Werner Lampert trifft Helga Kromp-Kolb – Die Menschen sind wach für den Wandel!

Werner Lampert trifft Helga Kromp-Kolb

„Wir können es uns nicht mehr leisten pessimistisch zu sein, wir müssen jetzt die Ärmel aufkrempeln und handeln!“ bringt es die renommierte Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb auf den Punkt. In einem packenden Doppelinterview säten Bio-Pionier Werner Lampert und Helga Kromp-Kolb Hoffnung für einen baldigen Wandel. Voller Motivation, Idealismus und starkem Willen zeigen sie, wie wir uns ohne Verzicht auf Lebensqualität eine lebenswerte Gegenwart und Zukunft schaffen können.

Sie beide zeigen in Ihrer Arbeit sehr anschaulich die großen Herausforderungen der Zukunft auf. Wie hoch ist heute das Bewusstsein für diese Probleme und wie bewegt man zum Handeln?

Helga Kromp-Kolb: Die Anzahl derer, die eine klare Vorstellung davon haben, was auf dieser Welt falsch läuft, wächst. Um Menschen zum Handeln zu aktivieren, braucht es jedoch Lösungsvorschläge und Visionen. Denn es ist viel einfacher auf etwas Positives zu zugehen als sich von etwas Schlechtem fern zu halten.
Veränderung bedeutet das Ablegen von Gewohnheiten. Das ist schwer, schließlich erfordert es einen Beschluss, einen Entschluss. Menschen setzen dies oft mit Verzicht gleich, ich bin aber überzeugt, dass es ein Gewinn an Lebensqualität wäre. Ist etwas anders als bisher, kann es sogar schöner sein! Ich hätte gerne, dass das viel mehr Menschen bewusst wird.

Werner Lampert: Das Wissen über die Herausforderungen ist bei den Menschen im Kopf angekommen. Wenn wir jedoch nur Probleme aufzeigen, machen wir die Leute handlungsunfähig und depressiv.
Ich bin ein großer Anhänger der Zivilgesellschaft, die Summe einzelner bewusster Menschen. Mit einer radikal solidarischen Gesellschaft werden wir die ersten Schritte zum Wandel tun und der Gewinn an Lebensqualität wird spürbar werden! Von der Politik hingegen ist in den nächsten Jahren nichts zu erwarten.

Helga Kromp-Kolb: Zuerst muss jedeR einzelne bereit für den Wandel sein, dann werden auch die PolitikerInnen handeln, weil sie keine Angst mehr haben müssen, deshalb nicht gewählt zu werden.

Frau Kromp-Kolb hat den Verzicht angesprochen. Ist der Wandel wirklich ohne Verzicht möglich?

Werner Lampert: Wenn man alle klimarelevanten Punkte wie die Sojaproduktion in Amerika, Bodenerosion, Dünger, Pestizide etc. zusammenrechnet, ist die Landwirtschaft der weltweit größte CO2-Emittent. Eine Umstellung auf biologische Landwirtschaft, die bereits erprobt ist und nachweislich alle ernähren kann, wäre nur ein kleiner Schritt. Man könnte sofort einsteigen!
Der Griff zu biologischen Lebensmitteln ändert viel, vor allem weil Lebensmittel täglich konsumiert werden. Der bewusste Einkauf bedeutet keinen Verzicht.

krompHelga Kromp-Kolb: Zum bewussten Einkauf gehört auch ein geringerer Fleischkonsum, das ist nicht nur ökonomischer und ökologischer sondern auch gesünder. Bei unseren Großeltern war Fleisch die Sonntagsspeise. Damals hat der Großteil der Menschen körperlich schwer gearbeitet, es ist verrückt, dass wir uns heute immer noch ernähren als würden wir holzhacken.
Es geht darum, dem Statussymbol Fleisch die Symbolik zu entziehen. Es gibt köstliche vegetarische Speisen, es sind keinesfalls immer die gleichen „Körndln“. Dieses Bewusstsein kann man über Mensen schaffen, oder, wie ich immer wieder vorschlage, beim Bundesheer.

Werner Lampert: Die Zeit des Statussymbols Fleisch ist zu Ende. Wenn ich sehe mit welchem Genuss Veganer speisen, bedeutet ein geringerer Fleischkonsum auch keinesfalls Verzicht.

Ist eine baldige große Veränderung realistisch?

