Verantwortung übernehmen – Wer muss/soll/darf zuerst?

Quelle: Dreamstime.com © Dana Rothstein

Der letzte Beitrag endete mit der Frage, ob Unternehmen, die an der Zerstörung unserer Lebensgrundlage beteiligt sind, zur Verantwortung gezogen werden können, wo doch wir – ihre KundInnen es sind, die billige Produkte und Dienstleistungen nachfragen und konsumieren.

Natürlich weiß auch der Autor, dass sich alle Akteure in einer – kurzfristig nachvollziehbaren – Zwangslage befinden: Profitinteressen stehen einer zukunftsfähigen Entwicklung all zu oft diametral entgegen. Im aktuellen Wirt­schaftsleben steht nicht der volkswirtschaft­liche Nutzen, schon gar nicht die Globale Balance im Mittelpunkt, sondern der Profit, hier und jetzt. Muss er – angeblich – so wie unser Wirtschaftssystem eben aufgestellt ist.

Man kann von einem CEO kaum verlangen, sein Unternehmen in eine ökonomisch nachteili­ge Position zu bringen. Das wäre bei AGs sogar strafbar, die Zerstörung der globalen Ressourcen dagegen ist ja nur ein Kavaliersdelikt.

Tatsächlich haben wir es mit einer komplexen Wirkgemeinschaft zwischen Wirtschaft, Politik und KonsumentInnen zu tun, die sich gegenseitig den Schwarzen Peter zuschanzen. Richtig ist: Nur wenn alle drei die gleichen ethischen Maximen beachten, kann sich eine zukunftsfähige Gesellschaft heraus formen. Aber diese Drei haben nicht die gleichen Einflussmöglichkeiten.

Eine verdummte Politik hat über Jahrzehnte die Chance auf wirkungsvolle Steuerung verspielt, Ihre Verantwortung wäre wieder dringend gefragt.

Die KonsumentInnen sind im Prinzip die wirkungsvollsten AkteurInnen, aber in ihrer Macht leider überschaubar, da nur eine Minderheit bereit ist, den mühsamen Weg der Informationsbeschaffung zu gehen. Die hochgelobte Zivilgesellschaft und ihre NGOs, sind in dem Bemühen um Aufklärung und KonsumentInnen-Macht von den Mitteln her chancenlos.

Dagegen ist Macht und Geld nirgendwo so vorhanden wie in der Wirtschaft. Und mit dem Einfluss auch die Verantwortung! Schon vor Hans Jonas wussten die frühen Unternehmer, was sie ihrer Kommune schuldig waren. Aber mit klassischem Corporate Citizenship ist es heute nicht mehr getan. Ein Kindergarten hier, eine Galerie dort, wird nicht reichen.

Es reicht eben nicht, sich in einem grundsätzlich falschen System halbwegs anständig zu benehmen. Regelmäßige warme Mahlzeiten für die Sklaven sind kein Ersatz für die Abschaffung der Sklaverei! Der wahre Wandel hin zu ethischem Wirtschaften beginnt mit dem Hinterfragen der Regeln des heutigen Wirtschaftssystems.

Wofür Unternehmen wie BürgerInnen sich einsetzen müssen, sind Rahmenbedingungen, die ethisches Verhalten eben nicht ökonomisch nachteilig machen.

Es ist ein legitimer Wunsch ein Umfeld zu haben, das uns nicht zu Mittätern an Verbrechen gegen unsere Kinder macht.

Der notwendige Wandel selbst übersteigt natürlich den betriebswirtschaftlich möglichen Rahmen jedes Unternehmens. Zukunftsfähiges Wirtschaften muss ordnungspolitische Maßnahmen nicht nur akzeptieren sondern fordern!

Die Gedanken zu Systemen, mit denen die „Wirkung auf die Welt“ unserer Produkte und Handlungen erfasst und bewertet werden können, sind weit gediehen à Netzwerk Footprinting  ….  You can’t measure what you can’t  measure – die Neuvermessung der Welt

Es gilt zu verstehen, das  ökologische Zukunftsfähigkeit erfordert, die richtige Balance im Bedingungs- Quartett von Konsistenz- Effizienz- Suffizienz und Resilienz  zu finden. ….

Über Wolfgang Pekny
Wolfgang Pekny, Jahrgang 1956. 1975 bis 1982 Studium der Chemie und Biologe an der Universität Wien. 82-87 Dissertation über evolutionstheoretische Fragen an Tiefseemollusken. Zugleich ab 1974 im Umweltschutz engagiert; theoretisch, politisch und aktivistisch. 1987 -2008 hauptberuflich für Greenpeace als Kampagnenleiter, Querdenker und Think-Tank in führenden Positionen national wie international tätig. Spezialist für Biodiversität, „global commons“, Völkerrecht, Ökobilanzen, Ökologischer Fußabdruck und „Fair Future“. Seit 2007 Geschäftsführer der von ihm begründeten Plattform Footprint und Obmann der „Initiative Zivilgesellschaft“.
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