Der Stör – Bedrohter Riese der Donau

© Jutta Jahrl, WWF Österreich

Der Stör ist ein sehr außergewöhnlicher Fisch. Weltweit gibt es 27 Stör-Arten, doch von den sechs in der Donau heimischen Stör-Arten gelten fünf laut IUCN als vom Aussterben bedroht, eine davon, nämlich der Atlantische Stör ist höchst wahrscheinlich bereits ausgestorben.

Ein außergewöhnlicher Fisch

Schon vor mehr als 200 Millionen Jahren bewohnte der faszinierende Fisch Flüsse und Meeresküsten und wird deshalb auch als „lebendes Fossil“ bezeichnet. Der Stör zählt zu den größten Fischen der Welt – der in Donau heimische Beluga-Stör konnte über 6 Meter  lang und bis zu 1,5 Tonnen schwer werden. Mit einem Lebensalter von bis zu 100 Jahren zählt er zu den Methusalems unter den Fischen.

Bedrohung durch den Menschen

Das Verhängnis des Störs ist, dass er ein besonders wertvoller Fisch ist, denn er liefert den kostbaren und beliebten Kaviar. Für ein Kilo echten Beluga-Kaviar blättern Konsumenten bis zu € 6.000,- hin.

Rumänien und Bulgarien waren bis vor wenigen Jahren unter den Top 10 Kaviar-Exportländern. Als größte Staaten an der unteren Donau sind sie für die Leerfischung in der Donau hauptverantwortlich. Mittlerweile gibt es ein (leider zeitlich begrenztes) Stör-Fangverbot, um die Bestände dieses seltenen Fisches zu schützen – ebenso wurde der Verkauf von Wildkaviar verboten.

Ein weiteres Problem ist aber auch die späte Geschlechtsreife, die beim Stör erst mit etwa 20 Jahren einsetzt. Oft fallen sie dem Fischfang zum Opfer lange bevor sie sich überhaupt fortpflanzen konnten.

Blockierte Laichwanderwege

Durch Eingriffe des Menschen in die Natur wird die Vermehrung des Störs fast unmöglich gemacht, denn Staudämme hindern ihn an der ihm angeborenen Laichwanderung. Zur Laichzeit verlässt der Stör seinen üblichen Lebensraum im Meer und steigt die Flüsse hoch. Er legt weite Wanderungen zurück und kam früher bis nach Österreich und sogar Deutschland.

Seit dem Bau der zwei Staudämme am „Eisernen Tor“ zwischen Serbien und Rumänien in den 70-er und 80-er Jahren ist nun aber Ende der Reise nach nur 860 km. Die Jahrtausende alte Laichroute ist unterbrochen und die Lebensräume oberhalb der Dämme seither verloren.

Suche nach intakten Lebensräumen

Der Stör ist ein sehr anspruchsvoller Fisch. Zum Laichen, zum Überwintern, als „Kinderstube“ und um geeignete Nahrung zu finden braucht er spezielle Habitate. Doch die zunehmende Verbauung der Donau und die Entnahme von Schotter und Sand zerstören zunehmend geeignete Lebensräume.

Fisch ohne Zukunft?

© Jutta Jahrl, WWF Österreich

© Jutta Jahrl, WWF Österreich

Es muss viel unternommen werden, um den Stör zu retten. Der WWF z.B. betreibt ein eigenes Projekt zum Schutz der Stör-Fische in der Donau und die Initiative Danube Sturgeon Task Force, bestehend aus Stör-Experten, NGOs und ICPDR-Mitgliedern widmet sich seit 2012 dem Schutz der Störe.

Gegen die blockierten Laichwege könnten sogenannte Fischaufstiegshilfen Abhilfe schaffen, die die künstliche Barriere dann gleichzeitig auch für andere wandernde Fischarten passierbar machen würden.

Außerdem wäre eine Kartierung der bedeutsamsten Habitate und deren Unterschutzstellung wünschenswert, denn ohne geeigneten Lebensraum gibt es keine Zukunft für den Stör.

Weitere interessante Infos zum Stör Fisch auch hier.

Sie essen gerne Fisch? Informieren Sie sich hier über Radioaktivität in Fischfanggebieten.

