Virtuelles Wasser – der versteckte enorme Wasserverbrauch

© Jordi Azategui for We Are Water Foundation

Wasserverbrauch wird in erster Linie mit Wasser trinken, Hände waschen, Garten gießen, WC-Spülung betätigen, Duschen und Kochen assoziiert. Rund 150 Liter Trinkwasser verbraucht der durchschnittliche Österreicher pro Tag.

Eine ganze Menge. Jedoch weit weniger als jenes Wasser das zur Produktion von Konsumgütern verbraucht wird: etwa 5.000 Liter „virtuellen Wassers“ verbraucht jeder Konsument im deutschsprachigen Raum täglich für Lebensmittel und Produkte.

Schon einmal von virtuellem Wasser gehört?

Jenes „indirekte“ Wasser das zur Erzeugung von Lebensmitteln und Produkten verbraucht wird? Verstecktes oder virtuelles Wasser gehört (noch) zu den wenig beachteten Themenfeldern rund um den weltweit ansteigenden Ressourcenverbrauch. Im Zuge der Diskussionen anlässlich geplanter Wasserprivatisierungen und zunehmenden Wassermangels in vielen Regionen der Welt, rückt nun auch jener Wasserverbrauch ins Rampenlicht der durch Produktion, Lagerung und Transport verschiedenster Konsumgüter entsteht: „Virtuelles Wasser“ wird für die tägliche Tasse Kaffee ebenso verwendet wie zur Erzeugung von Milch, von Bier oder für den ansteigenden Fleischkonsum in der Gesellschaft. Auch das DIN A4-Blatt Papier, der Laptop und das Auto lassen den Verbrauch virtuellen Wassers rasant ansteigen. In Deutschland wurde errechnet, dass jeder Konsument durch den zunehmenden Konsum von Gütern täglich rund 25 Vollbäder(!) mit Wasser verbraucht.

Im Zusammenhang mit der Bezeichnung von virtuellem Wasser steht auch der Begriff des „Wasserfußabdrucks“ (Water Footprint) www.waterfootprint.org. Die Umschreibung des Wasserfußabdrucks wurde von Wissenschaftlern am „UNESCO Institut für Hydrological Education“ (IHE) (www.unesco-ihe.org) vor rund 20 Jahren entwickelt. In Anlehnung an den ökologischen Fußabdruck wird dabei jene Menge an Wasser analysiert, die für den gesamten Erzeugungsprozess von Lebensmitteln und Konsumgüterprodukten aufgewendet wird. Diese Wassermenge wird in Liter pro Kilogramm (Liter/kg) angegeben. Der Wasserfußabdruck beispielsweise für 1 Kilogramm Baumwolle liegt im weltweiten Durchschnitt bei etwa 11.000 Liter. Der Wasserbedarf für eine Tasse Kaffee liegt bei 140 Litern, für einen Liter Milch bei 1.000 Liter. Bis zu 300.000 Liter Wasser beträgt der Water Footprint für einen PKW.

Grünes, blaues und graues Wasser.

VirtuellesWasser wird generell in drei Bereiche aufgeteilt: als grünes Wasser wird dabei Niederschlagswasser und natürliche Bodenfeuchte bezeichnet. Als blaues Wasser gilt Bewässerungswasser, und graues Wasser ist jenes (Ab-)Wasser das durch Schadstoffe, wie beispielsweise Pestizide, unbrauchbar geworden ist. Der Wasserfußabdruck ist aber per se nicht unbedingt mit negativen Folgen für die Umwelt verbunden. Am Beispiel der Kakaobohne wird ersichtlich, dass trotz eines enormen Wasserfußabdrucks von rund 20.000 Liter/kg geringe negative ökologische Auswirkungen entstehen. Fast das gesamte aufgewendete Wasser ist Niederschlags- also grünes Wasser, da Kakao in einer sehr regenreichen Umgebung in der Nähe des Äquators heranwächst. Der Baumwollanbau in Usbekistan dagegen benötigt zum Bewässern große Mengen Oberflächenwassers aus dem Aralsee, was zu zunehmender Versteppung und Verlandung führt (siehe Foto). Zudem hat die Verwendung von Pestiziden beim Baumwollanbau in Usbekistan weitreichend schädliche Auswirkungen auf die Umwelt.

Fleisch gilt als einer der ganz großen Verbraucher virtuellen Wassers. Besonders ersichtlich wird der Wasserverbrauch bei der industriellen Fleischproduktion. Drei Jahre braucht es, um ein schlachtreifes Rind heranwachsen zu lassen. In diesen drei Jahren frisst das Tier rund 1.300 Kilo Getreide und 7.200 Kilo Gras, Heu und Silofutter. Zur Produktion des Futters werden am Ende über 300.000 Liter Wasser verbraucht. Um ein einziges Kilo Rindfleisch zu produzieren sind 15.000 Liter Wasser notwendig. Studien belegen, dass mehr als zwei Drittel des menschlichen Süßwasserverbrauchs auf das Konto der Landwirtschaft gehen. Fazit: wer also weniger Fleisch isst trägt auch zur Einsparung von Wasser bei – nicht nur virtuell sondern ganz real…

 

Web-Tipps:

www.wearewater.org

www.waterlife.nfb.ca

Petition gegen Wasserprivatisierung

Foto: ©Jordi Azategui „We Are Water Foundation“. Aus dem Film „Aral. The lost sea

Quellen: WWF, Wikipedia, Geo

 

Über Helmut Wolf
Rund 10 Jahre Chefredakteur des Magazins „pool – life & culture“. Ausgebildeter Corporate Social Responsibility (CSR)-Manager. Journalist und Autor im Bereich nachhaltiger Lebenskultur.
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