Was ist eigentlich Schönheit?

Quelle: Dreamstime.com © Suravid

Ja, ich weiß, an diesem Thema haben sich schon PhilosophInnen, DenkerInnen und DichterInnen abgearbeitet, seit es Schrift gibt, und vermutlich gab es davor auch schon spannende Diskussionen dazu, die eben nicht überliefert wurden.
Was also könnte ich dazu noch Neues sagen?

Ich wage den Ansatz, Schönheit und Nachhaltigkeit gemeinsam zu denken.
Da ich ja selbst schon ein paar Jährchen auf der Welt bin, nagt einerseits der Zahn der Zeit an mir, und andererseits habe ich schon einige Schönheitsideale kommen und gehen gesehen. Die Trends, die mir in Erinnerung blieben sind: immer dünner, immer jugendlicher und immer unnatürlicher.

Dass die sogenannte „Schönheits-Industrie“ das Niveau „natürlicher“ Schönheit stets nach oben zu lizitieren trachtet, liegt in unserem Wirtschaftssystem, das allem Wachstum verordnet – ausgenommen natürlich unserem Körpergewicht, der Anzahl der Falten und grauen Haare. Statistiken – und die braucht es gar nicht, es genügt der Blick ins Badezimmer – zeigen, dass wir immer mehr Pflegeprodukte „benötigen“ und dafür immer mehr Geld ausgeben. Und das hat nicht nur mit dem steigenden Individualalter zu tun, auch Kinder brauchen schon ihre eigenen Pflegeproduktserien.

Galt man zu Ende des letzten Jahrhunderts noch als gepflegt, wenn man saubere Haare hatte und frisch geduscht war, so sind heute haarfreie Körper von Gesicht bis Fuß gefordert. Und so wird aus Shampoo und Deo schnell ein Sortiment aus Shampoo, Pflegespülung, Deo, Rasierschaum, Rasierer, Epilierer, Wachsstreifen und so weiter.

Unter die Leute kommt der neue Standard durch Werbung auf allen Kanälen.

Und hier wartet der nächste Anschlag auf unser Selbstbewusstsein: kein Gesicht auf einem Werbeplakat und in einer Zeitschrift ist nicht durch die vielen Händen der Fotonachbearbeitung gegangen. Gut aussehende Menschen werden perfekt gestylt und geschminkt, unter Idealbedingungen fotografiert und dann noch mit Bildbearbeitungsprogrammen „verschönert“. Und dieses Lächeln und Augenzwinkern wird uns dann allen als erreichbares Ziel vor die Nase gesetzt. Dein Einsatz bitte, dann schaffst auch du es!

Modezeitschriften, die von der Grundannahme ausgehen, dass vor allem Frauenkörper nur aus einer „Ansammlung von Baustellen“ bestehen, die durch geschickte Maßnahmen kaschiert werden müssten, tun ihr Übriges dazu, dass sich die Leserinnen als „belieferungsbedürftige Mängelwesen“ erkennen, die nur zu gerne auf die Verlockungen der Werbung hineinfallen: Diätprodukte braucht es ebenso wie Faltencreme. Und nicht nur Frauen haben sich diesem Trend zu unterwerfen, natürlich schön ist nur ein haarloser Mann (ausgenommen ist selbstverständlich der Ort, wo die Haare von alleine ausfallen…) mit Waschbrettbauch und ohne Fältchen.

Und selbstverständlich reicht Kosmetik nicht aus, um einen perfekten Menschen zu schaffen: Die Schönheitschirurgie verspricht jeder und jedem eine Katalognase und ein Hollywood-Lächeln, solange nur eines dick genug ist: die Geldbörse.

So sehr unsere Vernetztheit mit der Welt auch dazu beitragen kann, den gesamten Planeten als Einheit zu sehen, für die Schönheit des/der Einzelnen ist es ein herber Rückschlag: Reichte es früher, eine Dorfschönheit zu sein, also im eigenen Umkreis als schön zu gelten, so ist heute die Konkurrenz viel größer.

