Kleine, freche, schlaue EU! Pestizidverbot zum Schutz der Bienen

Acker-Witwenblume und Biene

Schon Albert Einstein, wenn er es denn wirklich gesagt hat, hat erkannt: „Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.“

Jahrzehnte später versteht dies nun auch die EU und plant endlich ein Verbot für Pflanzenschutzmittel, die das Überleben von Bienenvölkern bedrohen.

Anlass liefern der weltweit beobachtete Rückgang von Bienenpopulationen und die Beweise, dass Neonikotinoide (Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam) wesentlich daran beteiligt sind. Diese Wirkstoffe werden zur Behandlung von Saatgut eingesetzt um einen Schädlingsbefall zu verhindern, finden aber auch in der Landwirtschaft, im Haus- und Gartenbereich, im öffentlichen Grün, etc. Verwendung (z. B. als Pflanzenschutzmittel, als Biozid, etc.).

Durch Neonikotinoide wird der Orientierungssinn der Bienen gestört. Wenn sie sich etwas weiter vom Stock entfernen, finden sie nicht mehr zurück. Das Risiko, bei einem Ausflug zu sterben, ist dadurch für vergiftete Bienen zwei- bis dreimal so hoch wie bei den gesunden.

Eine Studie der Uni Stirling, kam zum Ergebnis, dass belastete Hummelkolonien im Durchschnitt acht bis zwölf Prozent kleiner waren als die Kontrollgruppe. Außerdem brachten die mit Pestiziden behandelten Hummeln etwa 85 Prozent weniger Königinnen hervor, was in nächster Generation einen dramatischen Rückgang bei der Anzahl der Nester bedeutet.

Im Zuge des „Überwachungsprogramm zur Überprüfung der tatsächlichen Exposition von Honigbienen gegenüber Clothianidin, Thiamethoxam, Fipronil und Imidacloprid in von Bienen für die Futtersuche oder von Imkern genutzten Gebieten“ der AGES wurden Rückstandsuntersuchungen an Bienen und Bienenbrot durchgeführt, und für einen Teil der gemeldeten Vergiftungsverdachtsfälle konnte eine Exposition der Bienen für die in der EU-RL 2010/21/EU genannten Wirkstoffe Clothianidin, Thiamethoxam, Fipronil und Imidacloprid bestätigt werden.

Tagpfauenauge MalveKlar ist, dass nicht nur die ordinäre Honigbiene von den Pestiziden betroffen ist, sondern auch Wildbienen und andere bestäubende Insekten wie Schmetterlinge, Hummeln und Käfer. Kürzlich erschienene Studien im Wissenschaftsmagazin Science zeigen auf, dass Wildbienen und andere bestäubende Insekten weitaus wichtiger sind, als bisher vermutet. Wildbienen bestäuben besser als Honigbienen, da sie effizienter seien. Offensichtlich transportieren Wildbienen keine größeren Mengen an Pollen, aber dafür qualitativ hochwertigeren. „Dies ist ein schöner Beleg dafür, dass man Artenvielfalt benötigt, um die Nahrungssicherheit der Weltbevölkerung zu gewährleisten“, sagt Dr. Steffan-Dewenter, Professor der Tierökologie auf der Uni Würzburg.

Apropos Artenvielfalt: Jeder kennt wohl aus dem Fernsehen, die wundersamen riesengroßen Schwärme an Schmetterlingen, die flatternd in orangen Wolken die Baumstämme bedecken. Der Monarchfalter überwintert zu Millionen in Mexiko. Dort kam es jedoch in den letzten Jahren zu starken Verlusten, da der Lebensraum durch Abholzung bedroht war.

Die böse Abholzung der Wälder in den südlichen Ländern, könnte man sagen.

Aber: Warum kamen dieses Jahr um 60% weniger Falter aus den USA nach Mexiko? Dafür trägt die Abholzung in Mexiko definitiv keine Verantwortung. Die Pestizide sind schuld und laut Studien vor allem das so beliebte Glyphosat, auch bekannt als Roundup von Monsanto (bei uns ebenso im Einsatz und im Geschäft erhältlich). Mehr darüber in meinem vorletzten Beitrag über 30 Jahre Monsanto.

Pestizide schaden Insekten, das ist eine Tatsache. Somit muss Bienenschutz und ein Pestizidverbot ernstgenommen werden.

Online gibt es diverse Petitionen um das Vorhaben der EU zu unterstützen und sich gegen die Macht der Chemiekonzerne zu behaupten:

Hummel © Isabell Riedl

Online Petition unterschreiben bei OpenPetition

Online Petition unterschreiben bei Avaaz

 

 

Ob die EU-Kommission tatsächlich ihr Vorhaben durchsetzen wird, bleibt noch offen. Die Nutzung von drei Neonikotinoiden (Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam) für den Anbau von Mais, Sonnenblumen, Raps und Baumwolle soll verboten werden. Mit den Chemikalien vorbehandelte Samen dieser Pflanzen sollen weder verkauft noch ausgesät werden. Ausnahmen soll es für Pflanzen geben, die für Bienen nicht interessant sind (Wintergetreide).

Durch das Verbot dieser Chemiebomben haben die Bauern auch die Möglichkeit sich um alternative Anbaumethoden zu kümmern. Der Effekt wäre auch eine Unabhängigkeit der Bauern von Chemiekonzernen wie Monsanto, Syngenta etc. und ein Ende der Monokulturen, denn vor allem diese benötigen die teuren Chemikalien. Wie schön daran zu denken, dass Bienen dann wieder auf ehemals Maismonokulturen in wunderschönen Feldern gemeinsam mit Faltern, Schmetterlingen und anderer Vielfalt für unsere Ernährung sorgen.

Gemeinsam erreichen wir, dass das Verbot tatsächlich mit 1. Juli in Kraft tritt.

Weiterführende Links:

Online Petition unterschreiben bei Avaaz

http://science.orf.at/stories/1713544/

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/bienenschutz-pestizidverbot-freut-imker-und-aergert-bauern-und-agrarindustrie-12119460.html

 

Über Isabell Riedl
Die Natur hat mich schon als kleines Kind fasziniert. Spätestens als ich aufgrund der Schönheit eines Tieres zu Tränen gerührt war, wusste ich, dass es meine Aufgabe ist, diese Welt und ihre Schönheit zu bewahren. Im Zuge meines Ökologiestudiums lebte ich 2 Jahre in Costa Rica, wo ich dessen Vogelwelt erforschte. Seit Mai 2012 arbeite ich nun bei der Werner Lampert Beratungs GmbH im Bereich der Nachhaltigkeit und verwalte unter anderem diesen Blog. Seit 2016 versuche ich diese Welt für mein Kind Ruben noch mehr zu schützen.
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  • Wildbienen können Honigbienen bei weitem nicht das Wasser reichen – durch die geringe Population, Wildbienen sind Solitärbienen – also nur sehr wenige…und können somit die erforderliche Massenbestäubung nicht schaffen !!!

    • Ja, und warum ist die Population der Wildbienen so gering? Wohl, weil ihnen immer mehr der Lebensraum gestohlen wird. Außerdem braucht es nicht nur eine Art von bestäubenden Insekten, sondern die von Gott geschaffene Vielfalt, die eine Vielfalt von Pflanzen zur Verfügung haben sollte, wenn diese nicht von Monsanto & Co. vernichtet würde … Zur Information sollten sich möglichst viele von euch den Film „More than honey“ ansehen. Dann würdet ihr alle begreifen, dass es bezüglich der Bienen bereits „5 nach 12“ ist.

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