Von der Berufung zur Aufgabe – Teil 2

Werner Lampert

Der biologische Landbau hat inzwischen eine klare gesellschaftspolitische Aufgabe, die Schaffung von Ernährungssouveränität- die wichtigste Herausforderung der Zukunft.

Über die biologische Landwirtschaft schreibend, berichtete ich in meinem letzten Beitrag dass ich Ende Februar nach Paris eingeladen worden war um einen Vortrag über biologische Landwirtschaft zu halten. Eines galt es zu vermitteln – In den nächsten 20 Jahren stellt sich eine große Herausforderung: Die Versorgung von Lebensmitteln und die Ernährungssouveränität Europas sicherzustellen!

Dafür braucht es erst in zweiter Linie eine andere Methode der Landwirtschaft. Zuvörderst, aber benötigt es eine andere Art des

Denkens und Handelns!

Der einzige Weg ist die Nachhaltigkeit! Die Wende im Denken und in der Landwirtschaft benötigt eine Ethik der Verantwortung,wie auch im Manifest zur Neuausrichtung der Landwirtschaft von renommierte österreichischen Agrarwissenschaftlern gefordert wird.

Tatsächliches Einstehen für die Wahl der Mittel sowie für die Folgen und Nebenfolgen von Handlungen. Das heißt, die durch die Landwirtschaft verursachten Katastrophen, nicht einfach der Allgemeinheit überantworten.

Wir müssen ZUKUNFTSFÄHIG HANDELN!

Ein Handeln, das die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt. Ohne zu riskieren, dass unser Tun die Bedürfnisse auf ein lebenswertes Leben künftiger Generationen verunmöglicht. Wir werden den Aufgaben als Gemeinschaft nur dann gewachsen sein, wenn wir zu einer radikal solidarischen Gesellschaft werden, in der Empathie unser Handeln leitet!

Unsere nachhaltige Lösung-> eine transparente, regionale, biologische Landwirtschaft. Biologische Landwirtschaft, wie es die Gründer verstanden haben, nur so werden wir uns künftig ernähren können.

Aber alle Bemühungen zu einer verantwortungsvollen, nachhaltigen Landwirtschaft werden ohne einen Wertewandel scheitern. Nur ein faires, kooperatives und transparentes Handeln öffnet uns eine lebenswerte Zukunft.

Auch aus ökonomischen Gründen benötigen wir den Wertewandel. Die Massenproduktion hat uns in der Vergangenheit Wohlstandswachstum gebracht und führt uns nun zunehmend in die Verelendung.

Das Kapital der Zukunft ist VERTRAUEN!

Der Bauer, Lebensmittelproduzent, muss verstehen, was ich – Konsument – benötige um mich wohl zu fühlen, mich erholen zu können! – eine intakte Erholungslandschaft, – unbelastetes Wasser, giftfreie gesunde Lebensmittel, die meiner Gesundheit förderlich sind und die mir helfen aktiv und zugewandtes Leben zu führen.

Die Zeit der Zerstörung unserer Lebensgrundlage ist vorbei!

Ich will gesunde Lebensmittel und gesunde Lebensmittel können nur von einer in ihrer Haltung gesunden Landwirtschaft, von gesunden Böden, von gesunden Tieren, von einer nachhaltig geführten Landwirtschaft stammen.

Eine offengelegte Arbeit, transparent und für mich, Laien nachvollziehbar schafft  Vertrauen zwischen dir und mir!“

Die goldene Zeit der ernsthaft betriebenen biologischen Landwirtschaft steht uns bevor!

Konsequent betriebene biologische Landwirtschaft bedeutet Kreislaufwirtschaft:

Ausstieg aus dem globalen Modell Betriebsmittel überall auf der Welt zuzukaufen.

1. Keinen Einsatz von Soja

= Tiergesundheit bei Rindern

= Abschied von Leistungswahn

= Folgen für das Weltklima durch Schutz des Regenwaldes

2. Regionale Futtermittel

= radikale Einschränkung des Futtermitteleinkaufes.

3. Betriebseigene Düngemittel

= Mist und Kompostwirtschaft
= kein Knochenmehl aus Uruguay, Federmehl aus China, …
= keine Abfälle aus der konventionellen Industrie wie z.B. Vinasse, Penicillin-Biomassen

Humus4. Humus-Ressourcen

= Aufbau durch Mist und Kompostwirtschaft
= humide Böden binden CO2 und Wasser

5. Extensives Wirtschaften

= Wirtschaften mit betriebseigenen Ressourcen
= fördert die Biodiversität

 

Unsere Bauern wissen alles über Leistungssteigerungsmöglichkeiten, aber fast gar nichts über die Möglichkeiten der Qualitätssteigerung. Unsere Kunden werden den Weg der nachhaltigen Landwirtschaft nur dann mitgehen, wenn sie qualitätsvollere Lebensmittel erhalten. Und es muss zu einem Miteinander von Urproduzenten und Konsumenten kommen.

Der Bauer muss Verständnis haben, dass er hochwertige Lebensmittel produziert und somit für das Wohl und die Gesundheit der Konsumenten mitverantwortlich ist, für die Pflege der Kultur- und Erholungslandschaft. Der Bauer ist gesellschaftlich an seine Region, an die Kultur seiner Region gebunden, in der er lebt. Nur in Verbindung mit der Kultur wird ein Produkt zu etwas BESONDEREM.

Der Konsument muss Verständnis haben, dass er für das Wohl und die wirtschaftliche Existenz der Urproduzenten mitverantwortlich ist, dass der der Bauer für die Pflege der Kultur- und Erholungslandschaft die wichtigste Stütze ist. Der Konsument muss nachvollziehen können, von wem er seine Lebensmittel bezieht.
Es steht immer ein konkreter Mensch dahinter!

Stark regional verankerte Lebensmittelproduktion, die transparent und nachvollziehbar ist, schafft das wichtigste Gut ERNÄHRUNGSSOUVERÄNITÄT. Und diese Ernährungssouveränität wird nur eine gewandelte Bio-Landwirtschaft erbringen!

Wie wir mit den Nächsten der Natur, den Tieren, den Ressourcen umgehen ist eine Entscheidung jedes EINZELNEN.

 

NOCH können wir unsere Art des Handelns wenden! Seien wir uns der Verantwortung in unserem Tun bewusst.

Lasst uns die Leuchttürme für ein anderes Miteinander sein!

Über Werner Lampert
Werner Lampert (geboren 1946 in Vorarlberg/Österreich) zählt zu den Wegbereitern im Bereich nachhaltiger Produkte und deren Entwicklung in Europa. Der Biopionier beschäftigt sich seit den 1970er-Jahren intensiv mit biologischem Anbau. Mit Zurück zum Ursprung (Hofer) und Ja! Natürlich entwickelte er zwei der erfolgreichsten Bio-Marken im deutschen Sprachraum.
Dieser Beitrag wurde unter Landwirtschaft, Pioniere, Werner Lampert, Zukunft abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.