Von der Berufung zur Aufgabe – Teil 1

Heu

Der biologische Landbau ist aus der Idylle herausgewachsen und hat sich methodologisch an die konventionelle Landwirtschaft angenähert!

Am 28. Februar wurde ich eingeladen, in Paris im Zuge der „Agence Bio – International Seminar on organic farming“, einen Vortrag über biologische Landwirtschaft zu halten.

Seit 1967 bin ich der biologischen Landwirtschaft verbunden. Die biologische Landwirtschaft war für mich immer der Weg, eine Verheißung, die Versöhnung von Natur und Mensch. Wir sind Teil einer tief sinnlichen Welt in der alles lebendig aufeinander bezogen ist. Es muss uns bewusst sein, dass wir in ein komplexes natürliches System verwurzelt sind.

Wird diese Gewissheit zur Lebensmaxime, ist die Partizipation unser Weg in die Zukunft und wird zur Grundlage unserer Handlungen.

Im Gegensatz dazu steht ein Weltbild, in der die Natur beherrscht, ausgebeutet und ökologisch zerstört wird. Es steht im Gegensatz zu einem Weltbild der mechanischen Kausalität, die eine beeinträchtigte Wirklichkeitserfassung ist! Die zur Zerstörung unserer lebenserhaltenden Ressourcen führt.

Wie das vor sich geht, erkennen wir, beim Betrachten der Auswirkungen der hochsubventionierten, konventionellen Landwirtschaft. Für die Produktion konventioneller Lebensmittel braucht es:

  • Pestizide
  • Diverse Medikalzusätze: z.B.: Leistungssteigerer, als Notwendigkeit um die heutige Produktion überhaupt noch aufrecht zu erhalten.
  • Diverse Dünger
  • Ausländische Futtermittel und Proteinzufuhr

Die konventionelle Urproduktion von Lebensmitteln hat sich zu einer relativ flächenunabhängigen intensiven Wirtschaftsweise entwickelt. Für dieses Konzept des arbeitsteiligen Wirtschaftens, lassen wir im Norden Argentiniens, in Brasilien und Paraguay systematisch die Umwelt zerstören.

Wir lassen die Menschen ausbeuten, wir vernichten ganze Ethnien, fördern die zunehmende Versklavung der Landarbeiter für Proteine, um in Europa der hochsubventionierten Landwirtschaft billiges Fleisch zu produzieren und maßlose Milchleistungen zu erzielen.

Erreichen wir so wenigstens Versorgungssicherheit von Lebensmitteln für die Bevölkerung in Europa?

Nein, wir schaffen nur ein labiles und instabiles System.

Die heutige konventionelle Landwirtschaft ist ohne Zukunft. Sie ist hochgradig abhängig von der Petroindustrie, den Proteinen aus Südamerika, der globalen Futtermittelproduktion, illegaler Arbeitskräfte und unseren Steuermilliarden.

Es ist eine Landwirtschaft, die grundsätzlich ihre eigene Lebensgrundlage zerstört. Sie ist der Hauptemittent des CO2. Wird der Sojaanbau dazugerechnet, der Transport und die Lebensmittelerzeugung, werden es ca. 1/3 der weltweiten CO2-Belastung, die aus dieser Produktionsart stammen.

Die Landwirtschaft ist der Hauptverursacher und zugleich der Hauptbetroffene des Klimawandels, der Hauptzerstörer unser aller Lebensgrundlage, der Biodiversität, der wichtigste Verschwender des Wassers, unser nächstes Problem.

Quelle: Dreamstime ©Robinjr

Quelle: Dreamstime ©Robinjr

Durch den Raubbau dieser Landwirtschaft werden die Böden abgewirtschaftet, das führt zu Erodierung und Humusverfrachtung. EU-weit sind 115 Millionen Hektar durch Wassererosionen (landet als Sediment in den Meeren) und 42 Millionen Hektar durch Winderosion (Bakterien mineralisieren den Staub in der Luft zu Kohlenstoff, wodurch CO2 entsteht) gefährdet. Durch die Bodenerosion nehmen die Produktivität und die Nährstoffdichte der Böden drastisch ab.

Ohne den Einsatz von Pestiziden, Antibiotika, Mineraldünger etc. ist diese Landwirtschaft nicht aufrechterhaltbar. Das führt zur Belastung des Grundwassers und zur Gesundheitsbeeinträchtigung bzw. Gesundheitsschäden der Bevölkerung.

Langzeitfolgen der Pestizide sind die enorme Zunahme von

  • Asthma,
  • Allergien,
  • Autoimmunerkrankungen und
  • PARKINSON.

Studien weisen darauf hin, dass vor allem Kombinationspestizide die Schuld haben. Nun wurde bekannt, dass die Pestizide sogar bereits auf die Hirne von Ungeborenen schädlich wirken. 80% der getesteten Deutschen zwischen 18 und 65 hatten das Pestizid Glyphosat im Urin, welches Monsanto auf der ganzen Welt unter dem Namen Round-up vertreibt.

Wir finanzieren ein landwirtschaftliches System, das Menschen ausbeutet, die Natur verwüstet, die Tiere als Produktionsgegenstand benützt.

In weiterer Folge wird uns diese Art der Landwirtschaft bereits in den nächsten 20 bis 30 Jahren nicht mehr ernähren können. Es wird auch bei uns zu massiven Lebensmittelversorgungsproblemen kommen, denn unser landwirtschaftliches System ist auf Ausbeutung und Vernichtung der für sie notwendigen Ressourcen aufgebaut. Die Massenproduktion hat uns in der Vergangenheit Wohlstandswachstum gebracht und führt uns nun zunehmend in die Verelendung.

Wie erreichen wir Ernährungssouverenität für die Welt? Ist der Weg die biologische Landwirtschaft?

Mehr dazu im nächsten Beitrag!

Über Werner Lampert
Werner Lampert (geboren 1946 in Vorarlberg/Österreich) zählt zu den Wegbereitern im Bereich nachhaltiger Produkte und deren Entwicklung in Europa. Der Biopionier beschäftigt sich seit den 1970er-Jahren intensiv mit biologischem Anbau. Mit Zurück zum Ursprung (Hofer) und Ja! Natürlich entwickelte er zwei der erfolgreichsten Bio-Marken im deutschen Sprachraum.
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