Ghana – Verlierer im globalen Handel

Weißes Mädchen mit schwarzen Kindern

Vor meinem sechsmonatigen Aufenthalt in Ghana habe ich mich kaum mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandergesetzt und mir beim Einkaufen wenig Gedanken über Herkunft und Qualität der Produkte gemacht.

In Ghana wurde mir zum ersten Mal bewusst, welch drastische Auswirkungen der globale Handel für die Bewohner eines Entwicklungslandes haben kann. Seit einigen Jahren erlebt der Handel mit Hühnerfleisch in Entwicklungsländern einen Aufschwung. Es ist sehr beliebt und wird nahezu überall angeboten – und das zu einem guten Preis. So zahlt man beispielsweise an kleinen Ständen am Straßenrand, an denen Essen zum Mitnehmen angeboten wird und die man an jeder Ecke findet, für eine üppige Portion Reis mit etwas Salat und einem Stück Hühnerfleisch zwischen 1 Euro und 1,50.

Billige Importware zerstört einheimische Bauern

Der Grund dafür, dass es möglich ist, die Geflügelteile in Ghana vergleichsweise billig zu verkaufen, liegt darin, dass es sich bei einem Großteil der Produkte um billige Exportware aus europäischen Ländern handelt, die jene Teile des Huhnes, die dortzulande nicht verkauft werden bzw. als Abfälle gelten, in Entwicklungsländer exportieren. Dort können diese Hühnerteile aufgrund der geringen Importzölle günstig verkauft werden – mit drastischen Auswirkungen für die einheimischen Geflügelfarmen, denen es unmöglich ist, im Wettbewerb mit den importierten Billigprodukten aus dem Ausland konkurrenzfähig zu bleiben. Obwohl das regionale Hühnerfleisch meist qualitativ hochwertiger ist und die Kunden sich dessen bewusst sind, was sie kaufen, entscheiden sich doch die meisten Leute für die billige Variante aus dem Ausland. So kommt es, dass viele Kleinfarmer, die noch vor einigen Jahren ihren Lebensunterhalt mit dem Verkauf von regionalen Geflügelprodukten verdient haben, heute vor dem Ruin stehen, da ihre im Vergleich zu den ausländischen Produkten teure Ware kaum Abnehmer findet.

Doch nicht nur Hühnerfleisch, sondern unzählige andere ausländische Produkte, wie zum Beispiel Obst und Gemüse machen den einheimischen Farmern das Leben schwer – und das, obwohl diese oft ihre Leben lang hart dafür arbeiten mussten, um sich eine Existenz aufzubauen. Sie sind eindeutig die Verlierer des globalen Handels.

Auswirkung des Konsumverhaltens

Es mag uns vielleicht seltsam erscheinen, aber auch wir können mit unserem Kunsumverhalten diesem Trend entgegenwirken und uns dabei selbst noch etwas Gutes tun. Wäre es nicht auch für unser eigenes Leben ein Gewinn, vermehrt auf regionale Produkte zurückzugreifen und damit die Kleinbauern im eigenen Lande zu unterstützen und zudem über die Herkunft des Produktes Bescheid zu wissen? Können wir den Konsum von Produkten einschränken, die aufgrund der langen Exportwege haltbar gemacht werden müssen und oftmals viel von ihrem Eigengeschmack eingebüßt haben?

Erfreulicherweise gibt es heutzutage schon zahlreiche Unternehmen, die vermehrt auf Nachhaltigkeit setzen und ein breites Angebot an qualitativ hochwertigen, regionalen Produkten bieten und uns somit die Möglichkeit geben, mit dem Kauf dieser Produkte einen kleinen, aber wesentlichen Beitrag zu einer gesünderen Umwelt zu leisten.

Wir haben es in der Hand, die Welt nachhaltig zu verändern und im Sinne unserer Mitmenschen auf der ganzen Welt für eine bessere Zukunft zu sorgen.

Autorin

Junges Mädchen mit langen dunkelblonden Haaren

Astrid Kainz wurde 1990 in Zwettl im Waldviertel geboren, wo sie bis zu ihrem Schulabschluss gelebt hat. Sie studiert seit 2009 Meteorologie an der Universität Wien.
Außerhalb ihres Studiums war Astrid im Jahr 2013 sechs Monate lang als Volontärin in Ghana tätig.

Nachhaltigkeit bedeutet für mich…
bewusstes Leben im Sinne unserer Mitmenschen, wertschätzender Umgang mit der Natur, gemeinsam für eine lebenswerte Zukunft zu sorgen

mein persönliches Engagement…
Kauf von regionalen Produkten, vermehrt auf vegetarische Ernährung achten

Über Aktionstage Nachhaltigkeit
Im Rahmen der „Aktionstage Nachhaltigkeit“ der NachhaltigkeitskoordinatorInnen aller Bundesländer und des Lebensministeriums bietet der Werner Lampert Blog eine Öffentlichkeits-Plattform für Nachhaltigkeitsprojekte. 2014 widmet sich der Blog von 4.-14.10.2014 dem außergewöhnlichen Projekt jedesK!ND.
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  • Günter Scheibelberger

    Super Beitrag! Genau dahin soll unsere Zukunft gehen!!!

  • Mario Sedlak

    Ich finde es ziemlich einseitig, Ghana als „Verlierer im globalen Handel“ darzustellen, denn es gibt weniger Bauern als Konsumenten, die von den billigeren Preisen profitieren. Das heißt nicht, dass ich es gutheiße, wie Ghana die Märkte geöffnet hat, aber mir fällt auf:

    – Entweder es wird kritisiert, dass es die lokalen Märkte ruiniert, wenn die Wohlhabenden ihre Überschüsse exportieren
    – oder es wird kritisiert, dass bei uns Lebensmittel verbrannt werden, während gleichzeitig anderswo die Menschen hungern (wie z. B. in dem Video „We feed the world“)
    – aber niemals wird eine Lösung für beide „Missstände“ zugleich angeboten!

    Warum können die Bauern nicht irgendetwas anderes produzieren? Z. B. Produkte, die nur in Afrika wachsen?