Gesunder Lebensstil = Klimaschutz

Spareribs

Das zweite Stück Zwiebelrostbraten verschlingen, ohne Reue – geht das überhaupt? Wie spannt man den Bogen zwischen Klimaschutz, Verantwortungsbewusstsein und Genuss?

Mittlerweile haben wir uns schon daran gewöhnt: Fleisch ist ein äußert heikles Produkt. Von den ursprünglich angeprangerten Haltungsbedingungen, bis hin zu der Tatsache, dass rund zwei Fünftel der weltweiten Getreideernte nicht in den Mägen hungernder Menschen, sondern in jenen von Tieren landet, soll Viehhaltung nun auch noch für den Klimawandel verantwortlich sein. Glaubt man den Daten der Welternährungsorganisation FAO, so fallen rund 18 Prozent der von Menschen ausgestoßenen Treibhausgase, auf die Viehwirtschaft. Würde man die weiteren Wege der Verarbeitungsmaschinerie addieren, ergäbe das mehr Emissionen, als alle Autos, Schiffe und Flugzeuge erzeugen.

Angesichts dieser Zahlen muss man sich wohl die Frage stellen, ob wir Fleisch wirklich noch ohne Reue essen können und was getan werden muss, damit unsere Fleischeslust den Schaden nicht noch weiter forciert?

Derzeit muss unser Planet 6,7 Milliarden Menschen ernähren. Hinzu kommen noch etwa vier Milliarden Nutztiere. Und diese ermöglichen ein Milliardengeschäft: Zucht, Mast und Schlachtung sind industriell organisiert – die Massentierhaltung erzeugt bei ständigem Wachstum einen Jahresumsatz von 140 Milliarden Dollar. Bevor aus einem Bullen, Wurst, Steak oder Faschiertes wird, verschlingt dieser bis zu sechs Tonnen Futter. Die Schlachtreife ist danach erreicht. Der Bulle wohl genährt und im Schnitt, eineinhalb Jahre alt.

Durch Überdüngung werden vielerorts tausende Liter Grundwasser vergiftet. Fast jeder zehnte Liter Süßwasser, den wir Menschen verbrauchen, landet ohnedies in der Viehhaltung. 30 Prozent der globalen Landfläche fällt auf das Konto der Viehzucht, neun von zehn seit 1970 gerodeten Hektar des Regenwaldes am Amazonas, wichen Weideland. Aber es geht noch schlimmer: während der Fleischkonsum in der westlichen Welt konstant zu bleiben scheint, holen China und Indien ihren „Rückstand“ erst jetzt auf. Schätzungen der FAO zufolge, soll der globale Fleischverbrauch somit bis 2050 um das Doppelte ansteigen. Wer schlussendlich diese Rechnung begleichen wird, steht außer Frage.

Zudem landen gerade mal 55 Prozent des Lebendgewichts eines Rindes für den menschlichen Verzehr im Handel, bei schweren Bullen können es 60, bei Schweinen zumindest bis zu 80 Prozent werden. Zumal die vollständige Verwertung eines Tieres, auch eine ethische Frage darstellt. Viel Fleisch bleibt an Knochen oder an der Wirbelsäule hängen, das nur mit einem Seperatro und unter hohem Druck gelöst werden kann. So gewonnes Fleisch unterliegt wiederum einer Kennzeichnungspflicht und ist somit schwer verkäuflich.

Womit sich wieder die Frage aufdrängt: Welcher Fleischkonsum ist noch vertretbar?

Der Umwelt und den Tieren zu Liebe, wäre ein gänzlicher Verzicht wohl das Beste. Für die breite Masse allerdings, undenkbar: Foodwatch rät beispielsweise, Fleisch und Milch aus ökologischer Landwirtschaft zu konsumieren: Bei der Biofleischproduktion fallen rund 60 WeidewirtschaftProzent mehr Treibhausgase an, da die Tiere länger leben, als bei der herkömmlichen Ochsen- oder Bullenmast. Nehmen die Tiere ausschließlich heimisches Gras zu sich, stehen also auf der Weide, sieht die CO2 Bilanz jedoch besser aus als bei konventionellen. Werden Proteine zugefüttert, kippt die Bilanz wiederum.

Was können wir also tun?

SpezialsalatDen bisherigen Jahresbedarf an Fleisch um mehr als die Hälfte reduzieren, auf ein Drittel der Milchprodukte sowie auf jedes zweite Ei verzichten. Mit gutem Gewissen, aber maßvoll und hochwertige Qualitätsprodukte genießen lautet die Devise.

Was übrigens auch für jeden einzelnen Bürger gesünder wäre!

Über Sylvia Gerstl
Ich wurde 1988 in Wien geboren, begann nach der Matura 2006 mit einem Publizistik und Kommunikationswissenschafts-Studium an der Universität Wien. Derzeit bin ich mit meiner Diplomarbeit über Nachhaltigkeitskommunikation beschäftigt. Während meines Studiums habe ich als freie Mitarbeiterin bei LIVE – das Starmagazin der Kronen Zeitung gearbeitet.
Dieser Beitrag wurde unter Junge Stimmen, Nachhaltiger Lebensstil, Natur- und Umweltschutz abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.