Lügen sind nicht zukunftsfähig

Mehrere Säcke mit Fairtradelogo und 2 Arbeiter beim Verladen

Ich fordere die Konsumenten auf, der Umwelt ein „Trinkgeld“ zu geben. Heute will ich schreiben, was ich mir von den Unternehmen im Gegenzug für das „Trinkgeld“ erwarte.

Zunächst eine Erklärung, was ich mit „Trinkgeld“ meine: Wenn ich Kristallzucker aus Bio-Rüben kaufe, bekomme ich das gleiche Produkt wie aus konventioneller Landwirtschaft, zahle aber doppelt so viel. Ich mache eine Spende, damit der Anbau der Großes Feld mit grünem und roten SalatRüben auf nachhaltige Weise erfolgen kann. Üblicherweise unterscheiden sich Bio-Produkte aber auch in ihrer Qualität von konventionellen Produkten. Z.B. hat Bio-Obst eine geringere Pestizidbelastung und im Bio-Fleisch finden sich weniger Medikamentenrückstände. Mir ist dieser Vorteil jedoch nicht so wichtig, dass ich deswegen für Bio-Kirschen und ein Bio-Schweinsschnitzel bis zu viermal so viel wie für konventionelle Qualität ausgeben würde. Die Differenz zum billigsten Produkt betrachte ich daher zum überwiegenden Teil als Spende – d. h. ich sehe keine unmittelbare Gegenleistung für den Aufpreis.

Ganz klar eine Form der Spende ist meines Erachtens der Kauf von Ökostrom: Der Strom, der aus der Steckdose kommt, ändert Runde Steckdose auf blauem Hintergrundsich nicht, wenn man den Stromanbieter wechselt.

Und schließlich: Auch beim „fairen Handel“ macht man eine Spende für einen guten Zweck. Dass die Arbeiter besser bezahlt werden, schlägt sich zwar manchmal in einer höheren Produktqualität nieder, aber wenn die allein den höheren Verkaufspreis rechtfertigen würde, könnten sich die Hersteller die Spesen für das Fair-Trade-Gütesiegel sparen. Ob es den Empfängern des Aufpreises gefällt, wenn wir von „Spenden“ sprechen, soll an dieser Stelle dahingestellt bleiben. De facto sind es Spenden, denn wer freiwillig mehr als den Marktpreis bezahlt, der macht per Definition eine Spende.

Als Logiker will ich alle Empfänger von Spenden gleich behandeln. Von einer Spendenorganisation will ich genau wissen, was sie mit meiner Spende macht. Wenn sie versucht, mich mit Halbwahrheiten über den Tisch zu ziehen, dann werde ich sie nicht mehr unterstützen. Die gleichen Maßstäbe lege ich an alle Firmen, die für ein Produkt mehr Geld haben wollen, als das Produkt an sich (ohne Siegel) wert wäre.

Von Bio-, Öko- und Fairtrade-Firmen darf der Kunde eine hohe Transparenz und kompromisslose Ehrlichkeit erwarten. Eine Werbung mit idyllischen Welten, die mit der Wirklichkeit wenig gemeinsam haben, ist in diesem Sektor fehl am Platz und nicht durchsichtig. Das müssen einige Firmen und deren Verbände noch lernen.

Natürlich ist es verlockend, mit den Argumenten zu werben, die den Verkauf am meisten fördern, und jene Bereiche, wo man weniger vorbildlich agiert, konsequent unter den Teppich zu kehren. Aber Lügen haben kurze Beine! Wir leben glücklicherweise in einem Land mit Presse- und Redefreiheit. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Wahrheit ans Licht kommt.

Etwas ausgewachsener grüner SalatUnd wie wird sich dann der „Spender“ wundern, wenn er erfährt, dass bei einem Test ausgerechnet im Bio-Salat die meisten Pestizide gefunden wurden? Hat es nicht immer geheißen: „Bio-Bauern spritzen nicht“? Mit proaktiver, ehrlicher Kommunikation wäre dieser „Skandal“ vermeidbar gewesen.

Was denkt sich wohl der umweltbewusste Stromkunde, wenn er erfährt, dass sein Strom nur durch Umetikettierung „sauber“ geworden ist?

Wieso erfährt man erst in einer Dokumentation, dass von „fairem Handel“ bereits dann gesprochen wird, wenn Plantagenarbeiter 8 statt 6 Euro am Tag bekommen? Also ich hätte mir „gerechte Bezahlung“ anders vorgestellt.

Wenn die große Empörung da ist, dann finden manche Anhänger der guten Sache schnell den Buhmann: Das ist in ihren Augen natürlich der Überbringer der schlechten Botschaft! Damit handeln sie dann wie die Lobbys, die alles verteufeln, was gegen fossile Energie, Zigarettenrauchen, Autofahren usw. spricht. Die Glaubwürdigkeit ist erschüttert. Aber gerade die Bio-, Öko- und Fair-Trade-Firmen brauchen Glaubwürdigkeit und transparentes Handeln mehr als alles andere. Ohne Glaubwürdigkeit gibt es keine „Spender“ und damit auch keinen Umsatz.

Es müsste klar sein: Nur die Wahrheit ist zukunftsfähig!

Über Mario Sedlak
1975 in Wien geboren, 2000 Abschluss des Studiums der Technischen Mathematik an der TU Wien, seit 2008 Fachexperte in der Stromwirtschaft
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