CO2 Bilanz von Glas, PET & Co – Was ist wirklich umweltschonend?

Glasflasche Getränkekarton und PET Flasche

Unter umweltbewussten Menschen entfacht immer wieder eine Diskussion über die beste Verpackung. Ist es die Glas- die PET-Flasche, oder doch der Getränkekarton? Viele schwören auf Glas, da man intuitiv dieses Material als unbedenklich und schadstofffrei empfindet. Wie sieht die CO2 Bilanz der verschiedenen Verpackungen aber tatsächlich aus.

Dr. Thomas Lindenthal, Mag.a Michaela C. Theurl, Mag.a Theresia Markut des Forschungsinstituts FiBL haben nun nachgerechnet.

CO2 Bilanz von Getränke-Verpackungen

Unterschiedliche Verpackungen weisen auch verschiedene CO2-Bilanzen auf, was zum einen an den Rohstoffen (Erdöl, erneuerbare Biomasse, Glas etc.) liegt und zum anderen an der Vielzahl von Fertigungsverfahren. Die Höhe der CO2-Emissionen der Verpackung eines Produktes ist grundsätzlich abhängig von der Verpackungseinheit wie z.B. 500 ml oder 1 L oder 125 g bzw. 750 g und dementsprechend von dem Gewicht des Verpackungsmaterials (pro g bzw. kg Inhalt).

Generell gilt, je größer die Verpackungseinheit eines Produktes, desto geringer sind die Emissionen der Verpackung pro kg Produkt. Eine Übersicht zeigt die CO2-Emissionen der Verpackung von unterschiedlichen Produkten:

Material Verpackungseinheit CO2-Emissionen der Verpackung[g CO2eq/kg Produkt]
Getränkekarton 1 L ~60
Getränkekarton 0,5 L ~70
PET-Flasche 0,5 L ~140
Einwegglas 0,5 L ~550

Glasflaschen weisen die höchsten CO2-Emissionen auf, da Glas bei der Herstellung sehr energieintensiv und zudem die Glasflasche um einiges schwerer als eine Verpackung gleicher Größe aus PET oder Karton ist. Bei Glas-Einwegsystemen hat das Einschmelzen von Altglas (im Schnitt 35 % Recycling) und die neue Produktion der Glasflasche einen sehr hohen Energiebedarf und in weiterer Folge entstehen dadurch hohe CO2-Emissionen.

Pfandflaschen

Glas-Mehrwegsysteme erreichen hingegen ab der 6. Befüllung vergleichbare Werte wie PET-Flaschen (unterschiedlichster Verkaufseinheit), das sind etwa 200 g CO2 eq/L bzw. kg Produkt. Mehrwegflaschen werden jedoch weitaus häufiger als 6-mal wiederbefüllt und -verwendet, nämlich 20 – 40 mal (bei bestimmten Pfandflaschen bis zu 50 mal).

Einwegsysteme mit Weißblech- bzw. Aluminiumdosen haben im Vergleich zu Glas-Einwegsystemen und bezogen auf 1 kg Verpackung um mehr als 20 % höhere CO2-Emissionen.

In Bezug auf weitere Umweltwirkungen wie z.B. abiotischer Ressourcenverbrauch, Versauerungs-, Eutrophierungs- oder Photochemisches Oxidantienbildungspotenzial haben Glas-Einwegflaschen und Getränkekartons unterschiedliche positive und negative Auswirkungen. Eine Meta-Studie zeigt deutlich günstigere Ergebnisse von Getränkekartons hinsichtlich Energiebedarf bzw. Fossilenergieverbrauch, Versauerungspotenzial und Treibhausgasemissionen. Für andere Umweltwirkungen wie z.B. Eutrophierungspotenzial können keine eindeutigen Aussagen gemacht werden, da die Ergebnisse der wenigen bisher gemachten Studien hohe Schwankungsbreiten aufzeigen.

Nachhaltige Verpackung

Eine „Nachhaltige Verpackung“ bedeutet „wieder verwenden“ statt „neu produzieren“, da weniger Ressourcen verbraucht werden und weniger Energie aufgewendet werden muss, um eine Verpackung anzufertigen.

