3 Jahre nach Fukushima – Atomkraft, nein Danke!

Heute jährt sich die größte nukleare Katastrophe seit Tschernobyl. An diesem Tag im Jahre 2011 erschütterte das bisher stärkste Erdbeben Japans die Ostküste des Landes. Die dabei freigesetzte Energie entsprach dem 77-fachen jährlichen Weltenergiebedarf oder 780 Millionen Hiroshima-Bomben. Auf das Beben folgte ein stellenweise 38 m hoher Tsunami. Über 18.000 Menschen kamen durch die unmittelbaren Auswirkungen der Naturkatastrophe ums Leben, wovon etwa 2.600 nie gefunden wurden (Stand Februar 2014). Die Narben der Naturkatastrophe sind weitgehend verheilt, was bleibt ist etwas anderes.

Bis vor drei Jahren kannte niemand die japanische Stadt mit dem Namen Fukushima. Das Tōhoku-Seebeben am 11. März 2011 verschaffte ihr eine traurige weltweite Bekanntheit.

Geniale Funktionsweise der Siedewasserreaktoren

Das Kernstück eines jeden Atomkraftwerkes sind die Brennstoffelemente aus radioaktivem Material (meist Urandioxid), dessen Atome stetig zerfallen. Dieser Zerfall erzeugt Hitze und kann durch Wasser und Regulierungsstäbe gesteuert werden.

Schema eines SWRs. Aus der Wikipedia.

Schema eines SWRs. Aus der Wikipedia.

In einem Kraftwerk nach dem Typ Siedewasserreaktor (wie in Fukushima) wird Wasser an den Brennstoffelementen vorbeigeleitet, das in Folge verdampft und Turbinen antreibt. Anschließend bringt ein externer Kühlkreislauf den Dampf zum Kondensieren und das Wasser gelangt wieder zu den Brennstoffelementen.

Das geniale Prinzip dabei ist, dass das Wasser nicht nur den Strom erzeugt, sondern auch den Kern kühlt. Gleichzeitig bremst es die Kettenreaktion, wenn die Brennstäbe zu heiß werden. Das passiert durch die Eigenschaft von Wasser beim Erhitzen Bläschen auszubilden, welche die Kettenreaktion verlangsamen und sich somit die Brennelemente abkühlen (Mehr dazu hier). Daher kann ja eigentlich nichts passieren, würde man meinen.

Was passierte in Fukushima Daiichi?

Das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi (oder Fukushima I) besteht aus 6 Siedewasserreaktoren.

Luftbild von Fukushima

©Google Maps

Als die Seismometer im Kernkraftwerk Fukushima I am 11. März 2011 das Erdbeben registrierten, wurde in den Reaktoren 1 bis 3 eine Schnellabschaltung initiiert. Die externe Stromversorgung fiel durch das Erdbeben aus und Notstromdieselgeneratoren starteten. Alle sechs Blöcke schalteten problemlos auf Notkühlung um. Die Kühlung ist wichtig, da selbst abgeschaltete Reaktoren, in denen die Kettenreaktion unterbrochen wurde, noch Hitze erzeugen (Nachzerfallswärme).

Das Kraftwerk hatte das Erdbeben ohne Störfälle überstanden, die ungefähr 13 bis 15 Meter hohen Tsunamiwellen jedoch nicht. Die Reaktorblöcke 1 bis 4 wurden bis zu 5 Meter tief überschwemmt, die Blöcke 5 und 6 bis zu einem Meter. Der Tsunami zerstörte die Kühlpumpen der Reaktoren und alle Notstromaggregate außer einem fielen aus.

Mitarbeiter versuchten verzweifelt mit Autobatterien und tragbaren Stromgeneratoren die Kühlung aufrecht zu erhalten. Zerstörte und blockierte Straßen verhinderten indes, dass neue Aggregate herangeschafft werden konnten. Die Kühlung in den Blöcken 1 bis 4 fielen in Folge aus. Danach überschlugen sich die Ereignisse. Innerhalb weniger Tage kam es zu Kernschmelzen in den Blöcken 1 bis 3, und Explosionen in den Blöcken 1, 3 und 4.
Druckentlastungen um Explosionen zu verhindern, schleuderten radioaktives Material in die Luft. Aus Block 2 trat hoch kontaminiertes Wasser aus und verseuchte das umliegende Meer.
Die Strahlenbelastung am Gelände stieg enorm, weshalb am 15. März 2011 alle bis auf 50 Mitarbeiter evakuiert wurden. Ob diese „Fukushima 50“, „Helden von Fukushima“ noch leben, ist nicht bekannt, eben so wenig, wer sie waren und wie sie hießen. Den GAU (größter anzunehmender Unfall) konnten sie leider nicht verhindern. Nach der Internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse erreicht die Katastrophe von Fukushima die höchste Stufe, gleich wie Tschernobyl.

