Is small always beautiful?

Konsistenz Effizienz Suffizienz Resilienz

Welcher Lebensstil ist für alle umsetzbar?

Zukunftsfähigkeit hat mehre Dimensionen, wobei die ökologische eine conditio sine qua non bildet. Die sozialen Dimensionen können dazu gerne gleichberechtigt betrachtet werden, die ökonomische Zukunftsfähigkeit dagegen ist keine Bedingung sondern das Ergebnis. Ökonomisch zukunftsfähig kann nur sein, was die ökologische und soziale Zukunftsfähigkeit fördert.

Entsprechend müssen die Rahmenbedingungen so gestaltet werden, dass alles andere gar nicht möglich wird. Damit wird den Wirtschaftstreibenden die Last der ethischen Entscheidung erst gar nicht aufgebürdet.

Dabei gilt es zu begreifen, dass  auch ökologische Zukunftsfähigkeit mehr als nur eine Dimension hat.

Es gibt zumindest ein Quartett von Bedingungen der ökologischen Nachhaltigkeit zu beachten:  Konsistenz- Effizienz – Suffizienz und Resilienz.

 

Konsistenz Effizienz Suffizienz Resilienz

 

Unter Konsistenz-Bedingung  wird die Notwendigkeit verstanden, alle (wirtschaftlichen) Tätigkeiten so zu gestalten, dass sie sich mittelfristig in natürliche Kreisläufe einfügen können, also ungiftig, erneuerbar, abbaubar,… sind. (Kreislaufwirtschaft, Cyclonomy oder das „cradle to cradle-Konzept“ (C2C) konzentrieren sich auf diese Aspekte.)

 

Unter Effizienz-Bedingung  wird die Notwendigkeit verstanden, Energie, Material, Flächen (und Geld-Mittel)  effizient einzusetzen, d.h. möglichst viel Nutzung pro eingesetztem Gut zu erzielen, da diese begrenzt sind.

 

Unter Suffizienz- Bedingung wird die Notwendigkeit verstanden, mit dem physisch Vorhandenen auszukommen. (dies kann pro Haushalt, pro Nationalstaat, aber am sinnvollsten natürlich pro Planet betrachtet werden)

Unbestreitbar ist „carrying capacity“ (die Tragkraft der Erde) begrenzt.  Vor allem die der biogenen Ressourcen, die zwar ständig erneuerbar, aber in der Menge besonders begrenzt sind. Der Ökologische Fußabdruck vermisst genau diese Kapazität.

Auch das effizienteste Raumschiff, völlig giftfrei und  mit perfekt geschlossenen Kreisläufen kann nur eine begrenzte Anzahl an Passagieren tragen.

 

Unter Resilienz –Bedingung wird die Notwendigkeit verstanden, das Puffervermögen unserer Systeme (natürliche wie technische oder wirtschaftliche) soweit zu festigen, dass die Systeme auch bei Störungen halbwegs stabil bleiben können. Zur Resilienz der Ökosysteme tragen ganz entscheidend Artenvielfalt, Boden- und Wasserqualität bei. Auch bei technischen und wirtschaftlichen Systemen ist Vielfalt ein stabilisierender Faktor, ebenso wie Transparenz und der Grad der Beteiligung  aller Betroffenen

 

Wird Effizienz oder Konsistenz auf Kosten der Resilienz gesteigert, gehen Krisensicherheit und Widerstandsfähigkeit unserer Gesellschaft noch weiter verloren und es  könnten schon kleine Krisen oder Kollapse von Teilsystemen zu großen Katastrophen führen. So etwa erfordern hocheffiziente „intelligente Stromnetze“ (smart-grids) –durchaus kluge Ideen – aber eben auch das reibungslose Funktionieren der weltweiten Kommunikations-Technologien. Und dort herrscht aber alles andere als Vielfalt und Transparenz. Ein simpler Computer-Virus könnte das gesamte System kollabieren lassen. Das ist das Gegenteil von Resilienz!

 

Bei allen Schritten in Richtung Zukunftsfähigkeit geht es also nicht um die maximale Erfüllung einer der Bedingungen, sondern um die optimale  Balance zwischend den Anforderungen.

 

Die Erfüllung der Suffizienz-Bedingung ist dabei als „Mutter aller Nachhaltigkeit“ zu betrachten, eine  unbedingt notwendige, wenn gleich nicht hinreichende Bedingung einer zukunftsfähigen Gesellschaft. Die anderen Bedingungen müssen unter gegenseitiger Rücksichtnahme optimiert werden.  Dabei kann es ständig zu Konflikten bei den einzelnen Zielfeldern kommen.

 

Sicher ist:  Ein subsistentes – geradezu „super-resilientes“ – Leben vom „eigenen Acker“ ist für sieben Milliarden Menschen auf einer begrenzten Erde leider unmöglich.  Einfache, zweifelsohne nachhaltige Lebensstile, etwa jene der  Yanomami-Indianer im Amazonas,  beanspruchen mit ihrem Wanderfeldbau hunderte von Quadratkilometern – das sind Reviere so groß wie jene von Tiger, Bär oder Adler. Diese „Reviere“ stehen für die Menschheit als Ganzes aber nicht zur Verfügung. Der naturfreundliche Lebensstil der Indigenen, seit Tausenden von Jahren bewährt, ist also nicht global verallgemeinerbar. Auch der eigene Bio-Garten, oder gar „Bauernhof“ ist eine verlockende Vision für viel ökologisch Engagierte, aber die Erde ist nicht annähernd groß genug für dieses Privileg.

 

„Small“ ist eben nicht unter allen Umständen „beautiful“. So wie es eine „Economy of Scale“ gibt, gibt es auch eine „Ecology of Scale“, freilich viel schwieriger zu „messen“.

So kann eine große Windturbine wesentlich effizienter sein als 100 kleine, gleicher Gesamtleistung. Und ein gigantisches Solarkraftwerk in der Sahara ist sicher effizienter als eigene PV-Paneele am Dach. Doch bei den Großtechnologien bleibt die Abhängigkeit  von großen Investoren, von komplexer Transport-Infrastruktur und der Unsicherheitsfaktor politischer Streitigkeiten. Die PV-Paneele am eigenen Dach erzeugen – einmal montiert- neben Strom auch Unabhängigkeit.  Allerdings –  die Erzeugung von PV-Paneelen oder gar die Herstellung der für moderne Kommunikation notwendigen Computer und Mikro-Chips im regionalen  Umfeld wird wohl Utopie bleiben.

Irgendwo zwischen regionaler Selbstständigkeit, technischer Effizienz, Erneuerbarkeit und Genügsamkeit liegt das Optimum, das es zu finden gilt.

Über Wolfgang Pekny
Wolfgang Pekny, Jahrgang 1956. 1975 bis 1982 Studium der Chemie und Biologe an der Universität Wien. 82-87 Dissertation über evolutionstheoretische Fragen an Tiefseemollusken. Zugleich ab 1974 im Umweltschutz engagiert; theoretisch, politisch und aktivistisch. 1987 -2008 hauptberuflich für Greenpeace als Kampagnenleiter, Querdenker und Think-Tank in führenden Positionen national wie international tätig. Spezialist für Biodiversität, „global commons“, Völkerrecht, Ökobilanzen, Ökologischer Fußabdruck und „Fair Future“. Seit 2007 Geschäftsführer der von ihm begründeten Plattform Footprint und Obmann der „Initiative Zivilgesellschaft“.
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