Nachhaltiger Winterspaß

Schilift, strahlender Sonnenschein und Schnee

Schneeweiße Pisten, optimale Schneeverhältnisse, Sonnenschein, blauer Himmel,… diese und ähnliche Assoziationen verbinden die rund 3 Millionen Österreicher, die sich jährlich ins Schivergnügen stürzen – dass dieses Vergnügen aber auch Schattenseiten hat, ist nur wenigen bewusst: Neben einem massiven Eingriff in die Natur, verbrauchen die Seilanlagen große Mengen an Strom und Wasser.

In Österreich bekennen sich mehr und mehr Personen zu einem nachhaltigen Lebensstil. Sie achten auf eine biologische Ernährung, nützen öffentliche Verkehrsmittel oder reduzieren unnötigen Abfall. Was viele von ihnen aber nicht bedenken: viele Freizeitangebote sind alles andere als nachhaltig. Selbst wenn diese in der Natur stattfinden, wie etwa Schifahren, bedeutet das nicht, dass sie umweltfreundlich sind – im Gegenteil: viele Outdoor-Angebote weisen eine fatale Ökobilanz auf – so auch zahlreiche Schigebiete in Österreich. Ein durchschnittliches Schigebiet (mit ca. 26 Seilbahnen) benötigt so viel Energie wie ca. 1.500 österreichische Durchschnittshaushalte pro Jahr. Müssen die Hänge zusätzlich künstlich aufbereitet werden, verschlechtert sich die Ökobilanz der Schigebiete nochmals um ein Vielfaches.

Es geht aber auch anders: in Österreich setzen immer mehr Schigebiete auf nachhaltigen Winterspaß – drei von ihnen sind die Schmittenhöhe in Zell am See, das Kitzsteinhorn oder etwa die Rauriser Hochalmbahn.

Die Schmittenhöhe produziert mit sieben Photovoltaikanlagen ca. 300.000 Kilowattstunden im Jahr. Das entspricht fünf Prozent des gesamten Energiebedarfs der Seilbahnen im Winter. Zudem wird für die Skidoos der Pistenrettung Biogas verwendet – das Schigebiet verringert dadurch CO2-Emissionen und reduziert die Schadstoffbelastung um bis zu 80 Prozent.

Eine ähnliche Herangehensweise hat auch das Kitzsteinhorn in Kaprun. Das Wasser für die künstliche Beschneiung wird im eigenen Stausee gesammelt. Eine Turbine im Stausee versorgt das Schigebiet mit „hauseigenem“ Strom. Auf diese Weise werden beinahe 60 Prozent des Strombedarfs der Beschneiungsanlage generiert – das sind bis zu 1,2 Millionen Kilowattstunden.

Die „grüne“ Rauriser Hochalmbahn produziert indes die gesamte Energie für die Beschneiung und ihre zehn Liftanlagen selbst. Das Wasserkraftwerk im Tal hat eine Leistung von 250 Kilowatt im Vollbetrieb – das entspricht rund 1,2 Gigawattstunden im Jahr. Durch die effiziente Nutzung der eigenen Stromproduktion wird die Liftanlage auch gerne als „grüne“ Bahn bezeichnet.

Panorama Blick über Schigebiet

Die drei Schigebiete statuieren ein Exempel für einen nachhaltigen Winterspaß. Schade ist nur, dass die Regionen ihr nachhaltiges Engagement nicht kommunizieren. Es ist kaum bekannt, dass es bereits Winterresorts gibt, die nachhaltig mit den Ressourcen umgehen. Warum ist das so? Dürfen Schigebiete nicht nachhaltig sein? Oder warum berichten die Wintersportregionen verhalten über ihr „grünes“ Engagement?

Ein Grund für die Zurückhaltung könnte die Diskrepanz zwischen Komfort und Nachhaltigkeit sein. Viele Seilanlagen sind mit vielen Komfortleistungen ausgestattet – sie verfügen über eine Sitzheizung bzw. Radio oder der Fahrgast wird mittels Förderband zu der entsprechenden Anlage befördert. Das ist natürlich ein Widerspruch zum nachhaltigen Einsatz von Ressourcen.

Über Isabella Schulner
Isabella Schulner wurde 1990 in Zwettl geboren und wuchs im Waldviertel auf. Sie studierte Media- und Kommunikationsberatung an der FH St. Pölten. 2015 schloss sie ihr Masterstudium Management am IMC Krems ab und bearbeitete in ihrer Masterarbeit das Thema Führungskräftekommunikation in Veränderungsprozessen. Seit Februar 2013 ist sie bei Gaisberg Consulting in Wien tätig, davor sammelte sie Berufserfahrung in diversen Praktika bei namhaften österreichischen Unternehmen wie Siemens, Wüstenrot oder Raiffeisen Ware Austria.
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  • Als Experte für die Stromwirtschaft kann ich es nur begrüßen, wenn sich Schigebiete *nicht* als „nachhaltig“ ausgeben, nur weil sich in der Nähe ein Wasserkraftwerk oder eine Photovoltaikanlage befindet. Ökostrom kann man auch ohne Schilifte produzieren. Wenn wir für jedes neue Öko-Kraftwerk gleich wieder einen neuen Verbraucher finden, dann wird die Energiewende niemals beginnen. Ökostrom zu erzeugen, ist zweifellos gut, aber wirklich nachhaltig ist nur eine Reduktion des Verbrauchs.

    • Das sehe ich genauso! nachhaltiges Skifahren (abgesehen von Tourengehen in Maßen) ist wie nachhaltiges Fliegen ;)