Freiheit für die Vielfalt

Freiheit für die Vielfalt © Doris Steinböck

Der EuGH will gesetzlich verankern, was vom Europäischen Gerichtshof im Juli 2012 entschieden wurde: Landwirte sollen nur noch amtlich zugelassenes Saatgut kaufen dürfen. Bei so einem verpflichtenden Zulassungsverfahren stolpern Kleinbauern flugs über bürokratische Hürden und stoßen durch kostspielige Testverfahren schon bald an ihre finanziellen Grenzen.

Ein wesentliches Entscheidungskriterium bei der Zulassung ist, dass die Pflanzen möglichst „uniform“ sein müssen, was nicht industrialisierte Sorten gar nicht sein können. Gurken mit dem gewünschten maximalen Krümmungsgrad von zehn Millimeter auf zehn Zentimeter – Sie erinnern sich noch? – sind hier nicht machbar. Alten und seltenen Gemüse-, Getreide- oder Obstsorten wird so der Garaus gemacht und der von den Großkonzernen erwünschten Vereinheitlichung sind Tür und Tor geöffnet.Etwa 6.500 alte Sorten gibt es in Österreich, aber nur 10% davon sind im amtlichen Sortenregister erfasst. Bauern und Gärtnern, die selbstvermehrtes Saatgut ohne Zulassung weitergeben drohen nun Verwaltungsstrafen.

Großkonzerne profitieren

Was dann passieren wird ist, dass die gesamte Lebensmittelproduktion in die Hände einiger weniger Monopolisten gerät, die dann entscheiden, wie die Zukunft des landwirtschaftlichen Pflanzenbaus auszusehen hat. Zur Zeit kontrollieren drei Agrochemiekonzerne, nämlich Monsanto, DuPont und Syngenta bereits 53% des weltweiten Saatgutmarktes und entscheiden so was auf unseren Tellern landet.
Laut EuGH soll die neue EU-Saatgutverordnung „schädliches Saatgut verhindern“ und „nur Saatgut für die bestmögliche Produktion“ zum Verkauf zulassen. In Wirklichkeit sieht es aber anders aus, denn die meisten der zugelassenen Sorten sind aufgrund der Geschäftsmodelle der Agrarmultis mit hohem Agrochemieeinsatz verbunden, der Mensch und Umwelt schadet und nachweislich zum Bienensterben beiträgt.

Bunte Vielfalt statt genormter Einfalt

Auch der Tausch von nicht zugelassenem Saatgut soll unter Strafe gestellt werden. Die zu Beginn der öffentlichen medialen Debatte bestürzten Hobbygärtner kann ich jedoch beruhigen: Die neue Saatgutverodnung gilt nur für den professionellen Handel. Es gibt also keine Verhaftung, wenn Sie Ihrer Nachbarin „heiße Ware“ über den Zaun reichen.
Geben Sie der Biodiversität Ihre Stimme, unterzeichnen Sie die Petition von Global 2000 und Arche Noah und fordern Sie die politisch Verantwortlichen auf, sich für die Vielfalt einzusetzen, danke! Auch das Manifest zur Neuausrichtung der Landwirtschaft von renommierte österreichischen Agrarwissenschaftlern setzt sich für die Vielfalt ein.
Der Entwurf zur Neuregelung des EU-Saatgutrechts soll Anfang Mai dem Rat und dem
Europäischen Parlament vorgelegt werden.

Neues zum Vorschlag der Saatgutverordnung von der Europäischen Union.

Über BioBella Stranzl
Mein Name ist Isabella Stranzl und mit www.biokontakte.com betreibe ich eine Website für gesundheits- und umweltbewusste Menschen. Als Mutter von drei Kindern war es mir schon sehr früh wichtig, um die Qualität und Unbedenklichkeit von Nahrungsmitteln, Kleidung oder Kosmetikprodukten und anderen Erzeugnissen des täglichen Lebens Bescheid zu wissen. Sowohl die Wirkung auf den Menschen als auch die Auswirkung von Produktion oder Gebrauch der Produkte auf die Umwelt sind bedeutend. Mit jeder Kaufentscheidung treffen wir eine Wahl. Und wie Gandhi schon sagte: „Be the change you want to see in the world“
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  • Thomas Eitzenberger

    Super Artikel – Das ist ja mal wieder ein absoluter Schwachsinn! Die Großkonzernlobbyisten dürfen so einen Sieg NICHT davontragen. Gott Sei dank regt sich der Unmut schon heftig und mit dem Erfolg bei der Bienenrettung sollte sich mit etwas Rückenwind auch eine Verhinderung dieser Schnappsidee ausgehen.

