Spiel mit den Kulturen – Improvisationstheater zur Förderung des interkulturellen Dialoges

Vielfältige bunte Gruppe, Menschen verschiedener Nationen

„Was entsteht, wenn viele Menschen mit den individuellsten Biografien, unterschiedlichsten kulturellen Hintergründen und verschiedensten Abstammungen aufeinander treffen? Streit? Vielleicht. Ignoranz? Möglich. Theater? Auf jeden Fall! Denn Theater kann nur dort entstehen, wo es Unterschiede gibt.“

Erschienen auf http://jonathanachtsnit.wordpress.com/

Im Dezember 2012 engagierte sich eine kleine Gruppe von vielfältigen Menschen unter meiner Leitung und beschloss über 9 Monate hinweg intensiv an einem interkulturellen Projekt namens „Spiel mit den Kulturen, kurz SpiKu“ zu arbeiten. Unser heterogenes Leitungsteam setzte sich aus einer Musikpädagogin, einem Improvisationsschauspieler, einer Schauspielerin, einem Computerspielprogrammierer, einem Physiotherapeuten und einem Informatiker zusammen.

Ziel des Projektes war es, eine diverse Gruppe von jungen Menschen der unterschiedlichsten Kulturen für einen “interkulturellen Dialog” zu gewinnen. Internationale Migration und Integration lassen immer wieder Spannungsfelder entstehen, welche wir (schau-)spielerisch erforschten. Es sollte darüber hinaus durch die Begleitung der Gruppe junger Menschen eine geistige Plattform entstehen, durch welche die Begeisterung für (Improvisations-) Theater und Interesse an der Auseinandersetzung mit verschiedenen Kulturen geweckt wird.

Unsere neue Definition von Kultur

Kultur ist jener identitätsstiftende Moment, der ein Individuum vom nächsten unterscheidet. Sie setzt sich aus persönlichen Lebenserfahrungen in Bereichen wie Erziehung, Religion, Philosophie, Politik und Gesellschaft, Kunst, Sprache und Nationalität zusammen.

Jeder Mensch hat somit seine eigene Kultur und seinen eigenen kulturellen Hintergrund, der manchmal ähnlicher, manchmal verschiedener sein kann. Ähnlichkeit entsteht bei ähnlicher Wahrnehmung der Realität, welche Auswirkung auf unser Erleben, Denken und Handeln hat. Die Wahrnehmung des Menschen ist wiederum durch alle Lebenserfahrungen geprägt.

Der Aspekt der Diversität ist in diesem Zusammenhang eine Ressource, keinesfalls eine Blockade.

Leitfaden unseres interkulturellen Projektes

  • Vorbereitung

Die Vision war es eine möglichst diverse und heterogene Gruppe aufzustellen.

Menschen mit und ohne Migrationshintergrund mit unterschiedlichen Muttersprachen wurden durch gemeinsames Theaterspielen, Improvisieren und andere Aktivitäten, wie ein Theaterbesuch und Picknicks zusammengebracht.

Theatrale Methoden sollten besonders den Mitwirkenden, die aufgrund ihres Theatergruppe macht Bewegungkulturellen Hintergrundes oder ihrer Sprachentwicklung Ausdrucksschwierigkeiten hatten, die Möglichkeit geben, sich mitzuteilen und ihre Persönlichkeit und Sprache zu entwickeln. Der Stresslevel bei der Ausführung der deutschen Sprache sollte gesenkt werden, sodass eine Aufführung vor Publikum zum persönlichen Erfolgserlebnis würde.

Zusätzlich wurden sogenannte „Impro-Skills“ vermittelt, wodurch eine qualitativ hochwertige interkulturelle, multilinguale Improvisationsshow möglich wurde. Es wurde frontaldidaktischer Unterricht vermieden und das Gefälle zwischen LeiterInnen und TeilnehmerInnen verschwand fast völlig. Es wurde versucht, jede Anleitung in alle möglichen Fremdsprachen zu übersetzen und durch mehrere anwesende LeiterInnen etwaige Missverständnisse zu beseitigen.

