Wie viel Gift verträgt der Mensch? – Pestizide im Essen

In der Bio-Landwirtschaft ist der Einsatz von Pestiziden verboten. Konventionelle Produzenten müssen sich nach den gesetzlich vorgeschriebenen Höchstwerten richten. Bzw. „müssten“ – denn Überschreitungen werden hier immer wieder dokumentiert.

Nur ein kleines bisschen Gift

Wie sieht das überhaupt aus mit diesen Höchstwerten? Und wie viel an verschiedenen Giftstoffen – wenn auch noch so geringe Mengen – kann der Mensch vertragen, ohne davon krank zu werden? Die EU meint es zu wissen und hat hierzu Richtlinien festgelegt: Höchstwerte für Pestizidrückstände in Lebens- und Futtermitteln. Nehmen wir als Beispiel einmal Azoxystrobin und Fludioxonil her – nur zwei von vielen erlaubten Gift-Rückständen in Lebensmitteln. Sofern für ein bestimmtes Erzeugnis kein spezifischer Rückstandshöchstgehalt festgelegt wurde, gilt ein Standardhöchstwert von 0,01 mg „Gift“ pro kg Lebensmittel.

80% der getesteten Deutschen zwischen 18 und 65 hatten das Pestizid Glyphosat im Urin, welches Monsanto auf der ganzen Welt unter dem Namen Round-up vertreibt.

Wenn man sich das Amtsblatt genauer ansieht, dann bemerkt man, dass fast alle angeführten Lebensmittel aber einen Höchstwert von 0,05 mg/kg aufweisen und einige sogar darüber. Weit entfernt von 0,0… Werten!

  • Erdbeeren z.B. dürfen 2 mg/kg an Azoxystrobin enthalten und Brombeeren 3 mg/kg
  • Kopfsalat liefert 3 mg/kg an Pestizidrückständen und Chinakohl gar 5 mg/kg
  • Hmmm lecker: Frische Kräuter enthalten bis zu 3 mg Pflanzenschutzmittel pro kg
  • Orangen können Sie inkl. 7 mg Fludioxonil genießen und bei Grapefruits bekommen sie gar 10 mg Gift gratis mit dazu
  • Auch bei Kern- und Steinobst (Äpfel, Birnen, Marillen, Kirschen, etc.) sieht es mit 5mg pro kg nicht viel besser aus

Gesetzlich sind die Produzenten und Hersteller auf der sicheren Seite, denn im besten Falle überschreiten seine Äpfel, seine Karotten, sein Mehl, seine Kartoffel, sein Hühnerfilet, seine Nüsse, sein Kaffee oder seine Gewürze die vorgegebenen Höchstwerte nicht. Doch wie sieht es für uns Konsumenten aus? Über den Tag verteilt landen einige dieser Lebensmittel in unseren hungrigen Mägen und da kommt dann insgesamt doch einiges an Gift zusammen…

Die Gesamtsumme macht es aus

Sie frühstücken eine Semmel mit Butter und Marmelade, einen Kaffee mit Milch oder vielleicht frisch gepressten Orangensaft? Kakao und ein Brot mit Honig für Ihre Kinder? MIT JEDEM DIESER PRODUKTE (so sie nicht BIO sind) WERDEN SIE EIN KLEIN WENIG AN PESTIZIDEN AUFNEHMEN.

Zu Mittag gibt es etwas Gesundes! Fisch zum Beispiel mit frischem Gemüse und Reis. Doch auch hier gilt: MIT JEDEM DIESER PRODUKTE (so sie nicht BIO sind) WERDEN SIE EIN KLEIN WENIG AN PESTIZIDEN AUFNEHMEN.

Beim Abendessen soll es schnell gehen. Ein Kornspitz, ein bisschen Schinken und Käse und dazu noch ein paar Tomaten, Gurken und Radieschen. Man will sich ja gesund ernähren… Aber: MIT JEDEM DIESER PRODUKTE (so sie nicht BIO sind) WERDEN SIE EIN KLEIN WENIG AN PESTIZIDEN AUFNEHMEN.

Und dann noch die kleinen Snacks zwischendurch. Ein Apfel, ein saftiger Pfirsich, ein Kuchen oder vielleicht ein Pudding. Und wiederum: MIT JEDEM DIESER PRODUKTE (so sie nicht BIO sind) WERDEN SIE EIN KLEIN WENIG AN PESTIZIDEN AUFNEHMEN.

Wenn Sie davon ausgehen, dass in fast jedem von Ihnen konsumierten Produkt eine kleine Menge an Pflanzenschutzmittel-Rückstand zu finden ist, dann denke ich, dass diese Gesamtmenge nun gar nicht mehr so unbedenklich ist.

Außerdem gibt es ja jede Menge verschiedener Rückstände, die gesetzlich erlaubt sind.

  • Pestizidrückstände in Obst, Gemüse und Getreideprodukten
  • Antibiotika und Hormone in Fleischwaren
  • Quecksilber in Fisch
  • Dioxine in Schweinefleisch und Eiern

Doch die Langzeitwirkung oder die Wirkung verschiedener Schadstoffe gemeinsam sind längst nicht ausreichend erforscht. Was so ein Giftcocktail wohl anrichten kann… Wir wissen es nicht!

Darum: Bio-Produkte vorziehen

Gut, dass ich mit meinem BIO-Einkauf auf der sicheren Seite bin! Klar schafft es hin und wieder auch das eine oder andere konventionelle Produkt in meinen Einkaufswagen, jedoch bin ich immer darauf bedacht den „Gift-Konsum“ meiner Familie so gering als möglich zu halten!

