Wie viel nackte Haut verträgt das Finanzsystem?

Die Frage nach konkreten Inhalten und damit der Transparenz von Konsumgütern beschäftigt momentan nicht nur die Lebensmittelbranche, sondern auch das globale Finanzsystem. Technische und gesellschaftliche Innovationen sowie eine sich verändernde Finanzkultur, führen in regelmäßigen Abständen dazu, dass Finanzinstitutionen nach und nach ihre Hüllen fallen lassen – nicht immer freiwillig.

Eine Münchner Online-Bank, ein Wiener Start-Up und zwei Kölner Doktoranten verbindet eine Gemeinsamkeit: sie sorgen für neue Maßstäbe in der Transparenz von Finanzgeschäften und Kundenbeziehungen. Was vor wenigen Jahren noch undenkbar schien, etabliert sich zunehmend als gelebte Best-Practice. Die Rede ist von Finanzinnovationen, die sowohl Geschäftsmodelle, Veranlagungsstrategien, Provisionen,  Gebühren und nicht zuletzt die Gesamtstimmungslage von Finanzwerten permanent in die Öffentlichkeit transportieren. Dabei bleiben nicht mehr viele Geheimnisse im Verborgenen. Was bedeutet diese neue Transparenz nun für die sogenannte Old Economy?

Angesichts der hohen Dynamik, die von globalen Finanzinnovationen ausgeht, fällt es nicht leicht eine hinreichende Einschätzung auf die Auswirkung traditioneller Finanzdienstleister vorzunehmen. Tatsache ist jedoch, dass ein Großteil an Neuerungen dem breiten Konsumentenkreis noch nicht einmal ansatzweise bekannt ist. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe: Zum einen sind viele Innovationen (z.B. Mirror- & Sentiment Trading, Community-Banking) auf Grund der hohen technischen Affinität, nur für eine sehr eingeschränkte Zielgruppe auch tatsächlich greifbar. Zum anderen führen niedrige Marketing-Etats vieler Innovatoren dazu, dass diese von Branchengiganten in regelmäßigen Abständen schlichtweg überstimmt werden. Dies mag auch der Grund dafür sein, dass ein höherer Grad an Transparenz gegenwärtig von Bankkunden auch nicht ausdrücklich eingefordert wird. Bleibt damit alles beim Alten?

Transparenz Finanzsystem – Neue Transparenz dank Online-Community

Es scheint ein wenig wie die Ruhe vor dem Sturm. Kaum sind die gröbsten Berichterstattungen über die Finanzmarktkrise abgerissen, scheinen sich die Wogen rasch wieder zu glätten und Forderungen nach mehr Gerechtigkeit und Transparenz wie vergessen. Doch diese Ruhe könnte sich allzu rasch als trügerisch herausstellen. Bereits jetzt lassen sich viele Indikatoren ausmachen, die auf eine breitenwirksame Etablierung von Finanzinnovationen und damit einhergehend einem höheren Grad an Transparenz hinweisen. In vielen westlichen Ländern hat sich mittlerweile eine ausgeprägte „Digital Financial Community“ herausgebildet, die dem traditionellen Banking nichts mehr abgewinnen kann und klassischer Zielgruppenansprache mehr als kritisch gegenübersteht. User fordern einen aktiven, authentischen und erlebnisorientierten Austausch von Finanzdienstleistern ein. Erwartungsbrüche führen rasch zu digitalen Protesten und Gegenbewegungen. Neu entstehende Trends, die „Finance 2.0 Anwendungen“ noch effizienter machen, werden hingegen begrüßt und rasch viral kommuniziert. Es bleibt damit letztendlich eine Frage der Zeit, wann Finanzinnovationen zu einem Umbruch in der Beziehung Finanzsystem-Mensch führen werden.

Für weitere Informationen zu diesen Themen können Sie gerne mit mir in Kontakt treten: sebastian.naderer@gaisberg.eu

 

Weiterführende Links:

Nachhaltigkeitsbanken fordern Transformation des Finanzsystems

Community-Banking

Mirror-Trading

Sentiment-Trading

Über Sebastian Naderer
Sebastian Naderer ist Co-Initiator von financeNEXT und begleitet nationale wie internationale Unternehmen und Organisationen im strategischen Umgang mit Schlüsseltrends (z.B. Crowdfinance, E-Payment) der Veränderung. Naderer studierte in Österreich, Deutschland und den USA und hat neben seinem Studium der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften an der Johannes Kepler Universität die Berufsausbildung zum diplomierten Börsenhändler sowie zum EUREX-Clearer an den Börsen Wien, Frankfurt und Zürich absolviert. Er hält einen Master in Public-Relations und integrierter Kommunikation sowie einen MBA in Communication & Leadership.
Dieser Beitrag wurde unter GlobalAktuell, Ökonomie abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.