30 Jahre Gentechnik und Monsanto – Studien zeigen Erschreckendes auf

Bunter Mais

Dreißig Jahre ist es her, dass die ersten gentechnisch veränderten Pflanzen hergestellt wurden. Nun zieht der Gentechnikexperte Christoph Then Resümee, und die Ergebnisse sind erschreckend!

Die längste Anbaugeschichte von gentechnisch veränderten Organismen (kurz GVO) hat die USA durch Monsanto zu verzeichnen. Das Unternehmen machte sich im Vietnamkrieg und durch die Herstellung des Entlaubungsmittels Agent Orange einen Namen. Jetzt produziert es vor allem Herbizide und gentechnisch verändertes Saatgut. Durch die beinahe globale Monopolstellung von Monsanto, Dupont, Syngenta, Dow AgroSciences und Bayer, erhöhte sich der Preis von Saatgut auch im konventionellen Bereich.

Die Wiederaussaat von gentechnisch verändertem Saatgut ist verboten, der Landwirt muss also regelmäßig Saatgut kaufen. Mögliche Patentverstöße werden unter anderem mit der Hilfe von Detektiven verfolgt.

Da eine Kontamination auf anderen Flächen durch die GVO nicht ausgeschlossen werden kann, ist eine gentechnikfreie und/oder ökologische Landwirtschaft vielerorts nicht mehr möglich. Die Schäden für die gentechnikfreie Produktion lassen sich dabei unmöglich beziffern.

Die Befürworter von GVOs streichen immer den größeren Ertrag und den geringeren Pestizideinsatz heraus. Bei der Auswertung mehrerer Studien eröffnete sich Christoph Then jedoch genau das Gegenteil.

Anfänglich hatten die US-Landwirte tatsächlich Vorteile beim Anbau herbizidresistenter Pflanzen. Jedoch haben sich die Unkräuter an die veränderten Pflanzen angepasst, und so steigt sowohl die Menge an Spritzmitteln (vor allem Glyphosat (Grube et al., 2011 Grube, A., Donaldson, D., Kiely, T., Wu, L, 2011, Pesticides industry sales and usage. 2006 and 2007 market estimates. EPA, Washington, D.C.) als auch der Arbeitszeitaufwand deutlich. Die Gefährdung der Gesundheit durch Glyphosat für Menschen, halten verschiedene Wissenschaftler für wahrscheinlich. Die Zusatzstoffe (z.B. Tallowamine), die die Aufnahme durch die Pflanzen erleichtern soll, sind oft um ein Vielfaches giftiger als Glyphosat. In Deutschland ist die Anwendung deswegen eingeschränkt worden, nicht aber in den USA.

Der Höhepunkt dabei ist, dass die Wirkung völlig verfehlt wurde, die Schädlinge konnten nicht vermindert werden! Eine Laboruntersuchung aus den USA zeigt, dass der gentechnisch veränderte Mais die Ausbreitung der Fraßinsekten sogar beschleunigt hat (Oswald et al., 2012 Oswald, K. J., French, B.W., Nielson, C., Bagley, M., 2012- Assessment of fitness costs in Cry3Bb1-resistant and susceptible western corn rootworm laboratory colonies. Journal of Applied Entomology, DOI: 10.1111).

Ebenso fällt auf, wenn man offizielle Zahlen des Amerikanischen Landwirtschaftsministeriums USDA (U.S. Department for Argiculture) analysiert, dass die Erträge nicht gestiegen sind, die Kosten für chemische Pestizide nicht reduziert werden konnten, aber dafür die Preise fürs Saatgut stark zugenommen haben. Laut der ETC Group 2011 hat Monsanto im Jahr 2009 7,297 Milliarden US Dollar Umsatz durch Saatgut erwirtschaftet.

Immer mehr Länder wehren sich nun gegen Monsanto und die Einführung von gentechnisch veränderten Organismen.

Markt in Peru © Isabell Riedl2012 verbietet Peru für die nächsten 10 Jahre die Zulassung für gentechnisch verändertes Saatgut. Polen verhängt ein Anbauverbot für den Genmais MON810. In Österreich, Frankreich, Deutschland, Luxemburg, Ungarn, Griechenland und Bulgarien ist der Anbau der gentechnisch veränderten Maissorte bereits verboten. Auch Russland folgt diesem Beispiel.

Nun möchte sich auch das riesige Indien gegen die Gentechnik wenden.

Wer jetzt denkt, in Österreich geht uns das doch alles nichts an, der hat die Werbeschaltungen im Fernsehen oder unsere Verkaufsregale nicht genau betrachtet. Monsanto verkauft Round-up (somit Glyphosat) auch kräftig in Österreich.

Außerdem gelangen durch Importe jährlich 33 Millionen Tonnen Soja und andere Futtermittel wie Mais in die EU. Mit diesen Produkten geraten kontinuierlich Ruckstände von Pestiziden ins Tierfutter. Welche Auswirkungen das langfristig auf die Gesundheit der Nutztiere und auf die von ihnen gewonnenen Produkte hat, kann man heute noch nicht sagen. Mit diesem Wissen schmeckt das Schnitzel gleich noch besser.