Der enorme Schaden, den Pestizide in der Tier- und Umwelt anrichtet, sollte für alle ein weiterer Grund sein, vermehrt zu BIO-Produkten zu greifen!

Auch Städter haben die Möglichkeit Ihr Gemüse selbst anzubauen: Selbsternte für Städter

Alarmierende Arikel über „Pestizide in Kräutern und Gewürzen“ und auch „Der große Chips-Test 2013“ stimmt nicht optimistischer.

Über BioBella Stranzl
Mein Name ist Isabella Stranzl und mit www.biokontakte.com betreibe ich eine Website für gesundheits- und umweltbewusste Menschen. Als Mutter von drei Kindern war es mir schon sehr früh wichtig, um die Qualität und Unbedenklichkeit von Nahrungsmitteln, Kleidung oder Kosmetikprodukten und anderen Erzeugnissen des täglichen Lebens Bescheid zu wissen. Sowohl die Wirkung auf den Menschen als auch die Auswirkung von Produktion oder Gebrauch der Produkte auf die Umwelt sind bedeutend. Mit jeder Kaufentscheidung treffen wir eine Wahl. Und wie Gandhi schon sagte: „Be the change you want to see in the world“
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  • bernhard

    Tolle Beiträge, find ich richtig super, wenn sich jemand dafür engagiert !!! Weiter so !

  • Benjamin

    Aktuelle Ökotest-Studie über Getreide-Spritzmittel Glyphosat: Sieben von zehn untersuchten Großstädtern in Deutschland hatten das Unkrautvernichtungsmittel im Urin. „Unsere Analysen bestätigen den Verdacht, dass die Bevölkerung in Europa zu weiten Teilen mit Glyphosat belastet ist. Woher die Rückstände im Einzelnen kommen, muss endlich genau untersucht werden.“ Na woher schon? Die Testergebnisse zeigen, dass Glyphosat über das Essen in den Körper gelangt. Mehr Infos in diesem Artikel: http://www.oekotest.de/cgi/index.cgi?artnr=11799&gartnr=90&bernr=04 Wieso lässt die Regierung zu, dass wir langsam aber sicher vergiftet werden??

    • BioBella

      Hallo Benjamin, vielen Dank für Deinen Beitrag und den interessanten Link. Warum die Regierung das zulässt sollten alle Österreicher gemeinsam die Regierung fragen. Leider sind von den vielen Menschen, die gegen Pestizideinsatz sind, nur wenige bereit, dafür auch Engagement zu zeigen – etwa zu Demos zu gehen. Meine persönliche Antwort auf Deine Frage: Die Regierung unternimmt nichts dagegen, weil die meisten Politiker bloss noch Marionetten der Industrielobby sind – in diesem Fall die Agrarlobby, die stark und mächtig genug ist, der Regierung ihren Willen aufzuzwingen. Der einfachste „Widerstand“ dagegen ist simpel: Kauft keine konventionellen Produkte mehr, sondern Bio-Lebensmittel. Ohne Nachfrage kein Angebot… so einfach ist das ;)

  • Konrad

    In der Tat: Gift + Gift + Gift = megaviel Gift. Und dabei muss man bedenken, dass wir global betrachtet immer noch mit die besten Lebensmittel haben. Ein Blick über den großen Teich und deren Nahrungsauswahl im Supermarkt (echte Märkte gibt es ja praktisch nicht) zeigt, wie tief Mensch sinken kann. Ist uns egal, was die dort drüben machen? Kann es nicht, da das Zeug über kurz oder lang auch unsere Regale füllen wird und hier aufgrund grünstiger Preise auch gute Absatzchancen hat.

    Was tun? Der Konsument hat die Macht. Was er nicht kauft, wird nicht verkauft. Darum kann und muss man ständig auf Probleme und Gefahren hinweisen, Risiken und Lösungen aufzeigen. Immer und immer wieder.

  • Michael

    Verdiene am Zerstören und dann nochmals beim Wiederaufbau…

    …ich finde es bezeichnend, dass genau die Unternehmen, die die Gifte in Umlauf bringen, sich jetzt als unsere Retter aufspielen und uns jetzt für teures Geld „am Leben erhalten“ – mit Medikamenten, die – natürlich vollkommen unbeabsichtigt – noch mehr Nebenwirkungen haben…
    Wer nicht täglich auf sich und seine Lieben aufpasst, zahlt den Preis dafür: gesundheitlich und finanziell…

    Danke für die erneute Bewusstmachung dieses Themas!

    • BioBella

      Danke Michael für Deinen Beitrag. Deshalb ziehe ich Bio-Lebensmittel immer vor, auch wenn die preislich doch höher liegen als herkömmliche Nahrungsmittel. Aber da spare ich lieber anderswo ein wenig ein. Dem Özdemir (Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen) hat das mal sehr treffend gesagt: „Wer glaubt, gesunde Ernährung ist zu teuer, kann es ja mit Krankheit probieren“

      • Michael

        Das sehe ich auch so – man sollte sich einfach vor Augen führen, was der Familie unserem Land gut tut – und was einem das wert ist – dann fließen die Energien (egal welche) auch wieder ganz anders…und es heißt ja nicht umsonst: „Der Mensch ist, was er isst“

  • stefan migl

    „WIE VIEL GIFT VERTRÄGT DER MENSCH? – PESTIZIDE IM ESSEN“

    falsche frage; richtig: wie viel pestizide MÜSSEN eingesetzt werden — müssen sie überhaupt eingesetzt werden?

    der mensch verträgt viel — damit es ihm aber bestmöglich geht, darf man ihm nicht mehr zumuten als nötig

  • BioBella