Helga Kromp-Kolb: Im Untergrund passiert heute schon vieles, was derzeit nicht sichtbar ist. Jede Gemeinde hat ihre Aktivitäten, und es ist gut möglich, dass die Veränderung nicht allmählich kommt, sondern plötzlich ein Umschwung passiert. Dazu fehlt lediglich noch ein Anstoß, welcher von einer Katastrophe, der Politik, aber am wahrscheinlichsten von der Zivilgesellschaft selbst kommen kann.

Werner Lampert: Wir sind beide krankhaft pathologische Optimisten! Wir vertrauen, dass ein organischer Wandel möglich ist. Im Moment haben wir noch eine Wahl, in der Zukunft wird uns die Natur zur Veränderung zwingen.

Helga Kromp-Kolb: Wir können es uns nicht mehr leisten pessimistisch zu sein, wir müssen jetzt die Ärmel aufkrempeln und handeln!

Ist wirtschaftliches Wachstum und Klimaschutz vereinbar?

Helga Kromp-Kolb: Primär müssen wir unsere Natur, unsere Ökosysteme wertschätzen, denn sie sind unsere Lebensbasis. Die Wirtschaft ist nur eine Form, den Handel und die Arbeitsteilung zum Wohl der Menschen zu organisieren. Es können nicht Natur und Mensch für die Wirtschaft da sein.

Werner LampertWerner Lampert: Solange wir Wachstum nur an das ökonomische konnotieren, wird uns nichts anderes als die Katastrophe bleiben. Aber unsere Gesellschaft bietet ja so viel Möglichkeit, so viel Platz für Wachstum, das Wachstum des persönlichen Glücks, des besseren, liebevolleren Umgangs miteinander. Wir können in Liebe und Freundschaft wachsen, wir können wachsen indem wir unsere Güter teilen. Da ist viel freier Raum.

Sie sprechen hier große Werte an, erachtet die junge Generation diese als wichtig?

Werner Lampert: Früher war es wichtig das Ego zu stärken, das ist endgültig vorbei. In unserer Firma haben wir viele junge Leute, und ich bin begeistert, wie offen und klar sie sind. Die Menschen sind wach! Das hat die enorme Bewegung in der Causa Bienenschutz gezeigt.

Helga Kromp-Kolb: Der Anteil der Jugend, die nur an Karriere, Macht und Geld denken ist klein und sogar die wären zu gewinnen. Zum Beispiel mit einer Wertediskussion an den Universitäten, dies ist zwar nicht üblich, aber nötig. Wenn diese Studierenden in Entscheidungspositionen kommen, wird dies Wirkung zeigen.

Wo stehen wir in 3 Jahren?

Werner Lampert: Unternehmen setzen sich immer mehr mit Nachhaltigkeit auseinander, denn sie vermuten bereits, dass sie so vom Kunden besser akzeptiert werden. Offensichtlich ist in unserer Gesellschaft etwas unterwegs, was wir heute noch nicht erahnen.
In 3 Jahren werden wir feststellen, dass Vieles nicht gelungen ist, dafür anderes erfolgreich verlief, was wir nie erwartet hatten.

Helga Kromp-Kolb: Die eigene Ungeduld und das Wissen, dass etwas schon längst geändert gehört, lässt uns die Erwartungen für die nächsten 3 Jahre sehr hoch setzen. Dennoch bin ich der Überzeugung, dass wir Fortschritte erzielen werden, möglicherweise sogar sehr große!

Moderation: Sandra Luger

Zur Person

Univ. Prof. Dr. Helga Kromp-Kolb

Meteorologin und Klimaforscherin und Leiterin des Instituts für Meteorologie und des Zentrums für Globalen Wandel und Nachhaltigkeit an der Universität für Bodenkultur, Wien.

Sehen Sie das ganze Gespräch auf youtube:

Über Isabell Riedl
Die Natur hat mich schon als kleines Kind fasziniert. Spätestens als ich aufgrund der Schönheit eines Tieres zu Tränen gerührt war, wusste ich, dass es meine Aufgabe ist, diese Welt und ihre Schönheit zu bewahren. Im Zuge meines Ökologiestudiums lebte ich 2 Jahre in Costa Rica, wo ich dessen Vogelwelt erforschte. Seit Mai 2012 arbeite ich nun bei der Werner Lampert Beratungs GmbH im Bereich der Nachhaltigkeit und verwalte unter anderem diesen Blog. Seit 2016 versuche ich diese Welt für mein Kind Ruben noch mehr zu schützen.
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