Wie viel Gehalt darf’s sein?

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Es kommt schon einem Paradigmenwechsel gleich, wenn plötzlich Top-Manager bei Banken angehalten werden, ihr Streben plötzlich an langfristig orientierten Zielen auszurichten. Keine Boni ohne Nachhaltigkeit ist dabei das Credo des stattfindenden Kulturwandels. Die Deutsche Bank setzt dabei noch einen drauf und koppelt die Manager-Boni zukünftig an die Reputation des Institutes. Ist unser Finanzsystem damit gerettet?

Es war schon ein mächtiges PR-Feuerwerk, das die Deutsche Bank vergangene Woche veranstaltete. Kurz bevor die EU offiziell eine Beschränkung der Banker-Boni verkündete, ließ die Deutsche Bank vorab verlautbaren, Vorstandsgehälter in Zukunft an die Reputation und damit das Ansehen der Bank in der Öffentlichkeit zu koppeln. Nach unzähligen Skandalen wie dem „Robo-Signing“ wohl ein notwendiger wenngleich gewagter Versuch die Bank neu auszurichten. Dabei gibt sich der Branchenriese durchaus Mühe mit sozialen Projekten und gesellschaftlichem Engagement zu punkten. Laut Unternehmenshomepage weist das Institut allein 2012 über 82 Millionen Euro an sozial geförderten Projekten aus. Co-Chef Jürgen Fitschen stellt hierbei gleich zu Beginn fest: „Wer beim Kulturwandel nicht mitmacht, kann gehen“.

 EU will Banker-Boni deckeln

 

Unzählige soziale Förderprojekte, geänderte Entlohnungsmodelle sowie ein verändertes Bewusstsein zum Thema Kundenmanagement können jedoch nicht von relevanten Fakten ablenken, dass das Institut nach wie vor konsequent an der Wurzel des Problems festhält und damit die Folgen des Investmentbankings weiterhin in das Zentrum der Gesellschaft befördert. Sollten sich Börsenhändler und Devisenbroker des Institutes nicht von der „Drohung“ von Co-Chef Fitschen beunruhigen lassen, so droht das Institut in Zeiten von Transparenz und Digitalisierung in das Kreuzfeuer der Sozialen Medien zu geraten.  Globale Missstände der Bank werden damit in atemberaubender Geschwindgeit publik und im Kundenbewusstsein verankert. Eine reduzierte Banker-Boni ist dabei noch das Best-Case Szenario, das dem Branchengiganten dann drohen kann. Betreibt die Deutsche Bank damit Etikettenschwindel?

Die Realität ist natürlich auch in der Bankenwelt nicht auf simple Gegebenheiten oder noch banalere Vorurteile zu reduzieren. Globale Veränderungsprozesse sind vielmehr facettenreich und  weisen gewisse Charakteristika auf, die auch für die stattfindende Finanzrevolution eine generelle Gültigkeit einnehmen. Ein Kultur- und Wertewandel darf in dieser Hinsicht nicht auf einzelne Akteure reduziert werden, sondern muss vielmehr von einer Vielzahl an Unternehmen, Institutionen und Verbänden getragen werden.  Eine radikale und bedingungslose Kehrtwende, wie von vielen gefordert, ist daher nicht wirklich ein realistisches Szenario. Vielmehr gilt es die Summe an interessanten Einzelinitiativen exakt zu verfolgen und kritisch zu reflektieren. Es bleibt somit auch beim jüngsten Vorstoß der Deutschen Bank abzuwarten, welche Auswirkungen die neue strategische Stoßrichtung nach sich ziehen wird und wie stark sich diese tatsächlich auch in der Unternehmenskultur etabliert.

Für weitere Informationen können Sie mich gerne unter sebastian.naderer@gaisberg.eu kontaktieren.

Weiterführende Links:

EU fixiert Limits für künftige Bankerboni

Deutsche Bank

Gehaltssystem der Banken

 

Über Sebastian Naderer
Sebastian Naderer ist Co-Initiator von financeNEXT und begleitet nationale wie internationale Unternehmen und Organisationen im strategischen Umgang mit Schlüsseltrends (z.B. Crowdfinance, E-Payment) der Veränderung. Naderer studierte in Österreich, Deutschland und den USA und hat neben seinem Studium der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften an der Johannes Kepler Universität die Berufsausbildung zum diplomierten Börsenhändler sowie zum EUREX-Clearer an den Börsen Wien, Frankfurt und Zürich absolviert. Er hält einen Master in Public-Relations und integrierter Kommunikation sowie einen MBA in Communication & Leadership.
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