Kann das Finanzsystem am Ende doch die Welt retten?

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Zugegeben, die Headline klingt provokant, widersprüchlich und ein wenig plakativ. Würde man die breite Bevölkerung fragen wer im Stande sei globale gesellschaftliche und ökologische Problemstellungen zu lösen, das Finanzsystem würde wahrscheinlich sogar noch hinter der Politik auf dem letzten Platz rangieren. Dank einer jungen Bewegung im Investment Banking könnten zentrale Fragen der Nachhaltigkeit aber tatsächlich von Finanzakteuren beantwortet werden. Ist das ein Witz?

Die gröbsten Probleme der Finanzmarktkrise scheinen gerade einmal überwunden, da brüsten sich erste Investmentgesellschaften bereits mit neuen Produkten, die die Welt retten sollen. Was auf den ersten Blick nicht nur grob verwundern, sondern viele auch verärgern dürfte, stellt sich bei gründlicher Betrachtung des Themas tatsächlich als ein hoch interessanter Ansatz heraus. Die Rede ist von sogenannten Social Impact Investments. Dieser Bezeichnung liegt kein Marketing-Gag zu Grunde, sondern vielmehr eine neue Anlageklasse, die das Potential hat die Rolle der Finanzbranche auf den Kopf zu stellen.

Das Prinzip ist simpel: Social Impact Investments erzielen eine finanzielle Rendite, indem nachweislich soziale und ökologische Verbesserungen erzielt werden. Die ins Leben gerufene Bewertungsskale IRIS (Impact Reporting & Investment Standard) misst dabei den tatsächlich realisierten Grad der Veränderung, der durch ein Investment erzielt wird. Social Impact Investments verweigern sich nicht den Gegebenheiten des freien Marktes, sondern nutzen diese ganz gezielt um positive Veränderungen für die Gesellschaft herbeizuführen. Investoren, Anleger und Spender stehen damit nicht mehr vor einer Entweder-oder-Entscheidung. Das Potential ist gewaltig. Laut aktuellen Studien  (z.B. J.P. Morgan Global Research) beläuft sich das gegenwärtige Volumen derartiger Investments bereits auf 65 Milliarden US-Dollar. Das potentielle Wachstum dieser Anlageklasse wird in kommenden Jahren auf über 650 Milliarden US-Dollar eingeschätzt.

Google Trends. Das globale Interesse nimmt rapide zu

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Dem Thema Social Impact Investment widmen sich mittlerweile fast alle großen Investmentgesellschaften. Das Veränderungspotential ist beträchtlich. Neben einem neuen Verständnis für Kapitalanlagen, könnte mit der Etablierung, sowohl ein Paradigmenwechsel im Stiftungswesen, als auch in der Geber-Nehmer Struktur stattfinden. Wie bei jungen Bewegungen üblich, existieren freilich noch etliche Kinderkrankheiten und offene Fragen. Speziell die Methoden zur Messung der eingetretenen ökologischen und gesellschaftlichen Veränderung stoßen noch auf Kritik. Optimistisch stimmt hingegen der Umstand, dass in diesem Thema finanzgetriebene Banker und humanitäre NGO’s Hand in Hand an einer gemeinsamen Lösung arbeiten. Es bleibt abzuwarten, ob sich diese Bewegung flächendeckend etablieren kann. Eine Beobachtung und aktive Auseinandersetzung lohnt sich allemal.

 

Weiterführende Links:

J.P.. Morgan Studie

Wikipedia Eintrag

Global Impact Investing Network

European Venture Philanthropy Association

KL Felicitas Foundation

 

Über Sebastian Naderer
Sebastian Naderer ist Co-Initiator von financeNEXT und begleitet nationale wie internationale Unternehmen und Organisationen im strategischen Umgang mit Schlüsseltrends (z.B. Crowdfinance, E-Payment) der Veränderung. Naderer studierte in Österreich, Deutschland und den USA und hat neben seinem Studium der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften an der Johannes Kepler Universität die Berufsausbildung zum diplomierten Börsenhändler sowie zum EUREX-Clearer an den Börsen Wien, Frankfurt und Zürich absolviert. Er hält einen Master in Public-Relations und integrierter Kommunikation sowie einen MBA in Communication & Leadership.
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