Daher verzichte ich zu 100% auf konventionelles Fleisch. Das ist mein täglicher Beitrag für die Artenvielfalt in Südamerika, die verarmenden Bauern in Indien, die armen Schweine in der Massentierhaltung ohne Sonnenlicht und mein eigenes Gewissen.

Weiterführende Links:

DIE RACHE VON KÄFER & co. – 20 Jahre kommerzieller Anbau von Gen-Pflanzen in den  USA – CHRISTOPH THEN

 

 

Über Isabell Riedl
Die Natur hat mich schon als kleines Kind fasziniert. Spätestens als ich aufgrund der Schönheit eines Tieres zu Tränen gerührt war, wusste ich, dass es meine Aufgabe ist, diese Welt und ihre Schönheit zu bewahren. Im Zuge meines Ökologiestudiums lebte ich 2 Jahre in Costa Rica, wo ich dessen Vogelwelt erforschte. Seit Mai 2012 arbeite ich nun bei der Werner Lampert Beratungs GmbH im Bereich der Nachhaltigkeit und verwalte unter anderem diesen Blog. Seit 2016 versuche ich diese Welt für mein Kind Ruben noch mehr zu schützen.
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  • Isabell Riedl

    Glyphosat auch im österreichischen Mehl- aktueller Artikel dazu in Der Standard Online: http://derstandard.at/1360161472302/Pestizid-Rueckstaende-in-oesterreichischem-Mehl-nachgewiesen

  • Pingback: 30 Jahre Gentechnik – Wie schlimm wird es noch kommen? « Schön & Nützlich()

  • Isabell Riedl

    Noch mehr aktuelles: http://www.dw.de/allein-gegen-monsanto-19022013/a-16610589

    Allein gegen Monsanto

    Vor dem obersten Gerichtshof der USA beginnt heute ein Prozess, der an den Kampf zwischen David und Goliath erinnert. Der Goliath ist der Agrar- und Biotech-Konzern Monsanto, der David ein 75-jähriger Bauer aus dem Mittleren Westen. Er ist einer von vielen, die von Monsanto wegen angeblicher Patentverletzungen verklagt wurden. Doch er hat sich so hartnäckig gewehrt, dass sein Fall nun vor dem Supreme Court verhandelt wird.

  • Marion Buhmann

    Mosanto ist echt eine schlimme Geschichte. Die dominieren nahezu den kompletten Markt der industriellen Samenherstellung! Und deren Gift Roundup rottet ach noch massiv unsere Bienen aus. Deren gentechnisch veränderte Samen sind gegen die eigenen Gifte übrigens ziemlich immun. Keine Biene, kein Leben. Mehr dazu habe ich schon vor einiger Zeit hier in einem spannenden Artikel gelesen:

    • Thomas M.

      Roundup, also Glyphosat, ist ein HERBIZID und kein Insektizid. Die Wahrscheinlichkeit, dass Glyphosat Bienen gefährdet, liegt bei 0,0 %. Was Sie meinen ist BT-Mais, also Mais, welcher sein eigenes Gift produziert. Nur ist dieses Gift eben ein natürliches Gift und wird zum Beispiel gerade deshalb auch im ökologischen Anbau verwendet. Jeder Biobauer benutzt dieses natürlich BT Insektizid, nur dass er dann alle Insekten in seinem Feld vernichtet, während der BT Mais nur die Insekten killt, die an ihm knabbern.

  • Marion Buhmann
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  • Thomas M.

    „Nun möchte sich auch das riesige Indien gegen die Gentechnik wenden.“ Lachhaft, Indien ist durch die Gentechnik eines der größten Exportländer für Baumwolle geworden. Die Umsatzzahlen steigen jährlich und gerade die indischen Bauern haben ihr Einkommen inzwischen mehr als verdoppelt.

    „Monsanto verkauft Round-up (somit Glyphosat) auch kräftig in Österreich.“
    Glyphosat wurde schon lange vor der Gentechnik eingesetzt und wird, da es inzwischen aus dem Patentschutz gelaufen ist, massenhaft auch von Generikern hergestellt und verkauft. Komisch, dass die Kritik erst mit der Gentechnik einsetzte. Dabei wurde und wird es in Amerika im sogenannten Burn-down Segment eingesetzt. Man kann dadurch aufs Pflügen verzichten, weil dieses gerade in den USA die Bodenerosion begünstigt. Also bekämpft man mit Glyphosat alle Unkräuter und sät dann. Da Glyphosat nicht über den Boden wirkt, ist das ohne Probleme möglich. Hinzu kommt, das Glyphosat ein ausgesprochen günstiges Toxprofil aufweist, soll heißen, es ist praktisch ungiftig.

  • Spannend: „Wir können einen Ausbruch von Krebsfällen in Regionen beobachten, in
    denen genmanipulierte Nahrungsmittel weit verbreitet sind. Adipositas
    und Diabetes sind auch häufiger geworden, nachdem genmanipulierte
    Produkte in diesen Regionen in Umlauf gebracht wurden. Zudem steigt die
    Unfruchtbarkeit.“ http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/12/09/gluten-unvertraeglichkeit-genmais-kann-toedlich-sein/