Danko: „Nachhaltigkeit muss bequemer werden“

Blonder junger Student

Benedikt Danko im Gespräch mit Isabella Schulner zu „Nachhaltigkeit und die junge Generation“.

Nachhaltigkeit setzt sich aus unterschiedlichen Bereichen zusammen. Was bedeutet für dich persönlich Nachhaltigkeit?

Benedikt Danko: Eine einheitliche Definition ist sehr schwierig. Es gibt verschiedene Aspekte, die den Begriff Nachhaltigkeit prägen. Dennoch: Nachhaltigkeit bedeutet für mich bewusst zu leben. Wenn ich bewusst lebe, bewusste Handlungen setze, dann bin ich mir auch im Klaren darüber, welche Auswirkungen das auf meine Umwelt hat. Da ich auf dem Land aufgewachsen bin, habe ich einen starken Bezug zur Natur und Umwelt. Um diese zu schützen, probiere ich einen nachhaltigen Lebensstil so gut wie möglich in meinem Alltag zu integrieren. Nun wohne ich in Wien und versuche hier nachhaltige Lebensmittel zu beziehen, Müll zu trennen oder auch öffentliche Verkehrsmittel zu verwenden.

Ist Nachhaltigkeit wichtiger denn je?

Benedikt Danko: Wir stehen vor einem großen Problem – dem Populationssprung. Vor rund 60 Jahren gab es wesentlich weniger Menschen. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich dieses Bild drastisch verändert. Und so auch unser Lebensstil – er ist viel ressourcenintensiver als jemals zuvor. Eine stetig steigende Bevölkerung wirkt hier natürlich als Multiplikator. Meine Urgroßmutter lebte nachhaltiger als wir heute, sie hatte auch noch ein anderes Bewusstsein für Nachhaltigkeit und es war damals auch eine Kostenfrage. Die ältere Generation ist nicht wegen einer Kleinigkeit zig Kilometer mit dem Auto gefahren – lebte allgemein viel ressourcensparender. Es ist schon lange an der Zeit umzudenken. Ich denke, wir können so nicht weiter machen und müssen jetzt Handlungen setzen. Um auch eine Wirkung zu erzielen, müssen wir uns zusammenschließen. So können wir auch eine Veränderung bewirken.

Was ist an unserem derzeitigen Lebenswandel problematisch?

Benedikt Danko: Vielen Menschen ist noch nicht bewusst, was sie mit ihrem derzeitigen Lebensstil anrichten. Sie wissen nicht, welche Auswirkungen es hat, beispielsweise Weintrauben auch im Winter zu essen. Das Problem ist, dass die Folgen und Auswirkungen unseres derzeitigen Lebensstils uns selbst nicht primär betreffen, sondern erst die nächste oder übernächste Generation. Die Konsequenzen unseres Verhaltens sind nicht sofort spürbar, denn sie treten erst verzögert, in 20-30 Jahren, ein. Die Menschen denken leider zu kurzfristig. Gerade große Unternehmen bzw. Kooperationen spielen hier eine große Rolle – sie sind das große Übel unserer Gesellschaft, da sie zu sehr über unser Leben, aber auch oft über die Politik bestimmen können. Genau diese Kooperationen hätten aber die benötigten Mittel, um eine Veränderung einzuleiten. Derzeit ist Nachhaltigkeit oft nur ein Marketingthema – das ist noch zu wenig. Vor allem wenn Unternehmen zwar Nachhaltigkeit kommunizieren, aber dennoch ihr normales Programm weiterfahren. Solange es diese Machtverteilung gibt, wird Nachhaltigkeit schwer umsetzbar sein.

Probleme aufzeigen alleine hilft uns nicht weiter. Wie schaut aber die Lösung für dieses Problem aus?

Benedikt Danko: Was wir als Konsumenten können, ist beispielsweise der Verzicht von gewissen Produkten, die nicht nachhaltig produziert werden. Wenn das jeder von uns macht, entsteht eine Massenbewegung und wenn das weltweit passiert, dann haben auch die großen Unternehmen einen Grund ihr Sortiment umzustellen.

Wie sollen Unternehmen das bewerkstelligen?