Ist ein Mehrwegsystem nicht möglich, sind Getränkekartons (wie Elopak und Tetra pak) vom derzeitigen Stand der Wissenschaft sicherlich eine Alternative, weil einige Bestandteile aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen werden.

Wenn Getränkekartons getrennt gesammelt und in die einzelnen Bestandteile aufgetrennt werden, müssen nur geringere Anteile eines Getränkekartons (der Plastikfilm) thermisch verwertet werden und andere Bestandteile können noch genutzt werden (der Karton selbst oder das wiedergewonnene Aluminium als Bauxitersatz, das bei manchen Getränkekartons zum Einsatz kommt), wodurch sich die Ökobilanz zusätzlich verbessert.

Fazit

Umweltschonendste Verpackung für Getränke

  1. Mehrwegflasche Glas
  2. Mehrwegflasche Plastik
  3. Getränkekarton
  4. PET-Flasche
  5. Einweg Glasflasche
  6. Weißblech- bzw. Aluminiumdosen

Somit ist Glas einerseits Gewinner als auch Verlierer. Mehrwegsysteme sprich das Wiederverwerten und Vermeiden führen die Rangliste wie erwartet an. Die bereits allseits bekannte umweltschädliche Dose bildet auch bei der CO2-Bilanz das absolute Schlusslicht.

Quelle der Berechnungen:

Dr. Thomas Lindenthal, Mag.a Michaela C. Theurl, Mag.a Theresia Markut

Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL)

Doblhoffgasse 7/10

A-1010 Wien

FiBL Österreich berechnet CO2- Bilanz, Wasserbedarf und Biodiversitätswerte für Zurück zum Ursprung Produkte.

Über GastautorIn
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  • Alibi Orangerl

    CO2-Augenauswisch- und Geld-Macherei: http://www.whydontyoutrythis.com/2013/05/global-warming-debunked-nasa-report-verifies-carbon-dioxide-actually-cools-atmosphere.html

    Dafür entält Plastik/Kunststoff Gift welches Mensch und Tier krank macht bzw sogar unfruchtbar: ARTE-Doku „Unser täglich Gift“ http://www.youtube.com/watch?v=rz3BMJXlTig

    Somit ist dieser Vergleich kein „echter“…

    • In dieser Forschung geht es eben nur um CO2. Nicht um Schädlichkeit von Plastik. Das ist natürlich wieder ein anderes Thema!

      • Lieschen

        Aber erwähnen müssen Sie schon die Schädlichkeit, denn Otto Normalverbraucher und Lieschen Müller haben sonst eventuell Probleme mit der Auswertung.

        • Ich setze einen Artikel über die Schädlichkeit von Plastik auf meine Liste. Die Studie, die ich hier veröffentlicht habe, untersuchte jedoch nur die CO2 Bilanz.

        • Die Schädlichkeit von Plastik, mittlerweile gibt es jetzt mehrere Artikel dazu: neu ist dieser Bisphenol A http://blog.wernerlampert.com/2013/11/bisphenol-a/

  • Guest

    Aha, unliebsames wird also hier zensuriert, interessant…

  • WENDI

    Danke für den Artikel! Wir finden: Glas ist besonders schön, wenn man es für Lebensmittel nutzt! Mit dem von uns entwickelten WENDI-Einkochball lassen sich Obst, Gemüse, Fleisch und vieles mehr sehr lange und biologisch natürlich konservieren. Manche Lebensmittel sogar im ROHzustand. Und nach dem „Einglas’ln“ wird keine Energie mehr benötigt wie für Gefriergut.

