Ein Trinkgeld für die Umwelt

Kuh in den Bergen

Ich bin Logiker. Für mich ist es nicht möglich, die heute übliche Massentierhaltung abzulehnen und gleichzeitig die Produkte aus ihr zu kaufen.

Es gibt ja eine Alternative: Ein Liter Bio-Milch kostet nur 20 Cent mehr als konventionelle. Wer kann sich das nicht leisten? Im Gasthaus geben alle ein Trinkgeld. Das gehört sich so. Wir brauchen ein „Trinkgeld für die Umwelt“, d. h. für Menschen wie z. B. Bio-Bauern, die eine nachhaltige Wirtschaftsweise umsetzen.

Es ist unlogisch, einen Lebensstil, der nicht nachhaltig und nicht zukunftsfähig ist, zu verteidigen. Wer soll für Nachhaltigkeit bezahlen, wenn nicht der, der das Produkt konsumiert? Es kann doch niemand verlangen, dass die Bauern ökologisch arbeiten und dabei Verluste schreiben.

Gerade in einer Demokratie und Marktwirtschaft hat jeder Einzelne Macht und Mitverantwortung. Wie können Politiker langfristig denken und Unternehmer nachhaltig arbeiten, wenn für die meisten Wähler und Kunden Einkommenserhöhungen und Preissenkungen zu den wichtigsten Anliegen gehören? Wir müssen selbst damit beginnen, die Welt zu retten! Wer nur fordert, aber selbst nichts beitragen will, wird nicht ernst genommen. Wir sind reich genug, um Vorbild zu sein. Was soll der Rest der Welt von uns denken, wenn uns 20 Cent ein zu hoher Preis für Nachhaltigkeit ist?

Einkaufen am Bio-MarktDer Konsument hat die Wahl: Bio-Produkte, Ökostrom, fairer Handel usw. Es ist wie eine Volksabstimmung. Wenn alle nur das Billigste kaufen, wird auch nur das Billigste produziert. Das wird selten nachhaltig sein, denn die Plünderung von Ressourcen wie fossiler Energie ist in der Regel billiger als der Aufbau einer Versorgung mit erneuerbarer Energie – genauso wie es einfacher ist, Geld vom Konto abzuheben, als sich neues Geld zu verdienen. Kreislaufwirtschaft ist aufwendiger als Kunstdünger. Selbst angebaute Futtermittel kommen teurer als Importe von gerodeten Regenwaldflächen. Auch Entlohnungsgerechtigkeit wird es bei einem T-Shirt um 5 Euro niemals geben.

Während die Umweltprobleme der 1980er Jahre wie saurer Regen und verschmutzte Gewässer durch rein technische Maßnahmen weitgehend gelöst werden konnten, braucht es zur Bewältigung der heutigen Herausforderungen die Mithilfe jedes Einzelnen. Weder lässt sich Kohlendioxid ausfiltern noch gibt es Wirtschaftswachstum ohne eine Zunahme des Rohstoff- und Energieverbrauchs. Nur die Änderung unseres Konsumverhaltens und Lebensstils macht eine globale Kehrtwende in Richtung Nachhaltigkeit möglich. Das „Trinkgeld für die Umwelt“ ist ein „Trinkgeld“ für die gesamte Menschheit, für eine Zukunft auf einem lebenswerten Planeten.

Karotten

Nachhaltigkeit heißt sicher nicht, dass man gar nichts mehr kaufen darf. Niemand ist gezwungen, mehr zu tun, als er kann. Niemand muss perfekt sein.

Wenn jeder auch nur das tut, was leicht möglich ist, wäre die Welt fast schon gerettet.

 

Über Mario Sedlak
1975 in Wien geboren, 2000 Abschluss des Studiums der Technischen Mathematik an der TU Wien, seit 2008 Fachexperte in der Stromwirtschaft
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  • Eine Frage der Wertigkeit, wieviel von meinem Budget (Einkommen) gebe ich wofür aus. In De wird fürs Auto ca. gleichviel ausgegeben wie fürs Essen und Trinken: https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/EinkommenKonsumLebensbedingungen/LfdWirtschaftsrechnungen/EinnahmenAusgabenprivaterHaushalte2150100107004.pdf

    Das Gefühl, ein Auto haben zu müsssen, nimmt ab. „Die Jungen“ wollen sich solche Abhängigkeiten gar nicht mehr ans Bein bilden. Es ist bald nicht mehr schick und fürs Image relevant, ein Fahrzeug zu besitzen. Cool ist, wer flexibel bleibt. Von der Seite besteht Hoffnung.

    Ein bisserl Bio gehört auch zum Image. Da bleibt zu hoffen, dass die Leute dann immer mehr hinterfragen „ist das wirklich bio?“. Die „einsteigerprodukte“ der Supermarktketten weitertreiben. Dazu hatte ich vor längerer Zeit mal eine interessante Diskussion auf Utopia ausgelöst.
    (Link oben unter Website).

    • Danke, Werner, für deinen Kommentar!

      Ja, es gibt viel Grund zur Hoffnung – aber auch keinen Grund zur Entwarnung.

      Ob der Wunsch nach einem eigenen Auto abnimmt, darüber gibt es widersprüchliche Nachrichten. Siehe z. B. ganz aktuell eine Befragung unter österreichischen Jugendlichen. Das Auto ist vielleicht deswegen kein Statussymbol mehr, weil dessen Besitz (oder zumindest ein Führerschein) als selbstverständlich vorausgesetzt wird, so wie es heute auch selbstverständlich ist, ein Handy zu besitzen. (Als ich Jugendlicher war, war ein Handy noch ein Statussymbol.) Es müsste uncool werden, mit dem Auto in die Arbeit zu fahren, nur weil man damit eine Viertelstunde schneller ist (wenn kein Stau ist).

  • abc

    „Es gibt ja eine Alternative: Ein Liter Bio-Milch kostet nur 20 Cent mehr als konventionelle. Wer kann sich das nicht leisten?“

    Z. B. eine Familie mit mehreren Kindern wird es sich oft nicht leisten können, zwischen 20 % und 500 % mehr für vernünftige Lebensmittel zu zahlen (suchen Sie im Jahr 2013 mal ein Speisesalz ohne Trennmittel Natriumzyanid – kostet das Fünf- bis Sechsfache). Etwas anderes ist es sicher bei dem so genannten „hybriden Kaufverhalten“ – Sinnbild: die Porschefahrerin, die beim Lidl einkauft.

    „Es ist unlogisch, einen Lebensstil, der nicht nachhaltig und nicht zukunftsfähig ist, zu verteidigen.“

    Ob etwas logisch ist oder nicht, hat nichts mit den Prämissen zu tun. Für den Chef von ExxonMobil ist es durchaus logisch, einen nicht zukunftsfähigen Lebensstil zu verteidigen.

    • abc

      Korrektur: Ob etwas logisch ist oder nicht, hat nichts mit der GÜLTIGKEIT der Prämissen zu tun.

    • Sicher wird die Familie auf irgendetwas anderes verzichten müssen, wenn sie sich Bio-Milch leistet. Möglich wäre es aber schon. Im Gasthaus geben selbst arme Familien Trinkgeld. Niemand muss 100% bio kaufen. Jeder Beitrag zählt. Der Beitrag kann auch darin bestehen, weniger Fleisch zu essen. Dann kann man sich vielleicht eher das viermal so teure Bio-Fleisch leisten. Von billigen aromatisierten Produkten würde ich bereits aus gesundheitlichen Gründen abraten. Bei der Gesundheit zu sparen, ist nicht nachhaltig.

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