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Über BioBella Stranzl
Mein Name ist Isabella Stranzl und mit www.biokontakte.com betreibe ich eine Website für gesundheits- und umweltbewusste Menschen. Als Mutter von drei Kindern war es mir schon sehr früh wichtig, um die Qualität und Unbedenklichkeit von Nahrungsmitteln, Kleidung oder Kosmetikprodukten und anderen Erzeugnissen des täglichen Lebens Bescheid zu wissen. Sowohl die Wirkung auf den Menschen als auch die Auswirkung von Produktion oder Gebrauch der Produkte auf die Umwelt sind bedeutend. Mit jeder Kaufentscheidung treffen wir eine Wahl. Und wie Gandhi schon sagte: „Be the change you want to see in the world“
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  • Günther Kenyeri

    Ich bedanke mich für die Initiative und jede Aktivität die den Fortbestand dieses faszinierenden Fisches gewährleisten….Zwei Freundinnen aus meinem Freundeskreis die ich beide sehr schätze engagieren sich für dieses Thema und es ist mir ein Anliegen es zu unterstützen!

  • Pia Maria

    Die Regulierungen der Flüsse und überhaupt diese zahlreichen Eingriffe in die Natur werden früher oder später jegliche Artenvielfalt zerstören. Es ist eine Tragödie, das mit anzusehen :( Der Stör ist wie Sie schreiben ein so faszinierender Fisch, aber leider wie viele andere Tiere bald ausgerottet. Gibt es wirklich noch Menschen, die Kaviar kaufen???

    • BioBella

      Hallo Pia und danke für Deinen Beitrag. Ja leider gibt es immer noch jede Menge ignoranter Menschen, die den Auswirkungen ihres Handelns keine Beachtung schenken. Und das betrifft leider nicht nur den Kaviarkonsum!

  • martina m.

    vielen Dank für den ausführlichen Bericht und das Aufzeigen der Problematik den Stör betreffend. Leider beschäftigt sich die Rasse Mensch viel zu wenig mit seiner Umwelt und glaubt, die Darseinsberechtigung für diesen Planten alleine besitzen zu dürfen. Albert Schweitzer sagte mal richtig: „Das Mitgefühl mit allen Geschöpfen ist es, was Menschen erst wirklich zum Menschen macht“. Weiter so mit der guten Berichterstattung – in der Hoffnung, dass der Mensch endlich zum Umdenken anfängt und nicht, wie der Großteil der Bevölkerung, auf Kosten von Fauna und Flora existiert!

    • BioBella

      Danke Martina für Dein positives Feedback! Und ja… das Umdenken… es findet statt! Immer mehr nehmen endlich auch die Medien diese Themen auf – jedoch es könnt‘ ein bissl schneller gehen denn… da gibt es einen sehr passenden Spruch „Es ist später als Du denkst!“ Leider ist das noch nicht vielen Menschen bewusst…

  • renate

    Danke für diesen wertvollen Bericht über die systematische Zerstörung des Lebensraumes des Störs. Dieser faszinierende Fisch steht auch als Synonym für zahlreiche andere Lebewesen, welche dem „Fortschritt“ zum Opfer fallen.
    Und oft stellt sich mir die Frage ob unser „Fortschritt“ sich am Ende nicht gar als „Rückschritt“ entpuppt – als Illusion – entlarvt als die Möhre, die der Reiter dem Esel vor die Nase hält? Als vorgegaukeltes Ziel, das niemals erreicht werden kann? Das unsere Gier niemals befriedigen kann. Immer höher, weiter, schneller …
    Doch gibt es ein Zurück? Sind wir uns doch ehrlich: Wir sind von Natur aus auf „Fortschritt“ programmiert.
    Ich glaube das Zauberwort heißt „Ethik“ und wohnt in jedem von uns.

    Es gilt der Opferrolle zu entkommen, und zu erkennen: Der Konsument hat die Macht! WIR haben die Macht! WIR tragen mit unserem Konsumverhalten einen wesentlichen Beitrag zum Schutz von Umwelt, Tier und Pflanze bei.
    Und mit Berichterstattungen dieser Art, welche unsere Sensibilität erhöht – DANKE!

    • BioBella

      Vielen Dank Renate! Positives Feedback freut mich natürlich sehr und motiviert auch, weiterhin Konsumenten so gut als möglich zu informieren, sodass diese dann bei ihrem nächsten Einkauf auch (hoffentlich) die „richtige“ Wahl treffen…