    http://www.youtube.com/watch?v=z774JsP0-Oo

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  • Griswold

    Wo ist in dieser Studie der Transportweg berücksichtigt? Ohne die Berücksichtigung des Transportweges macht diese CO2-Analyse der überhaupt keinen Sinn. Oder wollen Sie mir ernsthaft erzählen, dass die CO2-Bilanz günstiger ist, wenn ich z.B. ein Beck’s Bier in Wien aus einer Glas-Mehrwegflasche als aus einer Dose trinke? Es ist günstiger, Glas-Mehrwegflaschen 1000 Kilometer zwischen Bremen und Wien hin- und herzukarren, als eine (extrem leichte) Weißblech- oder Aludose zu nutzen? No way. Außerdem: Im Fließtext wird betont, das in der Aluminiumschicht der Getränkekartons enthaltene Bauxit könne recycled werden, was wiederum die Ökobilanz von Getränkekartons verbessere. Ähm, ja, und wo ist dieser Faktor nun bitte für Aludosen berücksichtigt, die sich hervorragend recyclen lassen?!
    Abgesehen davon halte ich die Zahlen von „bis zu 50 Wiederbefüllungen“ einer Mehrwegflasche für extrem geschönt. Gibt es zu den Umläufen DETAILLIERTE Angaben, oder arbeitet man hier einfach mit Wunschwerten?

    Sorry, aber diese „Studie“ liest sich wie ganz üble Propaganda der Mehrweglobby.

    • Niko L

      „Mehrweglobby….“ was für ein Schwachsinn. Nur pseudokritische Fragen zu stellen, ist in diesem Ton nicht angebracht. Wenn sie schon so schön anklagen können, dann beantworten sie sich und uns ihre Fragen doch selbst. Die Studie ist eingegrenzt und erhebt keinen Anspruch auf umfassende Aussagen. Dementsprechend geht ihr Posting am Thema vorbei und ist nur dummes, weil nicht zukunftsweisendes „Antiressourcenschongewäsch der Einweglopbby“ ^^

    • Erika Mayerhuber

      Nachhaltiges Handeln bezieht doch immer auch die Transportwege mit ein. Wie viel Sinn macht es, in Österreich deutsches Bier zu trinken? Die Auswahl eines regionalen Herstellers ist bei mir immer auch ein Kaufentscheid. Egal, ob Bier, Mineralwasser, Obst oder Fleisch. Hier spart man am effektivsten CO².

      • Na klar! wenn das österreichische Bier dann auch noch aus der Pfandflasche kommt, ist es perfekt :)

  • Ja, welche Getränkeverpackung am besten ist, ist eine umstrittene Frage. Für die Umwelt scheint die PET-Mehrwegflasche knapp auf Platz 1 zu sein.

    http://images.umweltberatung.at/htm/getraenkeverpackungsranking-Infobl-Abfall.pdf

    Unverständlich, dass PET-Mehrweg in Österreich eingestellt wurde. In Deutschland sind diese Flaschen meines Wissens noch im Einsatz.

    Für die Produktqualität ist Glas am besten. Eine Gesundheitsgefahr durch PET-Flaschen glaube ich allerdings nicht.

    http://sedl.at/Plastikflaschen#Gesundheit

  • And Pur

    Dass sich „Hofer“ kein Mehrweg-System „antun“ will (zu kostspielig), ist wohl der eigentliche Grund…
    Und, es geht bei „Bio“ nicht nur um die „CO2-Umweltschonung“, sondern auch um die Dinge, die sich aus dem Plastik ins Wasser lösen, darin können mehr als BPA enthalten sein: https://www.wasserklinik.com/…/weichmacher-pet-flaschen/
    Ausserdem werden die Plastik-Flaschen nicht immer ordentlich entsorgt, dann gibts eben doch einen „ordentlichen Fußabdruck“: http://orf.at/stories/2086419/2086421/

  • Maria

    Mir fehlt noch ein Teilaspekt in der Studie – nämlich was mit dem Abfall passiert. Plastik braucht 500 Jahre um vollständig abgebaut zu werden.

    Einwegglas wird auch in vielen Haushalten für Einkochen weiterverwendet.

    Die Umweltschäden aus dem Abbau von Aluminium im Getränkekarton fehlen auch in der Ökobilanz.

    Das Thema ist extrem schwierig. Am besten gar keinen Müll verursachen!

    lg
    Maria

    • das stimmt absolut… Verbrauch reduzieren wäre am besten!