Weitere Störfälle im Kernkraftwerk Fukushima I

©ndaa

©ndaa

Am 20.8.2013 wurde bekannt, dass ein radioaktives Leck entdeckt wurde aus dem täglich schätzungsweise 300 Tonnen verstrahltes Wasser in den Pazifik sickerten. Am 20.2.2014 liefen erneut etwa 100.000 Liter radioaktiv verseuchtes Wasser aus einem Auffangbecken ins Erdreich.

Der Betreiber des Atomkraftwerks, Tepco „korrigierte“ jetzt Strahlenmessungen aus dem letzten Jahr (2013) nachträglich. Die Verseuchung des Grundwassers war mehr als 10 Mal so hoch wie erst veröffentlicht. BBC News berichtete kürzlich, dass die Strahlung rund um Fukushima „18 Mal höher“ ist als bisher angenommen.

Folgen für Japan noch nicht bekannt

Ähnlich wie beim Reaktorunfall von Tschernobyl wird vom United Nations Scientific Committee on Effects of Atomic Radiation (UNSCEAR) an einer umfassenden Darstellung der radiologischen Auswirkungen von Fukushima I gearbeitet. Dieser ist leider auch 3 Jahre nach der Katastrophe noch nicht fertig.

Radioaktive Strahlung im Meer

Erreichten radioaktive Teilchen über die Winde bereits nach einigen Tagen die USA, wird die erste große radioaktive Meereswelle nun im März 2014 an den amerikanischen Küsten erwartet.

robbenPeruIndes wurden in Alaska bei Eisbären, Robben und Walrossen Fellverlust und offene Wunden vermerkt und entlang der kanadischen Westküste Fische, die aus Kiemen, Bäuchen und Augäpfeln bluteten. In Kalifornien waren 15 von 15 Blauflossen-Thunfischen mit Strahlung aus Fukushima kontaminiert. Schätzungen zufolge wurde bis zu 100 Mal so viel radioaktive Strahlung durch Fukushima im Ozean freigesetzt wie während der gesamten Katastrophe von Tschernobyl. (Quelle)

Atomkraft Nein Danke!

Selbstverständlich sind Atomkraftwerke sicher und geniale Konstrukte, was sie jedoch nicht sind, ist fehlertolerant.

Aber: Irren ist menschlich (Tschernobyl). Naturkatastrophen passieren (Fukushima).

Gemäß des Vorsorgeprinzips gibt es nur eine Schlussfolgerung:

Raus aus der Atomkraft!

 

Über Isabell Riedl
Die Natur hat mich schon als kleines Kind fasziniert. Spätestens als ich aufgrund der Schönheit eines Tieres zu Tränen gerührt war, wusste ich, dass es meine Aufgabe ist, diese Welt und ihre Schönheit zu bewahren. Im Zuge meines Ökologiestudiums lebte ich 2 Jahre in Costa Rica, wo ich dessen Vogelwelt erforschte. Seit Mai 2012 arbeite ich nun bei der Werner Lampert Beratungs GmbH im Bereich der Nachhaltigkeit und verwalte unter anderem diesen Blog. Seit 2016 versuche ich diese Welt für mein Kind Ruben noch mehr zu schützen.
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  • Alf zum Atem

    „täglich schätzungsweise 300 Tonnen verstrahltes Wasser“
    Ich unterstelle mal, dass das ziemlich aus der Luft gegriffene Zahlen sind. Wenn es stimmen würde, was bitte heißt bspw. „verstrahlt“? In Mineralwasser aus dem Schwarzwald ist auch Uran drin. Ist das auch „verstrahlt“? – und das wird sogar in Flaschen abgefüllt und getrunken. Unvorstellbar, was wäre, wenn man das ins Meer kippen würde!

    Wo bitte sind also die Nachweise? Die DWN etwa? Die verweisen auch selten auf Quellen und behaupten stattdessen einfach, was die Angstdeutschen gerne hören.
    Ich prüfe das gerne selbst weitestmöglich nach. Darf ich, oder soll ich einfach glauben? Antworten Sie mir gerne!

  • Strahlenrealist

    Eine sehr vernünftige Abhandlung mit Messungen findet man hier:
    spectrum.ieee.org/tech-talk/energy/nuclear/measuring-radiation-in-fukushima-with-pocket-geigers-and-bgeigies

    Wasser wird üblicherweise in Kubikmetern (m3) gemessen.
    Allerdings können Sie auch gerne schreiben, dass Sie zu Hause in Ihrem Haushalt monatlich 15 Tonnen Wasser für die Sauberkeit „verschwenden“.

    Vernünftiger ist es also zu sagen, dass täglich 300 m3 kontaminiertes Wasser zur Verdünnung in den Ozean geleitet werden, bzw. dass Sie zu Hause 15 m3 monatlich für Sauberkeit und Hygiene verwenden.

    Die Verdünnung radioaktiver Belastungen unterhalb einer kritischen Konzentration ist durchaus sinnvoll. Radioaktivität an sich ist ja nichts Schlimmes, Sie selber sind ja auch radioaktiv. Früher haben wir Dünnsäure in der Nordsee veklappt, sicher auch nicht so toll, aber in Fall von Fukushima ist offenbar z.Zt. technisch wirtschaftlich nichts Besseres möglich.