  • Durchführung

Aus zwei Kennenlern-Workshops bildete sich eine Gruppe von 18 jungen Menschen mit den verschiedensten Motivationen am Projekt teilzunehmen.Heterogene Gruppe beim Improvisationstheater

In den darauffolgenden Workshop-Modulen wurde zunächst durch Improvisations- und Gruppenspiele der Aufbau einer Gruppenidentität gefördert, wodurch auch die Hemmschwellen voreinander gesenkt werden konnten.

  1. Modul: Vorurteile gegenüber verschiedenen Kulturen
  2. Modul: Leben miteinander, Status und Zugehörigkeit diverser Gruppen, Ausgrenzung in gesellschaftlichen Kontexten
  3. Modul: Sprache und Sprachlosigkeit- Arbeit vorrangig pantomimisch, gesanglich und ohne Sprache. Wenn Sprache verwendet wurde, dann jeweils die eigene Muttersprache.
  4. Modul: Biografietheater und politisches Theater- TeilnehmerInnen inszenierten Geschichten aus ihrer Kindheit. Der abstrakte Begriff „Interkulturalität“ wurde theatral in Szene gesetzt.
  • Aufführungen

Am Ende des Projektes fanden zwei Aufführungen statt, die in Form einer Werkschau durchgeführt wurden. So wurden die im Projekt entwickelten und teilweise abgeänderten Improvisationsspiele vor einem Publikum von insgesamt über 200 Menschen gezeigt.

An den jeweils 2 stündigen Abenden wurden über 15 Sprachen auf der Bühne Aufführung in einem Theater, Publikumgesprochen und über 30 Szenen beklatscht. Durch diese Aufführungen konnte nun auch das Publikum einen einfachen Zugang zu gelebter Interkulturalität erfahren und einen Eindruck über die gegenwärtige gesellschaftliche Diversität gewinnen.

  • Ausblick

Demnächst wird aus dem Videomaterial, das während der Workshops, der Aufführung und Einzelinterviews gesammelt wurde, ein Trailer zusammengestellt, der das Projekt – visuell auf den Punkt gebracht – zusammenfasst. Dieser wird auf meinem Theater Blog zu sehen sein.

Das Projekt „SpiKu – Spiel mit den Kulturen“ hat einen kleinen Beitrag zum bildungs- und gesellschaftspolitischen Diskurs zu heiklen Themen wie Integration und Interkulturalität geleistet. Interkulturelle Kompetenz konnte sowohl bei LeiterInnen, TeilnehmerInnen als auch dem Publikum aufgebaut werden.

Ein konstruktives gemeinsames Zusammenleben in einer heterogenen Gesellschaft ist Realität und möglich.

Autor

Junger Mann mit Bart und moderner Frisur

Jonathan Achtsnit ist ein junger Theaterpädagoge in Ausbildung. Bereits 2004 begann er selbst Theater zu spielen. Er absolvierte ein Bachelorstudium der Bildungswissenschaften an der Universität Wien, und begann ein Bachelorstudium für Theater-, Film- und Medienwissenschaft. Ende 2012 gründete er das Projekt SpiKu und trainierte eine interkulturell diverse Gruppe.

Momentan studiert Jonathan in Berlin an der Universität der Künste den Masterstudiengang Theaterpädagogik und arbeitet nebenher an neuen Projekten. Außerdem betreibt er einen eigenen Blog, wo er diese vorstellt: http://jonathanachtsnit.wordpress.com/

 

Über Aktionstage Nachhaltigkeit
Im Rahmen der „Aktionstage Nachhaltigkeit“ der NachhaltigkeitskoordinatorInnen aller Bundesländer und des Lebensministeriums bietet der Werner Lampert Blog eine Öffentlichkeits-Plattform für Nachhaltigkeitsprojekte. 2014 widmet sich der Blog von 4.-14.10.2014 dem außergewöhnlichen Projekt jedesK!ND.
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