CSA – Solidarische Landwirtschaft

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Bekannt auch unter der Abkürzung CSA (Community Supported Agriculture), hat sich die solidarische Landwirtschaft vor allem in Japan und den USA bereits gut etabliert. Bei unseren Nachbarn in Deutschland gibt es aktuell 40 Höfe – Tendenz steigend. Im Vergleich dazu ist in Japan bereits ein Viertel aller Haushalte an derartigen Partnerschaften (Teikei) beteiligt.

Obwohl Österreich in der Bio-Landwirtschaft flächenmäßig EU-weit die Nase vorn hat, haben wir bei diesem interessanten Konzept noch einiges aufzuholen. Aber der Wunsch nach mehr Transparenz in der Landwirtschaft wächst und ich sehe CSA als zukunftsweisende Form der selbstbestimmten Organisation von Ernährung. Auch ein neulich erschienenes Manifest zur Neuausrichtung der Landwirtschaft macht das wachsende Bewusstsein deutlich.

Wie funktioniert CSA?

Bekannt ist die solidarische Landwirtschaft auch unter den Bezeichnungen „Gemeinschaftshof“ oder „Versorgungsgemeinschaft“. Und um Gemeinschaft geht es hier auch. Ein Gruppe Verbraucher schließt sich zusammen mit einem „Partner“-Landwirt.

Gemeinsam sind sie für den Erhalt des Hofes verantwortlich. Die Verbraucher geben eine Abnahmegarantie für einen bestimmten Zeitraum (meist ein Jahr) und bezahlen gemeinsam die geschätzten Jahreskosten für den Betrieb der Landwirtschaft. Die Mitgliedsbeiträge werden gemeinsam erarbeitet und decken alle Anbau- und Verarbeitungskosten sowie ein faires Gehalt für die Landwirte.

Im Gegenzug dafür verpflichtet sich der Landwirt mit diesem Geld zu wirtschaften, die vereinbarten Nahrungsmittel zu produzieren und die Ernteanteile laufend an die Mitglieder kostenfrei abzugeben.

Einerseits wird dadurch die regionale Produktion und Versorgung gefördert und andererseits auch die Verantwortung bzw. das Risiko gemeinsam getragen. Denn bei Ernteausfällen Es entsteht ein sozial verträgliches Geben und Nehmen. Kleinbäuerliche, ökologische Landwirtschaften müssen sich nicht dem wachsenden Konkurrenzdruck des Marktes aussetzen und können so erhalten bleiben.

Gemeinschaftshof in Österreich

Ein Beispiel für diese selbstbestimmte Form der Organisation von Ernährung in Österreich ist der Gärtnerhof Ochsenherz in Gänserdorf. Er produziert biologisch-dynamisch (Demeter) eine große Vielfalt an Gemüse- und Kräutersorten für seine etwa 200 Mitglieder.

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Sehr interessant ist hier auch der solidarische Aspekt, dass neben den fertig gepackten Ernteanteilskisten zum Fixpreis auch die freie Ernteanteilsentnahme gewählt werden kann, wobei hier sowohl die Höhe des Beitrags als auch die Entnahmemenge nach Selbsteinschätzung erfolgt.

Wer also schon länger den Wunsch nach mehr Eigenständigkeit und Selbstbestimmung bei der Versorgung mit regionalen und biologischen Lebensmitteln in sich hegt, der sollte auch mal diese Möglichkeit in Betracht ziehen.

Weitere Möglichkeiten zur Selbstversorgung ohne eigenen Garten wären z.B. eine Food-Coop oder Selbsternte.

Über BioBella Stranzl
Mein Name ist Isabella Stranzl und mit www.biokontakte.com betreibe ich eine Website für gesundheits- und umweltbewusste Menschen. Als Mutter von drei Kindern war es mir schon sehr früh wichtig, um die Qualität und Unbedenklichkeit von Nahrungsmitteln, Kleidung oder Kosmetikprodukten und anderen Erzeugnissen des täglichen Lebens Bescheid zu wissen. Sowohl die Wirkung auf den Menschen als auch die Auswirkung von Produktion oder Gebrauch der Produkte auf die Umwelt sind bedeutend. Mit jeder Kaufentscheidung treffen wir eine Wahl. Und wie Gandhi schon sagte: „Be the change you want to see in the world“
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  • Mario Sedlak

    Interessante Idee, aber meiner Ansicht nach mit zwei Schwachpunkten:

    1. Wenn es einmal heißt: „heuer leider Ernteausfall“, werden wohle viele Kunden enttäuscht sein und nächstes Jahr nicht mehr weiterzahlen. Auch der Solidar-Landwirt hat also ein Marktrisiko.

    2. Wenn jeder Wiener mit seinem Auto zu dem von ihm gesponserten Hof aufs Land fährt, um seinen Ernteanteil abzuholen, ist das alles andere als ökologisch.

    • Eben darüber habe ich am Wochenende diskutiert! Anscheinend gibt es für die Produkte auch Abholstellen in Wien, also fahren nicht alle zum Hof hinaus.
      Zum Punkt 1, ich als Kunde fände gerade das interessant. Ich würde es akzeptieren, sogar begrüßen. Denn sonst liest man zwar immer über die schlechte Ernte, aber direkt zu spüren bekommen es nur die Bäuerinnen und Bauern.

  • Denker

    Ich bezweifle die Massentauglichkeit dieses Konzpets. Lebensmittel werden dadurch wesentlich teurer. 200 Mitglieder erhalten hier einen Kleinstbauern mit nur 5 ha und erhalten nur Gemüse dafür…

    Ein normaler Vollerwerbsbauer benötigt 50 ha oder mehr zum Überleben.

    Das bedeuted die 200 Mitglieder „bezahlen“ für die Produkte umgerechnet den ca 10fachen Preis und müssen obendrein noch mitarbeiten – ein Fall für Idealisten mit hohem Einkommen und viel Freizeit…

    Gleichzeitig trägt der Bauer ein sehr hohes Risiko – Landwirtschaft bedeutet langfristige Investitionen auf viele Jahre hinaus. Wenn die Mitglieder nur für 1 Jahr gebunden sind, kann dies sehr schnell in die wirtschaftliche Katastrophe führen…

  • Birgit

    Hallo,

    bei mir in der Nähe gibt es auch einen Hof – Biohof Mogg http://www.biohof-mogg.at/community-supported-agriculture. Ich interessiere mich sehr für das Konzept, aber ganz ehrlich: 20 Euro pro Woche für Gemüse, Äpfel und Honig?!?!? Und das theoretisch nur für 1 Person, vielleicht 2, wenn nicht viel Gemüse gegessen wird. Ich kaufe unser Gemüse in allerbester Marktqualität, regional, saisonal und frisch – und zahle pro Woche für meinen Einkauf für 3 (!) Personen zwischen 6 und 8 Euro – da hab ich von Kartoffeln über Radieschen und Spinat bis Salat und frischen Kräutern alles dabei. Bitte nicht bös sein, die Idee ist hervorragend, aber für den Normalbürger absolut nicht leistbar.