Bhutan: Tradition und Fortschritt vereint

Tempel in Bhutan Quelle: www.bhutantour.bt

Die meisten kennen den Binnenstaat Bhutan in Südasien gar nicht. Doch jetzt zeigt gerade dieser kleine Staat den Zukunftsweg vor: Bhutan möchte der erste Bio-Staat weltweit werden.

Der Zwergenstaat Bhutan ist für seine schöne Landschaft, viel Wald und vor allem für das Himalaya-Gebirge, das den Staat umringt, bekannt. Der Staat, der mit ca. 40.000 km² halb so groß wie Österreich ist, ist in vielen Dingen „hinterwäldlerisch“. Bis in die 1960er Jahre war der Binnenstaat vollkommen isoliert, in den späten 1990er Jahren wurde dann schließlich das Fernsehen und Internet eingeführt. Die Bhutaner wählten erst 2008 zum ersten Mal ein Parlament und drei Jahre später fanden die ersten Bürgermeisterwahlen und Kommunalwahlen statt. Doch in einem Punkt ist Bhutan sehr fortschrittlich: im Umgang mit der Natur und ihren Ressourcen. Und darauf baut auch Bhutans nächstes Ziel auf: Bhutan will nämlich der erste Staat sein, der auf Pestizide oder andere chemische und künstliche Düngemittel gänzlich verzichtet. Davon ist Österreich trotz eines Manifests zur Neuausrichtung der Landwirtschaft weit entfernt.

Ideale Voraussetzungen

Offiziell gibt es rund 2.000 Bio-Bauern in Bhutan. Wie hoch die Zahl wirklich ist, kann keiner genau sagen. Denn die Bewohner sind Buddhisten, da gehört es sozusagen zum guten Ton im Einklang mit der Natur zu sein. Künstliche oder chemische Düngemittel passen da nicht ins Bild – sie werden aber auch kaum angewendet. Lediglich auf einer Fläche von etwa 1,5 Prozent des gesamten Agrarlandes werden Spritzmittel eingesetzt. Aber auch wenn es nur eine geringe Fläche ist, genau auf diesen Einsatz von Pestiziden, Fungiziden oder Herbiziden soll nun gänzlich verzichtet werden.

Dadurch soll der erste Bio-Staat weltweit entstehen. Dafür gibt es in Bhutan auch die idealen Voraussetzungen – denn einerseits ist Chemie nicht gerne gesehen und andererseits auch nur schwer verfügbar. In Bhutan gibt es keinen Hersteller von Düngemittel. Düngemittel werden nur vom Ministerium importiert und von offiziellen Ausgabestellen vergeben. Und das vor allem nur im Notfall.

Das Land hat es sich aber zum Ziel gemacht, nicht nur gänzlich auf den Einsatz von Chemie zu verzichten, sondern möchte auch für immer CO2-neutral sein – jetzt ist es sogar CO2-negativ.

Geld ist nur nebensächlich

Das Land verfügt über eine weitere Besonderheit. So ist das Glück der Bewohner mehr wert als alles Geld der Welt. Das zeigt sich auch in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. Anders als in Österreich oder sonst auf der Welt, misst Bhutan nicht das Bruttoinlandsprodukt, sondern das Bruttosozialglück (Gross National Happiness). Das nicht-wachstumsorientierte Wirtschaftsmodell ist sogar in der Verfassung verankert. Laut den Bhutanern kann Wirtschaftswachstum kein Selbstzweck sein, es ist nur Mittel zum Zweck für ein erfülltes Leben. Die Bevölkerung verfolgt damit eine nachhaltige Idee des Wirtschaftens.

Markt in Bhutan Quelle: www.hdwpapers.comDas Bruttosozialglück beruht auf 4 Säulen. Sie gliedern sich in wirtschaftliche Entwicklung, Schutz der Kultur, gute Staatsführung und Naturschutz. Dieser Zugang, dass Glück (der Natur und der Menschen) wichtiger ist als Geld, ist womöglich der Grund warum Bhutan der erste Staat mit rein biologischer Landwirtschaft weltweit sein möchte. Denn zweifelsohne sind die Bhutaner eng mit ihrer Umgebung, mit der Natur verbunden. Sie sind uns, der westlichen Gesellschaft, damit eindeutig einen Schritt voraus. Die Bewohner haben schon erkannt, dass die Erde ihre Ressourcen für die Menschen nur begrenzt bereitstellen kann. Und dass gerade deshalb mit der Natur und ihren Ressourcen nachhaltig und vor allem wertvoll umgegangen werden muss. Die westliche Welt kann somit sehr viel von Bhutan lernen, hoffentlich macht sie es auch!

Über Isabella Schulner
Isabella Schulner wurde 1990 in Zwettl geboren und wuchs im Waldviertel auf. Sie studierte Media- und Kommunikationsberatung an der FH St. Pölten. 2015 schloss sie ihr Masterstudium Management am IMC Krems ab und bearbeitete in ihrer Masterarbeit das Thema Führungskräftekommunikation in Veränderungsprozessen. Seit Februar 2013 ist sie bei Gaisberg Consulting in Wien tätig, davor sammelte sie Berufserfahrung in diversen Praktika bei namhaften österreichischen Unternehmen wie Siemens, Wüstenrot oder Raiffeisen Ware Austria.
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