Erfolgsmodell Waldviertel? – Crowdfunding

Mohnblumen

Das Waldviertel in Niederösterreich ist für mystische Landschaften, Mohn oder etwa Karpfen bekannt, kaum aber für neuartige Finanzierungsformen. Das ändert sich nun. Ob der Schuhunternehmer Heini Staudinger oder Werner Groiß, Plattformbetreiber von Regional Funding Waldviertel, beide sind Verfechter einer neuen Finanzierungsmöglichkeit namens Crowdfunding.

Crowdfunding –„Finanzierung durch die Menge“ oder „Schwarmfinanzierung“ – nennt sich das neuartige Finanzierungsmodell, mit dem zwei Waldviertler Unternehmen auf sich aufmerksam machen. Dabei vergibt nicht eine Bank einen Kredit für ein Projekt oder ein Unternehmen, sondern viele private Investoren. Sie unterstützen ein Vorhaben mit kleineren Beträgen und teilen sich das Risiko. Im Gegenzug erhalten die Investoren Gewinnbeteiligungen oder Zinsen. Dank Internet etabliert sich Crowdfunding zunehmend – vor allem für Start-ups oder KMUs wird diese Form der Finanzierung immer attraktiver.

Bereits 1999 war der Waldviertler Schuhproduzent Heini Staudinger auf der Suche nach Geldgebern für ein Projekt. Die Besonderheit bei diesem Vorhaben: 200 Privatpersonen – Mitarbeiter, Kunden, Freunde oder Bekannte – haben unabhängig von einer Bank knapp 3 Millionen zur Verfügung gestellt. Ein klassisches Crowdfunding-Projekt.

Einen anderen Zugang zu Crowdfunding hat Werner Groiß. Er ist der Betreiber der Plattform Regional Funding Waldviertel (RFW) GmbH, die sich als Anlaufstelle für Unternehmen aus dem Waldviertel versteht. Unternehmen können die Plattform dazu nutzen, ihr Projekt vorzustellen. Sie bringt die Anleger und Kunden zusammen. Nach einem Vorab-Check von Steuer- und/oder Unternehmensberater können Unternehmer ihre Vorhaben präsentieren und so Investoren finden, um gemeinsam das nötige Kapital aufzubringen. Die Grundvoraussetzung ist eine innovative Idee. Investoren erhalten keine Zinsen (wie bei einem herkömmlichen Kredit), sondern beteiligen sich am Unternehmen oder Projekt.

Quelle: https://www.regionalfunding.at/

Quelle: www.regionalfunding.at

Bislang war das Waldviertel eher ein Negativbeispiel für einen perfekten Wirtschaftsstandort: die Bevölkerung schrumpft bzw. wandert nach Wien oder in andere größere Ballungszentren ab, die Wirtschaftskraft geht zurück und die infrastrukturelle Anbindung lässt zu wünschen übrig. Allein der Tourismus gab bis dato Anlass zur Hoffnung. Doch das soll sich nun ändern. Und die beiden vorgestellten Unternehmen tragen zur Veränderung dieser Situation bei. Im Fall von Heini Staudinger bedeutet das, die Schaffung von 30 Arbeitsplätzen und einen Umsatz von 11,5 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Ähnliche Ziele verfolgt auch die RFW GmbH – sie möchte die ortsansässige Wirtschaft nachhaltig stärken. Beide Crowdfunding-Projekte beweisen, dass es möglich ist, einer strukturell schwachen Region neues Leben einzuhauchen. Durch ihr Engagement verbessern sie die Arbeitsplatzsituation in der Region, bauen die Wertschöpfung aus und wirken so der Abwanderung entgegen. Sie zeigen aber auch die Bereitschaft der ansässigen Bevölkerung. Sie ist bereit, etwas zu tun und unterstützt lokale Unternehmen bei ihren Vorhaben.

Über Isabella Schulner
Isabella Schulner wurde 1990 in Zwettl geboren und wuchs im Waldviertel auf. Sie studierte Media- und Kommunikationsberatung an der FH St. Pölten. 2015 schloss sie ihr Masterstudium Management am IMC Krems ab und bearbeitete in ihrer Masterarbeit das Thema Führungskräftekommunikation in Veränderungsprozessen. Seit Februar 2013 ist sie bei Gaisberg Consulting in Wien tätig, davor sammelte sie Berufserfahrung in diversen Praktika bei namhaften österreichischen Unternehmen wie Siemens, Wüstenrot oder Raiffeisen Ware Austria.
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