Faire Bio-Mode und Regionalität – geht das?

Laufsteg mit schlanken Frauen in grün schwarzen Kleidern©Sebastian Marggraf

Es gibt kaum ein Lebensmittelgeschäft in Österreich und Deutschland, das nicht zumindest Obst und Gemüse aus biologischem Anbau und auch andere Bio-Lebensmittel in ihrem Sortiment anbietet. Im Vergleich dazu ist das Angebot an fairer Bio-Mode im österreichischen Handel noch eher minimal.

Eco-Fashion im Aufwind

Gemäß einer GfK-Studie (Gesellschaft für Konsumforschung) von 2012 ist es jedoch für knapp ein Drittel der Befragten in Deutschland „sehr wichtig“, dass Bekleidung und Schuhe ökologisch und sozial gerecht produziert werden. Ein Blick nach Großbritannien zeigt ebenso, dass faire Bio-Mode im Aufwind ist. Denn laut einer Studie des britischen Ethical Fashion Forum (2011) haben die Ausgaben für ethische Güter am britischen Markt von 2009 bis 2011 um knapp 30 Prozent zugenommen. Zudem ist der Verkauf von fair und biologisch gehandelter Mode im Zeitraum von 2009 bis 2011 um mehr als 70 Prozent gestiegen. Dies sind Zeichen dafür, dass faire Bio-Mode das Potenzial hat, aus der Nische heraus zu wachsen.

Der lange Produktionsweg eines Kleidungsstücks

Bio-Lebensmittel sollten bestenfalls aus regionaler Landwirtschaft stammen. Wie sieht es allerdings mit Bio-Mode aus? Wird diese regional produziert? Die Produktion von konventioneller, aber auch Bio-Kleidung, ist immens arbeits- und energieaufwendig. Bis ein Kleidungsstück in unserem Kleiderschrank landet, durchläuft es viele Wertschöpfungsschritte und Länder. Zum Großteil erfolgt die Produktion von Textilien und die Weiterverarbeitung zu Kleidung in Überseeländern, wie z.B. in Indien, China oder Indonesien; angefangen bei der Rohstoffgewinnung, der Textilherstellung und -veredelung, bis hin zum Finishen und Nähen eines Kleidungsstücks. Anschließend wird die Kleidung verpackt und für den Verkauf zu uns nach Europa transportiert. Nach dem Gebrauch wird insbesondere von der jüngeren Generation eine Vielzahl der gekauften Kleidung wieder entsorgt und neue günstige konventionelle Kleidung gekauft.

Ökologisch und sozial gerecht produziert und gehandelt

Gerade aus diesen Gründen ist es sehr wichtig, dass Kleidung ökologisch und sozial gerecht entlang der gesamten Wertschöpfungskette produziert und gehandelt wird. Was ist darunter zu verstehen? Zum Einen müssen ökologische Mindeststandards eingehalten werden. Dazu gehört der biologische Anbau von Rohstoffen, z.B. von Baumwolle, bzw. die Wiederverwertung von Rohstoffen für die Textilherstellung, sowie die Nutzung umweltfreundlicher Methoden bei der Produktion, z.B. beim Färben. Zum Anderen müssen soziale Mindeststandards eingehalten werden, welche die Bezahlung von fairen Arbeitslöhnen, ein Recht auf Kollektivverhandlungen sowie das Verbot von Kinderarbeit und Zwangsarbeit involvieren.

Regional produzierte Bio-Mode ist möglich!

Neben der Produktion von fairer Bio-Mode aus Überseeländern kann die regionale Herstellung von hochwertiger Bio-Mode einen weiteren Schritt in Richtung nachhaltiger Kleidungsproduktion darstellen. Dabei gibt es beispielsweise neben der Stoffherstellung auf natürlicher oder tierischer Rohstoff-Basis, wie z.B. aus Baumwolle, oder Alpaka-Wolle, die Möglichkeit Stoffe aus Cradle-to-Cradle-Materialien herzustellen. Cradle-to-Cradle bedeutet „Vom Ursprung zum Ursprung“ und ist eine Weiterentwicklung von Recycling. Im Unterschied zum Recycling wird bereits bei der Planung eines Produktlebenszyklus über den Materialeinsatz und die Entsorgung bzw. nachfolgenden Gebrauch des „verbrauchten“ Materials/Produkts nachgedacht. Bei Cradle-to-Cradle-Produktionen gibt es zwei Produktionsmöglichkeiten. Das Produkt kann entweder in den biologischen Kreislauf als Humus oder in den technologischen Kreislauf zur Herstellung von neuen Produkten rückgeführt werden. Das bedeutet, dass entweder biologisch abbaubare Kleidung oder Kleidung, welche wieder zur Herstellung von neuer Bio-Kleidung verwendet werden kann, produziert wird. Zusätzlich könnte die Produktion regional erfolgen. Mit diesem Produkt könnte ökologisch, sozial und ökonomisch nachhaltig gehandelt werden.

Teilnahme an meiner Umfrage

Leider kann ich derzeit kein gültiges Rezept für die Zukunft von regionaler Bio-Mode anbieten. Gerade deshalb möchte ich mich im Rahmen meiner Forschungsarbeit näher damit auseinandersetzen – und Sie können mir dabei helfen:

Ich lade Sie herzlich zur Teilnahme an meiner Umfrage zum Thema „Eco-Fashion und regionaler Produktion“ im Rahmen meines Forschungsseminars am Campus Wieselburg der FH Wiener Neustadt, ein. Mit Ihrer Teilnahme leisten Sie einen wichtigen Beitrag, um regional produzierte Eco-Fashion in den Blickpunkt zu rücken. Das Forschungsseminar stellt einen kleinen Teil meiner darauffolgenden Masterarbeit dar und diese Ergebnisse werden in meine weiteren Erhebungen einfließen.

Die Umfrage ist bereits abgeschlossen. Lesen Sie hier das Ergebnis.

Über Raphaela Steiner
Raphaela Steiner (geboren in Feldbach, Steiermark) studierte Betriebswirtschaft an der WU Wien, Internationale Kommunikation und Medien an der Hogeschool Utrecht in den Niederlanden und absolvierte ihr Masterstudium in Organic Business & Marketing am Campus Wieselburg der FH Wiener Neustadt. Den Kernteil ihres Masterstudiums stellten Projektteamarbeiten mit Unternehmen und Studienreisen zum Thema Produktion und Vermarktung von ökologischen und konventionellen Produkten, unter anderem von Lebensmitteln, Kosmetik und Bekleidung, dar. Mit dem Ziel ein Bewusstsein für nachhaltige Kleidung in der Öffentlichkeit zu bilden begann sie während ihres Studiums mit der Produktion von Kurzfilmen und dem Schreiben über Bio-Mode und regionale Produktion.
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