Benedikt Danko: Es gibt zu viele Auswahlmöglichkeiten. Daher müssen Entscheidungen für Konsumenten einfacher gestaltet werden – beispielsweise wenn Preise angeglichen oder wenn nur mehr nachhaltige Produkte am Markt angeboten werden. Das kann aber wiederum nur geschehen, wenn sich Unternehmen von einer rein profit-orientierten Sichtweise abwenden und einen größeren Fokus auf Nachhaltigkeit legen und damit auch mehr soziale Verantwortung für Mensch und Umwelt übernehmen. Das werden die meisten Unternehmen aber nicht so schnell machen – das ist leider der Haken. Die Politik hätte die möglichen Werkzeuge und auch die Verantwortung, große Unternehmen in Zugzwang zu bringen, ausschließlich nachhaltige Produkte zu produzieren und zu verkaufen. Gezielter Lobbyismus und zu viele Politiker ohne Verantwortungsbewusstsein, um es so auszudrücken, verhindern dies leider noch.

Aber ist es nicht die Aufgabe von uns selbst etwas zu verändern? Wäre es nicht zu einfach, Unternehmen den schwarzen Peter zuzuschieben?

Benedikt Danko: Ja, ich möchte nicht die Verantwortung von uns Konsumenten abstreiten. Jetzt findet ein Bewusstseinswandel statt und das ist der erste Schritt, der Anfang. Aber damit ist das Problem noch lange nicht gelöst. Der Mensch ist bequem, er ist von Natur aus faul und egoistisch. Er nimmt nur ungern einen Mehraufwand in Kauf, ohne dafür eine direkte Gegenleistung zu bekommen. Wenn es zwei verschiedene Varianten gibt, wird man sich immer für den leichteren Weg entscheiden. Nachhaltigkeit ist eben nicht gleich spürbar – was einem nicht direkt tangiert und erst in 20 Jahren eintritt, hat zu wenig Anreiz, um sofort das Verhalten zu verändern.

Inwiefern können Digitale Medien jungen Menschen helfen, Nachhaltigkeit weiter voranzutreiben?

Benedikt Danko: Digitale Medien sind Multiplikatoren in der Kommunikation, das Problem ist nur, dass es zu viele Informationen gibt. Oft wissen wir nicht, welche Informationen für uns relevant sind und welche nicht. Wichtige Informationen werden so oft nicht mehr wahrgenommen.

Wie sieht die Situation bei neuen Technologien aus? Wie können RFID, Apps, etc. für Nachhaltigkeitszwecke eingesetzt werden?

Benedikt Danko: Neue Technologien helfen uns dabei effizienter zu leben. Wenn jeder von uns effizient leben würde, würde es diese Fragestellung nicht geben. Aber die Menschheit ist leider auch sehr faul. Technologien können uns Menschen helfen, trotz Bequemlichkeit nachhaltig zu leben.

Was muss deiner Meinung nach geändert werden, damit Nachhaltigkeit „massentauglich“ wird? Und wie sieht unsere Zukunft aus?

Benedikt Danko: Allen voran die Menschen selbst. Es darf nicht aufwendiger sein, nachhaltig zu leben als eben nicht-nachhaltig zu leben. Hier können uns Unternehmen unterstützen. Nachhaltigkeit muss in diesem Sinne bequemer und vor allem leichter zugänglich werden. In Zukunft konsumieren wir idealerweise nur noch nachhaltig hergestellte Produkte.

Benedikt Danko; WU Student, Management Board TechNatives

Benedikt wuchs in Südafrika auf und studiert momentan internationale Betriebswirtschaft an der WU Wien. Er möchte sich in den Bereichen International Business und Marketing spezialisieren. TechNatives bietet ihm eine Plattform mit Menschen zu kommunizieren und sie über internationale Trends im digitalen Bereich zu informieren.

Über Isabella Schulner
Isabella Schulner wurde 1990 in Zwettl geboren und wuchs im Waldviertel auf. Sie studierte Media- und Kommunikationsberatung an der FH St. Pölten. 2015 schloss sie ihr Masterstudium Management am IMC Krems ab und bearbeitete in ihrer Masterarbeit das Thema Führungskräftekommunikation in Veränderungsprozessen. Seit Februar 2013 ist sie bei Gaisberg Consulting in Wien tätig, davor sammelte sie Berufserfahrung in diversen Praktika bei namhaften österreichischen Unternehmen wie Siemens, Wüstenrot oder Raiffeisen Ware Austria.
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  • Filipe da Silva

    Hallo, dem Artikel hat mir sehr gefallen. Ich habe mit der Geburt meiner Kinder vieles überdacht. Ich wollte dass meine Kinder gesund aufwachsen und Ihnen eine unbelastete Umwelt hinterlassen. Darum habe ich mich an WeGreen engagiert. WeGreen bietet die Möglichkeit Produkte zu finden, deren Herstellung weder der Umwelt noch anderen Menschen unnötig Schaden zufügt. Schauen Sie sich um auf http://wegreen.de/de/about/method Filipe