Bio vs. konventionell – Kann uns Bio ernähren?

großes Feld mit Salat

Kritiker versuchen immer wieder zu beweisen, dass die biologische Landwirtschaft die Welt nicht ernähren kann. Oftmals wird ein geringer Ertrag genannt, oder auch, dass sie zu teuer ist. Viele Studien beweisen aber das Gegenteil.

Ertrag/ Produktivität/ Effizienz

Die Ressourcennutzung von biologischen Anbausystemen ist viel effizienter als vergleichbare konventionelle Anbauweisen. Es muss viel weniger Energie aufgewendet werden um die selbe Menge Ertrag zu produzieren. Diese effizientere Nutzung ergibt sich aus einem weitaus intakteren Bodenökosystem in der biologischen Landwirtschaft (Mäder et al. 2002).

TomatenEs ist sogar so, dass die biologische Anbauweise in Bezug auf den Ertrag mit der konventionellen Landwirtschaft fast gleichzieht, wenn sie optimiert durchgeführt („Best Practice Management“), geeignete Feldfrüchte gewählt und die Stickstofflimitierung weitestgehend ausgeschaltet wird (Seufert et al. 2012).

Eine Studie aus South Dakota zeigt, dass biologisch angebaute Sojaproduktion profitabler ist als konventionell angebaute. Die größten Ersparnisse und Vorteile ergeben sich durch den Verzicht auf chemische Pestizide und Düngemittel und die bessere Leistung der biologischen Landwirtschaft in Trockenjahren (Welsh, 1999, Vasilikiotis 2000).

Italienische Wissenschaftler verglichen mehrere Studien über die Energieeffizienz von konventioneller und biologischer Landwirtschaft. Die biologische Landwirtschaft war um 10 bis 70% energieeffizienter pro Hektar und um 15 bis 45% effizienter pro Tonne Ertrag. Diese gravierenden Unterschiede ergeben sich erneut durch den Verzicht von N-Dünger, der bis zu 50% des Energieverbrauchs ausmachen kann, den Verzicht von Mineraldünger, geringere Verwendung von energieaufwendigen Futtermitteln und das Verbot von Pestiziden und Herbiziden (Gomiero et al. 2008).

Keine Pestizide

Pestizide können eine Vielzahl an Krankheiten auslösen, wie Asthma, Krebs etc., das Immunsystem schwächen, neurologische Veränderungen hervorrufen, sich auf die Reproduktion des Menschen auswirken und vieles mehr (Sanborn et al. 2004).

Das in der ganzen Welt eingesetzte Herbizid „Roundup“ hat nachweislich einen negativen Effekt auf die menschliche Reproduktion und die fötale Entwicklung. Die chemische Zusammensetzung scheint in Bezug auf ihre giftigen und hormonellen Auswirkungen unterschätzt zu werden (Benachour et al. 2007).

Bauern sind den Pestiziden am meisten ausgesetzt. Neben allergischen Hautreaktionen treten auch sehr ernste Hauterkrankungen bis zu Hautkrebs (Bowen-Karzinom)  auf (Spiewak 2001).

Auch auf die, für die Bestäubung so wichtige Honigbiene nehmen Pestizide einen starken Einfluss. Selbst eine nicht letale Dosis an Thiamethoxam (Neonicotinoides Pestizid) kann eine Bienenkolonie zum Kollabieren bringen (Stokstad 2012).

Boden

Nahaufnahme einer Hand, die mit dunkler Erde gefüllt istDie biologische Landwirtschaft schneidet in Bezug auf die Bodenerhaltung wesentlich besser ab als die konventionelle. Der Stickstoffgehalt ist höher und es enthält mehr organische Substanz. Des Weiteren, hatte das konventionelle System einen stärkeren Einfluss auf die Umwelt, da über 5 Jahre 60% mehr Nitrat ins Grundwasser gelangten als bei biologischen Anbausystemen (Gomiero et al 2008).

Durch den besseren Boden waren die biologischen Felder in extremen Trockenjahren viel produktiver als die konventionellen. In der Zeit des Klimawandels sind solche Erkenntnisse besonders wichtig.

In Großbritannien wurden über 150 Jahre Versuchsflächen einerseits mit chemischem Dünger und andererseits mit organischem Dünger behandelt. Die Bodenfruchtbarkeit nahm durch den organischen Dünger um 120% zu, durch den chemischen Dünger nur um 20% (Jenkinson et al. 1994, Vasilikiotis 2000).

CO2

Die biologische Landwirtschaft kann als CO2– Senke dienen. Wenn ganz Europa alternativ bewirtschaftet würde, könnte 0,8% des weltweiten CO2 im Boden gebunden werden. Würde man den Boden nicht mehr mechanisch bearbeiten könnte man die weltweite CO2– Emission um 5-15% reduzieren (Gomiero et al 2008).

Wasser

Die biologische Landwirtschaft gilt unter den derzeit in Mitteleuropa praktizierten Landbewirtschaftungssystemen als die umweltfreundlichste, so leistet sie auch einen aktiven Beitrag zum Grundwasserschutz.

Da keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel zum Einsatz kommen, ist eine Kontamination des Grund- und Trinkwassers durch diese Stoffe ausgeschlossen.

Antibiotika

In der konventionellen Viehwirtschaft kommen Antibiotika in großen Mengen zum Einsatz. Viele werden präventiv und nicht im Falle von Krankheiten eingesetzt. Dies führt zunehmends zu Antibiotikaresistenzen bei Krankheitserregern. Da einige Bakterien, die in Tieren vorkommen auch beim Menschen Krankheiten auslösen (z.B. Salmonellen), ist dies durchaus auch in der Humanmedizin relevant. Es kommt immer häufiger zu sogenannten multiresistenten Krankheitserregern, die im schlimmsten Fall nicht mehr mit den üblichen Antibiotika behandelt werden können (Khachatourians 1998).

Dieser Beitrag gibt nur einen kleinen Überblick über die durch Studien bewiesenen Vorteile von Bio gegenüber konventionell. Werner Lampert sieht die konventionelle Landwirtschaft als gescheitert an, und begründet dies auch in diesem Beitrag: Jetzt lesen.

Über Isabell Riedl
Die Natur hat mich schon als kleines Kind fasziniert. Spätestens als ich aufgrund der Schönheit eines Tieres zu Tränen gerührt war, wusste ich, dass es meine Aufgabe ist, diese Welt und ihre Schönheit zu bewahren. Im Zuge meines Ökologiestudiums lebte ich 2 Jahre in Costa Rica, wo ich dessen Vogelwelt erforschte. Seit Mai 2012 arbeite ich nun bei der Werner Lampert Beratungs GmbH im Bereich der Nachhaltigkeit und verwalte unter anderem diesen Blog. Seit 2016 versuche ich diese Welt für mein Kind Ruben noch mehr zu schützen.
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  • Marlene

    Ergänzung um ein Literaturverzeichnis finde ich dringend nötig wenn im Blog im Text zitiert wird um die vertiefte Reflexion der erwähnten Literatur zu ermöglichen und eine klare Identifikation der Arbeiten zu ermöglichen. Einen Blog ohne Zitate finde ich auch bestens, eine Mischvariante empfinde ich als verwirrend und zum Teil verärgernd, da Interesse geweckt wird, welches dann nicht gestillt wird.

    • Danke für das Interesse! Jede Literaturangabe ist jetzt zu der entsprechenden Studie verlinkt. Viel Vergnügen beim Weiterlesen!

      • Marlene

        Vielen Dank für die rasche Reaktion!!! Ich freue mich auf das Lesen der Studien!!!

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