Wo liegen die Herausforderungen für Bio? – Interview mit Werner Lampert

Bärtiger Mann in weißem Hemd im Grünen

„Lassen’s mich mit dem Bio-Zeug in Ruhe, das ist doch alles nur Lüge“. Was sind die Herausforderungen im Bio-Bereich, wo besteht Handlungsbedarf, was sind die Hoffnungen von Bio? Bio-Pionier Werner Lampert behandelt im Interview für energieleben.at diese Themen.

Das Prinzip „Bio“ ist inzwischen etabliert und wird angenommen, woran Sie maßgeblich beteiligt waren. Wenn Sie zurückblicken – was ist gut gelungen, was weniger gut?

A. Es gibt einen rechtlichen Rahmen, der dafür sorgt, dass es eine hohe Sicherheit gibt. Wo Bio drauf steht, ist auch Bio drinnen. Diese Rechtssicherheit ist gut gelungen, darauf können alle stolz sein!

B. Zwei Problemkreise sehe ich:

  1. Bei der Verarbeitung und bei den Hilfsmitteln sollten die Möglichkeiten enger gefasst werden. Die Verarbeitung muss transparent gestaltet werden, denn
  2. Gelbes Logo Prüf NachKonsumentinnen und Konsumenten sollen Einblick in die Herstellung ihrer Lebensmittel erhalten dürfen. In der Bio-Produktion sind sogar E-Nummern gestattet, und auch der Zusatz von Enzymen. Selbst im Bio-Anbau sind Hilfsmittel wie das bienengefährdende Insektizid Spinosad zugelassen. Bei Prüf Nach! und Zurück zum Ursprung ist das nicht erlaubt.
  3. In puncto Biodiversität im tierischen Bereich liegt noch viel Arbeit vor uns.
    Beispielsweise werden Rinderrassen immer industrialisierter und nur noch auf Leistung gezüchtet. Angesichts des Klimawandels, der unaufhaltsam auf uns zukommt, ist es wichtig sich alter Rassen zu besinnen. Diese sind widerstandsfähiger.

In einem Interview meinten Sie kürzlich, dass heute finanzielle Anreize für viele Landwirte wichtiger sind als die Leidenschaft für gute Qualität. Inwiefern wird das dann zum Problem für die KonsumentInnen? Und gibt es Lösungsansätze?

Ohne persönliche Überzeugung ist keine ernsthafte und zukunftsfähige Bio-Arbeit zu leisten. Es zählt immer das persönliche Engagement des Einzelnen. Bei Bio kommt es immer auf den Einzelnen an.

Wenn jemand zu Ihnen sagt „Lassen’s mich mit dem Bio-Zeug in Ruhe, das ist doch alles nur Lüge“ – was antworten Sie diesem Menschen?

Bärtiger älterer Mann im GartenSolche Menschen muss man vor sich selbst schützen. Destruktivität ist lebensbedrohend. Bio ist ja nicht einfach nur eine Mode, ein Zeitgeist – das sind Dinge, die sich schnell wieder ändern können. Vielmehr ist Bio-Landwirtschaft Teil einer größeren Wende, zu der uns die Bevölkerungsexplosion und der Klimawandel zwingen.

Wo liegen die nächsten Herausforderungen im Bio-Bereich, sowohl für Unternehmen als auch KonsumentInnen?

Wie in Punkt eins schon ausgeführt: Wir müssen vollkommen andere/ neue Zugänge zur Verarbeitung von Bio-Lebensmitteln finden und wir brauchen eine andere Haltung zu den Tieren. Das ist in den nächsten Jahren zu leisten und wird Bio wieder auf die Überholspur bringen.

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Logo einer Internetplattformenergieleben.at heißt: Energie sparen, Umwelt­be­wusst­sein, Nachhaltigkeit. Es ist eine von Wien Energie gegründete, eigenständige Plattform.

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