Wir messen unser Hinterteil mit dem eines Latino-Stars, unsere Lippen mit denen einer anderen Schauspielerin und wundern uns, dass wir dagegen alt aussehen. Doch selbst diese Schönheiten sollten besser tiefstapeln und stets im Interview einen Körperteil parat haben, mit dem sie nicht so zufrieden sind. Spannend, dass wir versuchen, die Welt durch die Globalisierung als Einheit wahrzunehmen, und es uns noch nicht mal bei unserem eigenen Körper gelingt…

Und was hat das eigentlich mit Nachhaltigkeit zu tun?

Viele der Pflegeprodukte enthalten Chemikalien und Duftstoffe, die nicht so ohne sind: also nicht ohne den Verdacht, Allergie oder sogar Krebs auszulösen. Und weiterhin ist es so, dass die neuen Pflegeprodukte sehr oft immer noch im Tierversuch auf ihre Verträglichkeit getestet werden. Die Verpackungen bestehen oft aus Kunststoff, manchmal aus Glas  und sind nahezu immer Einweg (warum eigentlich?).

Ein guter Schritt ist hier, auf Naturkosmetik umzusteigen und auf tierversuchsfreie Produkte zu achten. Ein besserer Schritt ist, die Anzahl der Produkte zu hinterfragen und vielleicht das eine oder andere ganz wegzulassen – beginnend mit dem abwertenden Modemagazin.

„Wahre Schönheit kommt von innen“ wird ja oft als Sinnspruch verwendet, um jene zu trösten, die eben dann doch nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprechen. Doch wenn wir mit uns selbst im Reinen sind, dann strahlen wir das auch nach außen aus. Dazu kann ein schöner Gedanke beitragen oder ein Gespräch mit einem Vertrauten. Oder ein ernstgemeintes Kompliment. Oder das Lächeln einer Fremden. Und wenn du keines bekommst, dann verschenke eines, denn ein Lächeln macht uns wirklich schön. Auch dich!

Über Vera Besse
Vera Besse ist Vorstand von SOL – Menschen für Solidarität, Ökologie und Lebensstil. Das 21. Jahrhundert erfordert einen neuen Lebensstil – einen Lebensstil, der Solidarität und Ökologie ernst nimmt. Denn auch die Benachteiligten bei uns und in anderen Ländern und die Menschen künftiger Generationen haben ein Anrecht auf ein erfülltes Leben in einer intakten Umwelt.
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  • Ja, die Schönheit hat einen zu hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft. Ich persönlich finde die Models gar nicht schön und wundere mich, warum viele so ausschauen wollen.

    Weiters wundere ich mich darüber, wieso Dermatologen und Verbraucherschützer bei den Käufern der unnötigen Produkte kein Gehör finden. In Tests zeigen die Cremes (z. B. gegen Altersflecken) oft keine Wirkung. Gekauft werden sie trotzdem. Warum?

    Die nachbearbeiteten Fotos in diversen Zeitschriften sind für mich nur langweilig, da sie mit der Wirklichkeit nichts zu tun haben. Warum müssen
    alle Fotos retuschiert werden?

  • Meine Name ist Birgit Fiechtl, ich bin Dipl.Ernährungstrainerin, Klangmassagepraktikerin und Verkaufsberaterin der Grünen Erde, bin natürlich schon auf Nachchaltigkeit getrimmt und geschult und lebe natürlich aus vollster Überzeugung damit, auch erfreue ich meine Familie damit.Bei mir stehen natürlich viele Wässerchen im Bad, da ich bei der Grünen Erde arbeite, die nur Naturkosmetik erzeugt und zertifiziert und geprüft ist.Ich weiß nicht, ob man dadurch schöner wird, ich weiß nur,es ist ein wunderbares Wohlgefühl sich mit den Essenzen der Natur zu verwöhnen.Fragt sich nur (schöner für wen) Probiert einmal das Basenfasten, läßt eure Haut erstrahlen, die Vitalität und das allgemeine Lebensgefühl wird verbessert.Nachhaltige Grüße vom Vitalstudiobirgit in Seeboden.

  • Peter Dünn

    Liebe Vera, nachdem ich Dich mal bei einem Kongress ‚ordentlich einwerfen‘ gesehen habe, glaube ich nicht, dass Du die Richtige bist ‚immer dünner‘ mit ‚immer unnatürlicher‘ in Verbindung zu bringen …
    Wirklich unnatürlich und sozialökologisch peinlich verhalten sich m.E. primär die Wohlstands- Fresssäcke (damit mein ich natürlich nicht Dich!)