    • Guest

      Sehr interessant! …hab natürlich gleich die Petition unterschrieben… DAS erfährt man natürlich NICHT aus den Medien. Aber das wundert auch nicht, wenn man doch weiß, dass zur Zeit die großen Medien gar nicht mehr so frei und unabhängig sind, sondern lieber artig das herrschende System hofieren und die interessanten und brennenden Themen leserschonend verschweigen. Als Einzelner bleibt man da ein ahnungsloser, braver Arbeiter und Konsument. Aber zum Glück gibts immer noch engagierte Leute, die den Kampf noch nicht aufgegeben haben – danke BioBella – ich hoffe, hier noch mehr von dir zu lesen! ;0)

      • BioBella Stranzl

        Hallo „Gast“ :) Mit den Medien hast Du leider recht! Klatschmeldungen sind immer gut für Seite 1, aber die wirklich wichtigen Meldungen finden kaum Platz und den Grund dafür kennen wir alle! Danke auch für das positive Feedback! Und ja… ich hoffe, hier noch länger vertreten zu sein ;) Alles Liebe, BioBella

  • Mario Müller

    Guter Artikel Bella, Danke!
    Ich bin für Vielfalt und gegen uniformität!
    Es werden damit wieder einmal mehr die Schranken geöffnet zu mehr Profit den Großkonzernen (denn das Saadgut muß ja zugekauft werden und darf nicht von der letzten Ernte aufbehalten werden) und weniger Einkommen für Kleinbetriebe!
    Raus mit den Lobbyisten aus der Politik und Politik beratende Funktionen!

    • BioBella Stranzl

      Danke Herr Müller für das positive Feedback! Hoffen wir, das noch viele andere Menschen unsere Ansicht teilen und dies auch lautstark kundtun, denn darauf kommt es an! Also nicht nur im stillen Kämmerlein motzen, sondern aktiv degegen etwas tun und immer wieder im Freundes- und Bekanntenkreis weiter erzählen.. :)

  • Hubbauer Renate

    Es kann nicht genug auf die Gefahren hingwiesen werden !
    Es betrifft unsere Kinder und Enkel.
    Eine Oma

  • Karli

    Ist ja wieder einmal typisch, dass die einzigen Profiteure die Großkonzerne sind und unsere Politiker nicht in der Lage sind sich dem Druck der Agrarlobby zu entziehen. Nichts als Marionetten tanzen im Parlament und statt für das Wohl der Bürger Entscheidungen zu treffen wird gemacht was Monsanto & Co will… Ein trauriges Schauspiel. Doch jeder mündige Bürger hat die Möglichkeit mit seiner Kaufentscheidung das zukünftige Angebot zu beeinflussen. Denn stärker als alles andere ist immer noch das Gesetz „Angebot und Nachfrage“ Kauft den ganze Schrott nicht mehr und er wird aus den Regalen verschwinden. So einfach ist das! Trotzdem: Petition unterschreiben ist Ehrensache! Danke für den Link!

  • BioBella

    UPDATE 1. Juli 2013 lt. Eva Glawischnig:
    Saatgutverordnung
    Berlakovich: Privat für Artenvielfalt – als Minister dagegen

    Landwirtschaftsminister Berlakovich und Konsumentenschutzminister Hundstorfer haben die Petition „Freiheit für die Vielfalt“ (http://www.global2000.at/freiheit-für-die-vielfalt)
    von Global 200 und Arche Noah zur EU-Saatgutverordnung unterschrieben.
    Offenbar nur als Privatperson. Denn als Minister setzt er sich nicht
    dafür ein. SPÖ und ÖVP haben diese Petition im Landwirtschaftausschuss
    abgelehnt. Gerade in deser Stunde wird sie im EU-Unterausschuss neu
    verhandelt Wir werden sehen, wer Berlakovich ist: Dr. Jekyll oder
    Mr.Hyde?