Ökostrom zum Diskontpreis

Windpark Breitenlee © Mario Sedlak

Gerade unsere Energieversorgung ist wegen der Nutzung endlicher Energiequellen noch sehr weit von Nachhaltigkeit entfernt. Daher sollte sich jeder bewusste Konsument Gedanken darüber machen, wo sein Strom herkommt. Aber das ist gar nicht so einfach …

Zunächst für die, die es noch nicht wissen: Ökostrom ist Strom, der aus Wasser, Wind, Biomasse, Erdwärme oder Sonnenlicht erzeugt wurde. Er ist umweltfreundlicher als konventionell hergestellter Strom aus Kohle, Gas, Öl oder Uran.

Hackschnitzel © Mario SedlakÖkostrom kann man in Österreich bereits seit dem Jahr 1999 kaufen. Allerdings verlangten die Anbieter am Anfang mehrere Cent pro Kilowattstunde mehr als die Lieferanten von herkömmlichem Strom. Bei einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden läppern sich auch Centbeträge zusammen. Kaum jemand wollte den teureren Strom haben. In 5 Jahren hatte beispielsweise die Firma Oekostrom nicht mehr Kunden gewonnen als mit ihrer erfolgreichen Aktion heuer bei Hofer, wo sie Ökostrom zum Kampfpreis anbot. Greenpeace-Österreich-Chef Alexander Egitt freute sich über diese und hofft auf Nachahmer.

Aber kann das zusammenpassen: Die Umwelt schonen und dabei auch noch Geld sparen?

Scheinbar kommt es nur darauf an, dass auf der Stromrechnung bei den Umweltauswirkungen „0 Gramm Kohlendioxid“ und „0 Gramm radioaktiver Abfall“ steht. Weniger als 0 ist ja nicht möglich. Aber der Schein trügt!

1. In Europa wird bereits so viel Strom aus erneuerbarer Energie hergestellt, dass rein rechnerisch alle Haushalte damit versorgt werden könnten. Selbst wenn alle Haushalte so einen sauberen Strom kaufen, ändert sich daher nicht unbedingt etwas, denn gedanklich verbrauchen dann Industrie und alle restlichen Kunden den übrigen „schmutzigen“ Strom. Ein Blick in den aktuellen Stromkennzeichnungsbericht zeigt, dass die Stromanbieter von der Möglichkeit zur Umetikettierung rege Gebrauch machen: 17,24% des hierzulande verbrauchten Stroms kommt, rein rechtlich gesehen, aus dem fernen Norwegen. Bei der Wien Energie sind es sogar 29,64%, bei der BEWAG 54,27%, bei der Salzburg AG 59,87% und bei manchen kleinen Anbietern kommt der Strom auch nicht etwa aus der Region sondern bis zu 90% aus Norwegen.

Solarzellen © Mario Sedlak

2. Der Bau von umweltfreundlichen Kraftwerken wird bereits durch Förderungen aus öffentlichen Mitteln oder über einen Zuschlag auf unserer Stromrechnung bezahlt. Eine zusätzliche „Spende“ von Ökostrom-Kunden wird also eigentlich gar nicht benötigt, damit neue, umweltfreundliche Kraftwerke entstehen. Die meisten solchen werden nicht von Ökostrom-Anbietern sondern von Investoren errichtet. Mit ein paar Cent von Ökostrom-Kunden kann man eben nicht viel machen … Hingegen ist zum Beispiel ein Bio-Bauer voll von seinen Kunden abhängig: Nur wenn wir Bio-Karotten kaufen, werden sie auch produziert, denn für die Bauern gibt es leider keine gewinnbringenden Fördertarife für die von ihnen nach den Richtlinien der biologischen Landwirtschaft produzierten Nahrungsmittel, so wie sie Betreiber von Ökostrom-Kraftwerken bekommen.

3. Strom hat in Wirklichkeit „kein Mascherl“: Wir hängen alle am selben Stromnetz. Durch einen Wechsel des Stromanbieters ändert sich nicht das Geringste an der physikalischen Qualität des gelieferten Stroms. Was sich bestenfalls ändert, sind die Kraftwerke, für die wir bezahlen. Aber da auch Geld kein Mascherl hat, kann das Geld auf Umwegen durchaus doch wieder dort ankommen, wo wir es abziehen wollten. Das spricht zum Beispiel gegen Ökostrom-Anbieter, die von einer Muttergesellschaft nur zu dem Zweck gegründet wurden, ohnehin vorhandenen Ökostrom gegen Aufpreis an zahlungswillige Kunden zu verkaufen.

Was einen wirklich empfehlenswerten Ökostrom-Anbieter ausmacht, ist eine Frage, an der sich überraschenderweise sogar Experten die Zähne ausbeißen. Das deutsche Umweltbundesamt kapitulierte beim Versuch, entsprechende Richtlinien auszuarbeiten. In Österreich gibt es zwar das Umweltzeichen, aber ich bin von dessen Kriterien weniger überzeugt. Da der Kauf von Ökostrom eine Art Spende ist, wähle ich meinen Ökostrom-Anbieter wie eine Spendenorganisation, die ich unterstütze, aus. Dazu schaue ich mir alles an, was die Firma macht. Meine Wahl fiel auf die Firma Oekostrom, weil sie nicht nur ein ökologisch einwandfreies Produkt liefert sondern sich auch sonst in vielerlei Hinsicht für die Umwelt einsetzt: durch Forschungsprojekte, Kampagnen, Online-Rechnung, Energiesparberatung usw. bis hin zu einem Gratis-Shuttlebus, damit jeder öffentlich zum neu errichteten Windpark kommen kann.

Der Ökostrom kostet mich nur ein paar Euro pro Monat mehr. Ich nenne das „ein Trinkgeld für die Umwelt„. Nicht zuletzt sollen so die Politiker sehen, dass ich wirklich Ökostrom haben will, denn ich bin sogar bereit, mehr dafür zu zahlen.

Das billigste Ökostrom-Angebot wird hingegen eher nur eine gedankliche Umverteilung von ohnehin vorhandenen Strommengen sein und nicht viel bewirken. Es ist nicht einmal sicher, dass der Anbieter Gewinne macht (die er dann hoffentlich in nachhaltige Projekte investiert), denn die großen Spannen gibt es nur in der Stromerzeugung, nicht im Vertrieb.Nur mit dem Aufpreis auf den Marktpreis kann man auf dem riesigen Strommarkt wirklich etwas verändern. Das, was sich rechnet, geschieht sowieso.

Am Ende ist der umweltbewusste Stromkauf aber gar nicht so schwer: Von Umweltorganisationen werden in Österreich derzeit nur zwei Ökostrom-Anbieter empfohlen. Einfach einen Tarif von denen aussuchen! Der Wechsel selbst ist dann ein Kinderspiel und ohne jedes Risiko.

Über Mario Sedlak
1975 in Wien geboren, 2000 Abschluss des Studiums der Technischen Mathematik an der TU Wien, seit 2008 Fachexperte in der Stromwirtschaft
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