Moderne Hygiene-Kultur versus Nachhaltigkeit – Geht das zusammen?

Sauberes sehr neues Waschbecken

In den westlichen Industrienationen herrschen hohe Hygiene-Standards. Dies gilt sowohl auf individueller Ebene, als auch im öffentlichen Bereich. Hygienestandards wie das “Hazard Analysis and Critical Control Points” Konzept, abgekürzt HACCP, sorgen in Industrie, Handel und Gastronomie dafür, dass wir uns (zumindest meistens) vor unerwünschten Keimen und Bakterien sicher fühlen können.

Und fürwahr: Die Erfolge der „Ultra Hygiene-Politik“ seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts sind außergewöhnlich. Starben 1854 in England noch 60 Prozent aller Menschen an Infektionskrankheiten, ist diese Zahl heutzutage im Vergleich zu anderen Todesursachen verschwindend gering (mehr Infos hier).

Diese Verdienste sind natürlich auch auf Fortschritte in der Medizin zurückzuführen, trotzdem sind sie beeindruckend. Eigentlich sollte jeder auf ganzer Linie überzeugt sein. Aber es gibt auch eine Kehrseite dieser Entwicklungen. Infolge des modernen Hygiene-Booms kommt es zu einer teilweise extrem hohen Umweltbelastung durch Wasch- und Reinigungsmittel.

Das Problem: Umweltbelastung durch Reinigungsmittel

1995 verbrauchten deutsche Haushalte über eine Million Tonnen Waschmittel, Weichspüler und Reinigungsmittel (dabei 220.000 Tonnen Haushaltsreiniger, 260.000 Tonnen Geschirrspülmittel). Zusätzlich sorgten Wasch- und Reinigungstätigkeiten für einen Gesamt-Wasserverbrauch von 600 Millionen Liter. Acht Prozent des Gesamtstromverbrauchs deutscher Privat-Haushalte wurde für Wasch- und Reinigungstätigkeiten aufgewendet (Quelle: Universität Essen/Düsseldorf). Es gilt zu bedenken, dass zu dieser Umweltbelastung noch die Hygiene-Aufwendungen des industriellen Sektors hinzukommen, der natürlich noch wesentlich energieintensiver und mit noch umweltschädlicheren Reinigungsmitteln arbeitet. Die Belastung der Umwelt durch die moderne Hygiene-Kultur ist offensichtlich.

Die Lösung? Ansätze einer nachhaltigen Hygiene-Kultur

Grünes Maxi mit Besen

Quelle: Colourbox.com

Müssen wir uns nun deswegen auf vormoderne Hygiene-Ansprüche beschränken, wenn wir wirklich umweltschonend leben wollen? Wohl kaum, denn auch in Sachen Reinigung haben sich in letzter Zeit immer mehr Menschen Gedanken gemacht und Lösungen entwickelt.

Vor allem im deutschsprachigen Raum setzt sich seit der Jahrtausendwende in immer mehr Privathaushalten die Erkenntnis durch, dass „Sparen“ die wichtigste Devise in Sachen unweltschonendes Reinigen lautet. Die Nutzung tensidhaltiger Waschmittel und reizender/ätzender Reinigungsmittel geht zurück. Auch professionelle Reinigungsfirmen und die Industrie setzen heutzutage vermehrt auf umweltschonendes Arbeiten. Bei entsprechenden Anbietern findet sich meist ein Hinweis auf der Webseite, hier von „Mr Cleaner“ aus München.

Nachdem in den Jahren vor der Jahrtausendwende oft die Chemiekeule angesagt war, werden heutzutage erfreulicherweise immer mehr Reinigungsmittel entwickelt, die frei von schädlichen Chemikalien sind. So überlegt man immer öfters, ob gleich die Chemiekeule zum Einsatz kommen muss, da es zunehmend interessante Alternativen gibt. Für die Flächenreinigung eignet sich zum Beispiel Schlämmkreide, für die Waschmaschine besonders Waschnuss. Besonders erfreulich ist, dass Umweltschutzmaßnahmen zunehmend rationaler betrachtet werden. So ist mittlerweile allseits bekannt, dass Wassersparen in Deutschland unnötig bzw. dem Umweltschutz eher abträglich ist (Einen Artikel hierzu hat beispielsweise „Die Zeit“ geschrieben).

Fazit

Umweltschonende Reinigung und die moderne Hygienekultur müssen sich nicht zwangsläufig ausschließen. Wenn wir alle zusammen helfen, so umweltschonend wie möglich vorzugehen, kann die Umweltbelastung stark reduziert werden. Wie überall beim Umweltschutz kommt es hier auf jeden Einzelnen an!

Weiterhin sollte aber jedem klar sein, dass wenn wir die modernen Hygienestandards halten wollen, es immer Situationen geben wird, in denen umweltschonende Reinigung uns nicht weiter hilft. Vor allem hoch-sensible Bereiche, wie z. B. Krankenhäuser, erfordern weiterhin den Einsatz von Chemie.

Über Robin Brunold
Robin Brunold, wurde 1982 in Regensburg geboren. Nach der Grundschule besuchte er die Rudolf Steiner Schule München-Ismaning und beschloss seine Schulausbildung mit Waldorfschul-Zeugnis und dem externen Abitur. Robin Brunold hat Geschichte und Politik studiert und vor und während seines Studiums in den USA, Thailand und Frankreich gelebt. Er belegte ein dreimonatiges Praktikum bei earthlink e.V. Heute arbeitet er als Marketing-Consultant, Online-Publizist und freier Historiker.
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