Sind Österreicher Nachhaltigkeitsmuffel?

am Rücken liegender rostbrauner Hund

Sind Österreicher Nachhaltigkeitsfans oder doch eher Nachhaltigkeitsmuffel? Schenkt man einer aktuellen Studie Glauben, so sind Herr und Frau Österreicher mehr Muffel als Fans in Sachen Nachhaltigkeit.

Eine neue Studie von Marketagent beschäftigt sich mit der Frage wie nachhaltig ÖsterreicherInnen leben und welchen Stellenwert Nachhaltigkeit bekommt. Dazu wurden mehr als 1000 Österreicherinnen und Österreicher Anfang dieses Jahres befragt. Die Studienergebnisse zeigen: Mehr als drei Viertel der Befragten denken, dass das Konzept „Nachhaltigkeit“ kein vorübergehender Hype ist, sondern zu einem dauerhaften Umdenken in der Gesellschaft führen wird. Die Befragten räumen damit Nachhaltigkeit einen hohen Stellenwert ein. Die Ergebnisse der Studie zeigen aber auch, dass sich die Mehrheit der Befragten als „grüner“ und „fairer“ einschätzen, als sie tatsächlich sind. Nur jeder Zweite fühlt sich selbst verantwortlich für nachhaltige Lösungen.

Aber warum nur jeder Zweite?

Das liegt daran, dass jeder Zweite „die Anderen“ in der Pflicht sieht, anstatt sich selbst. Die Befragten übertragen allen voran dem Staat, aber auch internationalen Organisationen wie der EU bzw. der UNO oder Unternehmen die Verantwortung Nachhaltigkeit breitenwirksam zu verankern. Und wie sehen das nun „die Anderen“? Sind sie der gleichen Meinung?

Grüner Kreis mit Bäumen, Windrädern etc.

Quelle: http://www.green-venture.net/

Die Sicht der „Anderen“

Einer internationalen CEO-Studie zufolge, die von United Nations Global Compact und Accenture durchgeführt wurde, ist Nachhaltigkeit auch für Unternehmen ein wichtiges Thema. Für die Befragung bewerteten insgesamt 1.000 Vorstandschefs in 103 Ländern den Fortschritt der globalen Wirtschaft im Bereich der Nachhaltigkeit. Die CEOs kamen zu dem Ergebnis, dass Nachhaltigkeit speziell für Innovationen und Wachstum, aber auch für die Kommunikation ein treibender Faktor ist. Zwei von drei Vorstandschefs sind sogar der Meinung, dass Unternehmen nicht genügend tun, um nachhaltiger zu wirtschaften. Schuld daran sei die derzeitige instabile wirtschaftliche Lage – der Mangel an Kapital und vor allem der geringe Fortschritt im nachhaltigen Wirtschaften werden als Gründe von den CEOs angeführt. Allen voran wünschen sich die Führungskräfte aber auch mehr Unterstützung durch die Politik.

Fazit der Studien

Werden die Studienergebnisse miteinander verglichen, so zeigt sich, dass sowohl Unternehmen als auch Konsumenten nachhaltiges Wirtschaften für sehr wichtig empfinden. Der nachhaltige und vor allem effiziente Umgang mit Ressourcen wird in Zukunft immer wichtiger. Doch eines zeigen die Ergebnisse der Studien auch: die Verantwortung für „mehr“ Nachhaltigkeit im Alltag wird gern anderen, Dritten, zugeschoben. Die Konsumenten schieben die Verantwortung auf Unternehmen ab, diese wiederum auf die wirtschaftliche Lage und die Politik – ist das der Beginn eines Teufelskreises? Oder anders gefragt; was hält uns wirklich davon ab, nachhaltig zu leben?

Hindernisse aus Konsumentensicht

Die Antwort auf diese Frage kann zumindest aus Sicht der Konsumenten beantwortet werden: der Preis. Laut der Studie von Marketagent ist der Preis für die meisten Konsumenten noch immer ausschlaggebend für die Kaufentscheidung, wobei die Qualität und die Verfügbarkeit weitere wichtige Faktoren sind; erst danach kommt die Nachhaltigkeit eines Produktes.

Dass der Preis, bzw. die Kosten, auch für Unternehmen ausschlaggebend sind, ist anzunehmen.

Doch Fragen, die sich jeder Einzelne von uns stellen sollte: sind Kosten wirklich ein guter Maßstab für Nachhaltigkeit? (Artikel zu Kaufentscheidung) Wenn ja, was sagt diese Einstellung über uns aus? Ist es nicht an der Zeit die Verantwortung für das eigene Handeln selbst zu übernehmen und nicht anderen zuzuschieben? Wohin wird uns unser derzeitiger Lebensstil führen? Werden wir in Zukunft bereit sein, mehr in Nachhaltigkeit zu investieren? Beantworten muss die Fragen jeder für sich selbst. Doch nur wenn wir uns heute mit diesen Fragen befassen, können wir unsere Zukunft vor Schlimmeren bewahren.

Über Isabella Schulner
Isabella Schulner wurde 1990 in Zwettl geboren und wuchs im Waldviertel auf. Sie studierte Media- und Kommunikationsberatung an der FH St. Pölten. 2015 schloss sie ihr Masterstudium Management am IMC Krems ab und bearbeitete in ihrer Masterarbeit das Thema Führungskräftekommunikation in Veränderungsprozessen. Seit Februar 2013 ist sie bei Gaisberg Consulting in Wien tätig, davor sammelte sie Berufserfahrung in diversen Praktika bei namhaften österreichischen Unternehmen wie Siemens, Wüstenrot oder Raiffeisen Ware Austria.
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