Bio- Kunststoffe sind doch bio, oder?

Anfang April kam ich von einer Reise aus den USA zurück, dem Land der unbegrenzten Möchlichkeiten. Trotz kultureller Ähnlichkeiten ist die nordamerikanische Lebensweise sehr unterschiedlich verglichen mit einem kleinstrukturierten Land wie Österreich.

Abgesehen davon, dass in den USA einfach alles größer ist, die Autos, die Häuser, die Schokoriegel, die Getränke, fiel mir vor allem eines auf: Plastic is everywhere!

Am Morgen beim Frühstückbüffet suchte man vergeblich nach Metall, Keramik oder Papier. Alles, aber wirklich alles war aus Plastik. Sogar der Apfel glänzte so unnatürlich, dass er aus Kunststoff zu sein schien.

Die Frühstückscerealien, die Butter, die Marmelade etc., amerikanische Lebensmittel sind portionsweise in Plastik verpackt. Die Teller, das Besteck, die Becher, selbstverständlich auch die Stühle und Tische waren aus diesem für mich höchst unsympathischen Material- Polyethylen, PVC, Polypropylen und wie sie alle heißen.

Gleichzeitig findet man wohl nirgends so viele Produkte in biologisch abbaubarer („ecofriendly“) Plastikverpackungen wie dort.

Sind diese Bio– Kunststoffe wirklich besser? Was verbirgt sich hinter den Begriffen „biologisch abbaubar“ und „basierend auf nachwachsenden Rohstoffen“?

Seit 20 Jahren gibt es weltweite Bemühungen Plastik nicht aus Erdöl zu erzeugen. Vor diesen Kunststoffen steht dann der kleine und kurze Begriff „bio“, der meiner Ansicht nach verfänglich und irreführend ist.

Der Begriff „bio“, der im Lebensmittelbereich biologische Landwirtschaft bedeutet und positiv behaftet ist, ist nicht geschützt und bedeutet vor dem Wort Kunststoff „biobasiert“ oder „biologisch abbaubar“.

Hinter „biobasiert“ verstecken sich Kunststoffe, die teilweise oder selten vollständig aus nachwachsenden Rohstoffen stammen. Der restliche Bestandteil ist hingegen wieder ein Erzeugnis aus Erdöl.

„Biologisch abbaubar“ sind (laut DIN EN 13432) Stoffe, die nach einer festgeschriebenen Zeit unter definierten Temperatur-, Sauerstoff- und Feuchtebedingungen in der Anwesenheit von Mikroorganismen oder Pilzen zu mehr als 90 Prozent zu Wasser, Kohlendioxid und Biomasse abgebaut werden.

Biologisch abbaubares Plastik muss demnach keineswegs aus nachwachsenden Rohstoffen sein, und darf somit zu 100% aus Erdöl sein. Das Labelling Bioplastik ist daher höchst unzureichend.

Am häufigsten zu finden sind derzeit Folien und Verpackungen aus Mais- und Kartoffelstärke. Ein Großanbieter für diese Stärke ist Cargill, ein amerikanischer Saatgutproduzent, der zu einem Großteil Monsanto gehört. Ergo, bei Verpackungen aus Mais- und Kartoffelstärke kann man nicht garantieren, dass die Stärkeprodukte nicht von gentechnisch veränderten Pflanzen stammen.

Ein Biosackerl aus gentechnisch veränderten Pflanzen.

Ein weit verbreiteter Biokunststoff namens PLA (Polyactid) wird aus Milchsäure hergestellt, das Patent dafür hält der US-amerikanische Konzern DuPont, dem unter anderem auch der größte Saatgutproduzent Pioneer gehört, den mancheiner aus dem österreichischen Dokumentarfilm „We feed the World“ kennt.

Bei diesen Kunststoffen muss man sich die ethische Frage stellen, ob man Lebensmittel als Verpackungsstoff nutzen soll! Hinsichtlich der Tatsache, dass 870 Millionen Menschen unterernährt sind, sind sie sehr kritisch zu betrachten.

Gibt es somit wirklich keine gute Alternative zu Plastik aus Erdöl, welches unsere Weltmeere verschmutzt, Böden verseucht und dessen Weichmacher wie Bisphenol A, uns krank machen?

Es ist wichtig, dass wir die Entwicklungen kritisch betrachten und bewusst verfolgen. Es gibt viele Innovationen, die in die richtige Richtung gehen.

So kann Cellulosefolie zu 100% aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz hergestellt werden, welches nachhaltig gewonnen ethisch unbedenklich ist. Auch Gentechnik ist hier nicht im Spiel.

Biologisch abbaubare Kunststoffe sollten genauso wie herkömmliches Plastik recycelt werden, denn sie werden unter einem hohen Energieaufwand produziert. Sie zu kompostieren, bloß weil es möglich ist, wäre eine Verschwendung.

Noch besser hingegen ist es Plastik überhaupt zu vermeiden. Immer noch greifen viel zu viele Menschen zu dem optionalen Plastiksackerl im Geschäft.

Ein langer Weg zur perfekten Alternativverpackung liegt noch vor uns, die ersten Schritte haben wir aber bereits zurückgelegt!

Über Isabell Riedl
Die Natur hat mich schon als kleines Kind fasziniert. Spätestens als ich aufgrund der Schönheit eines Tieres zu Tränen gerührt war, wusste ich, dass es meine Aufgabe ist, diese Welt und ihre Schönheit zu bewahren. Im Zuge meines Ökologiestudiums lebte ich 2 Jahre in Costa Rica, wo ich dessen Vogelwelt erforschte. Seit Mai 2012 arbeite ich nun bei der Werner Lampert Beratungs GmbH im Bereich der Nachhaltigkeit und verwalte unter anderem diesen Blog. Seit 2016 versuche ich diese Welt für mein Kind Ruben noch mehr zu schützen.
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  • stefan migl

    ich nehme an, die reise nach amerika hat nicht in einem solarflugzeug, einem solarboot oder einem anderen abgasfreien transportmittel stattgefunden. stattdessen wurde wieder luft verschmutzt — dieselbe luft, die auch geatmet wird.

    schändlich an atemluftverschmutzung ist nicht die menge der verschmutzung, sondern der akt an sich

    die bessere welt ist in erster linie nicht zu erreichen durch das schreiben über probleme; sie ist zu erreichen, indem man aufhört, selbst ein problem zu sein. wer reisen will, der tut das mit transportmitteln, welche direkt keine luftverschmutzung erzeugen — idr sind das elektrische transportmittel

  • Wichtiger und richtiger Beitrag! Bioplastik zu kompostieren, bringt gar nichts, da es lediglich zu CO2 und Wasser zerfällt. Und selbst dafür braucht es so viel Zeit, dass es praktisch nirgends wirklich kompostiert sondern aussortiert wird. Bioplastik soll daher *nicht* in die Biotonne geworfen werden!

    Um die Umweltbelastung zu minimieren, ist *jede* unnötige Verpackung und *jedes* unnötige Sackerl zu vermeiden – egal, aus welchem Material! Die Ökobilanzen zeigen keine Vorteile für Bioplastik.

    Quellen auf http://sedl.at/Bioplastik

  • Erika Mayerhuber

    Lieber Herr Lampert, warum wird dann das Bio-Gemüse von Zurück zum Ursprung in Bio-Plastiksackerln verpackt? Wir würden uns offenes Gemüse und Papiersackerln wünschen.