stakeholder-Dialoge mit der Kommune am Produktionssort sind zwecklos. Die Frage: „Sind 100 Arbeitslose hier besser als 10 000 Beinlose dort?“, kann auf betriebswirtschaftlicher Ebene nicht gestellt werden, auch nicht auf nationaler. Und international gehören Landminen verboten.

Soweit, so einfach! Doch was ist mit all den Branchen, die direkt und indirekt eben so ­viel Leid, Ungerechtigkeit und Zerstörung verursachen. Von der Ölindustrie, über die fleischlastige Ernährungsbranche bis hin zu Autoherstellern oder Fluglinien, alle sind sie massiv an der Zerstörung unserer Lebens­grundlagen beteiligt. Aber darf man die Treibhausgase einer Fluglinie anlasten, oder sind es nicht etwa doch die Touristen, die so gerne die Billigangebote annehmen. Kann eine Mineralölfirma für die Treibhausgase zur Verantwor­tung gezogen werden, die doch eigentlich ihre Kunden verursachen?

Kann eine Handelskette für den enormen ökologischen Schaden der Fleisch- und Milchproduktion zur Verantwortung gezogen werden, wenn es doch ihre Kunden sind, die  billiges Fleisch nachfragen …

Ja, sie können und müssen …

Warum endlich mal die – und nicht immer nur wir? Dazu mehr beim nächsten mal…

Über Wolfgang Pekny
Wolfgang Pekny, Jahrgang 1956. 1975 bis 1982 Studium der Chemie und Biologe an der Universität Wien. 82-87 Dissertation über evolutionstheoretische Fragen an Tiefseemollusken. Zugleich ab 1974 im Umweltschutz engagiert; theoretisch, politisch und aktivistisch. 1987 -2008 hauptberuflich für Greenpeace als Kampagnenleiter, Querdenker und Think-Tank in führenden Positionen national wie international tätig. Spezialist für Biodiversität, „global commons“, Völkerrecht, Ökobilanzen, Ökologischer Fußabdruck und „Fair Future“. Seit 2007 Geschäftsführer der von ihm begründeten Plattform Footprint und Obmann der „Initiative Zivilgesellschaft“.
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